"Verrückte Idee" begeistert das Publikum

PREMIERE "Poetry Slam" mit Weinprobe - Schreibwerkstatt stellt neues Buch vor

Marco Michalzik, der Leiter der "Schreibwerkstatt" und Theresa Hahl demonstrierten eindrucksvoll, was unter "Poetry Slam" zu verstehen ist. (Foto: Reitz)

Daneben trugen die Autoren eigene Texte im Stil des "Poetry Slam", einem modernen Dichterwettstreit, vor. Auch die bekannte "Poetry Slammerin" Theresa Hahl hat an dem Buch mitgewirkt. Beteiligt an der Veröffentlichung waren Behinderte und Nicht-Behinderte, was das Buch zu einem Musterbeispiel für Inklusion macht. "Inklusion erreichen wir, wenn Sie heute nach Hause gehen und sagen, das hat Spaß gemacht" , erklärte Ralf Turk, Werkstattleiter der Lebenshilfe Dillenburg.

Ermöglicht und geplant wurde die Lesung zusammen mit der Stadt Haiger. Auch die "Aktion Mensch" und der Lahn-Dill-Kreis förderten das Projekt finanziell.

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Das Buch von "Egon, der aus der Welt fällt" ist ein Gemeinschaftsprojekt von Theresa Hahl, Mehrdad Zaeri und der Schreibwerkstatt Herborn. Es sei eine "verrückte Idee" gewesen, das Buch zusammen zu schreiben, blickte Marco Michalzik, Leiter der Schreibwerkstatt, zurück: "Der Anfang war bei allen gleich, danach konnte jeder die Geschichte selbst weiterspinnen."

Szenegröße Theresa Hahl trug ihr Stück "Das Herzmäre" vor und bekannte darin: "Mein Herz ist eine kleine Hure und bringt mich in Verlegenheit". Mit Wortkreationen wie "Kamikazekunst im Kardioquadrat" drückte sie ihre Gefühlswelt poetisch aus. Lautstark intonierte sie zu Beginn eines weiteren Stückes über Abenteuer den wilden Gesang von "Ronja Räubertocher" und zog das Publikum in ihren Bann.

"Schreibwerkstatt"-Teilnehmer Thomas Wörsdörfer aus Herbornseelbach trug zwei Gedichte seiner Frau Anette Köhler vor, eines davon ist in dem neuen Buch zu finden. Das Gedicht "Du" ist eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort. Wörsdörfer las außerdem eine Erzählung aus seinem Buch "BaumVerwandt" vor, das aus der Sicht der Bäume über die Menschen erzählt, und mit zahlreichen Kohlezeichnungen bebildert ist.

Bärbel Thomas, die einige ihrer Texte mit Illustrationen versehen hat, las aus "Egon, der aus der Welt fällt". Das Werk spielt in einer idyllischen Traumwelt, in der Egon mit seinem Schaf Emma lebt. Doch eines Tages tut sich ein Riss in der Welt auf, Egon fällt auf die Erde. René Schier schilderte aus der Sicht Egons, dass die "Erdlinge" merkwürdige Wesen seien, die ihren Heimatplaneten ausbeuten und sich bekriegen.

Die Herbornerin Lula Leitloff, Finalistin des "Herborner Poetry Slams", verband in ihrem Stück das Schicksal zweier verfolgter Brüder im von Krisen erschütternden Land Somalia mit den ausländerfeindlichen Parolen eines Schönlings in einer "pseudoschicken Bar".

Kritik an der Gesellschaft

Gesellschaftskritik klang auch in anderen Texten an. Sascha Kirchhoff ist für seine "härteren Texte" berüchtigt und prangerte "das Gefängnis der Gewohnheiten" an: "Ein gutes Leben bedeutet nicht, wie viel wir leisten, sondern, wie viel wir uns ersparen". Melanie Hofheinz sorgte für die musikalische Untermalung und interpretierte moderne Stücke wie "Demons" von " Imagine Dragons" und Klassiker wie "Let it be". Zwischendurch wurden den Zuhörern verschiedene Weine aus dem Anbaugebiet "Hessische Bergstraße" serviert. "Die akustische Kost war heute schwerer als die kulinarische", resümierte Ralf Turk von der Lebenshilfe, der als "Sommelier" die Weine vorstellte.


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