Traumjob: Männer-Model

STIL David Koch (25) präsentiert Mode auf internationalen Magazinen und Laufstegen

Blickfang: Diese Passanten schießen schnell ein Foto der Diesel-Werbekampagne mit David Koch. (Foto: privat)

Bild 1 von 2

Treffen in einem Café in Marburg. David Koch kommt in Lederjacke, Jeans und mit lässiger Basecap. „Hi, ich bin David“, sagt er. Er bestellt eine Cola.

David, erzähl doch bitte kurz, wie du zum Modeln gekommen bist.

Anzeige

David Koch: Ich war beim Shoppen auf der Zeil in Frankfurt. Im Mai 2011 war das. Da wurde ich von einer Agentin angesprochen, dass ich ein super Gesicht und das Aussehen zum Modeln hätte. In zwei Wochen wäre Fashion Week. Ob ich da nicht Bock zu hätte.

Wie ging's weiter?

Koch: Ich habe das erst gar nicht ernst genommen. Doch ein paar Tage später rief mich die Agentin an. Ich müsse sofort kommen für ein Test-Shooting und Catwalk-Training. Eine Pariser Agentur habe Interesse an mir. Ich war dann mit meiner Mutter da, habe einen Vertrag unterschrieben, und dann ging es ein paar Tage später auch schon auf die Fashion Week nach Paris.

Extra-Lauftraining genommen?

Koch: Nein. Nur ein paar Tipps. Geradeaus laufen, nicht mit dem Kopf wackeln, ernst schauen. Letzteres ist wichtig. Fashion ist ziemlich ernst.

Und? Direkt gefallen an der Modewelt gefunden?

Koch: Nein, gar nicht. Der Anfang war übel. Ich war voll überfordert und kam nicht klar. Ich habe sogar zuhause angerufen und gesagt: ,Mama, das ist nichts meins. Ich schaffe das nicht.' Sie hat mich dann aber ermutigt, die Chance zu nutzen. Zum Glück. Ich wurde sogar zum besten Newcomer gewählt. Das war mein Sprungbrett für Agenturen in New York, Barcelona und Mailand.

Warst du vorher modebegeistert?

Koch: Nee, gar nicht. Ich kannte vielleicht Calvin Klein und Armani. Jetzt bin ich schon für Givenchy oder Thierry Mugler gelaufen. Früher hat meine Mutter mir die Sachen gekauft. Das habe ich dann angezogen. (lacht)

Ist das jetzt anders?

Koch: Jetzt kenne ich mich auf jeden Fall besser aus. Aber ich trage immer noch meine Sachen von Zara und H&M. Mir ist das nicht so wichtig, der Preis ist egal – außer bei Schuhen und Uhren. Die mag ich teuer (grinst).

Was ist denn das Wichtigste in dem Job? Hat man eigentlich noch Freizeit?

Koch: Egal, wie stressig es manchmal ist: Du musst Disziplin, Ehrgeiz und Engagement haben. Freizeit hat man zwischendurch eher selten. Mal hat man mehrere Castings hintereinander. Dann dreht man wieder einen halben Tag für einen Werbeclip. Danach bist du geschafft und müde.

Wie lange brauchst du morgens im Bad?

Koch: Gar nicht lange. Zehn Minuten duschen, meine Haare sind immer Out-of-Bed-Style – da muss ich nix machen. Klamotten an. Fertig. Bei Kleidung ist eh weniger mehr: je unauffälliger desto besser.

Klischee: Alle männlichen Models sind schwul. Stimmt's?

Koch: Nee, definitiv nicht. Ganz wenige. Mir fällt gerade gar keiner ein. Die meisten haben eine Freundin.

Du bist ja auch in einer Beziehung: Deine Freundin kommt hier aus dem Landkreis. Ist sie neidisch? Macht sie sich Sorgen um Affären mit weiblichen Models?

Koch: Auch nicht. Es vergehen keine zwei Stunden am Tag, an denen wir nicht voneinander hören. Wir vertrauen uns voll und ganz. Wenn sie möchte, kann sie immer in mein Handy reinschauen. Ich habe nix zu verbergen. Wenn ich hier bin, verbringen wir die Zeit immer zusammen. Dann nehme ich sie auch gerne mit zu Shootings.

Gibt es große Unterschiede zwischen dem weiblichen Model-Business und dem männlichen?

Koch: Schon. Der Größte: Als Mann kannst du länger arbeiten. Je älter, desto besser. Als Mann kannst du locker bis 45 arbeiten. Als Frau ist mit Ende 20 meistens Schluss – oder du musst echt krass dabei sein und einen großen Namen haben.

Wie wichtig ist Fitness? Trainierst du täglich und hast einen Diätplan?

Koch: Ich hab' nen super Stoffwechsel (lacht). Ich kann alles essen und ich halte meine 75 Kilo trotzdem. Ab und zu geh ich mal joggen. Das war's dann aber auch schon. Wenn's hoch kommt, 20 Minuten am Tag.

Und wie realistisch ist die Model-Welt, die einem Germany's Next Topmodel präsentiert?

Koch: Ziemlich unrealistisch. Die Mädchen, die man da sieht, sind fürs Fernsehen gemacht. Die großen Labels wollen keine gecasteten Models. Die Teilnehmerinnen bleiben dann im Fernsehen – und landen vielleicht im Dschungelcamp.

Zum Abschluss: Ist das Modeln dein Traumberuf?

Koch: Ich genieße den Moment und möchte es so lange machen, wie's geht. Bevor ich damit angefangen habe, habe ich mich nicht damit beschäftigt, heute würde ich sagen: Ja, es ist mein Traumberuf.

David, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (0)
Mehr aus midde