Von wegen Schrottkiste

FREIZEIT Jugendliche zimmern aus Sperrmüll Seifenkisten und jagen den Strohberg runter

Will den Strohberg in weniger als 30 Sekunden bezwingen: Chan in der "geilen Kiste", zusammengezimmert vom Team "1". (Foto: Heitz)

Der "DeLorean" vom Team "Zurück in die Zukunft"am Start: Am Steuer sitzt Niclas (11) aus Hartenrod, Emanuel schiebt an. (Foto: Heitz)

Feilen an der Achse für die Hinterräder: Emanuel (16) aus Bad Endbach, Hanne (11) aus Bottenhorn und Jan (15) aus Neustadt. (Foto: Heitz)

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Vier Tage vor dem großen Rennen stehen Emanuel (16) und Hanne (11) an einem aufgebockten Brett ("das wird der Boden der Holzverschalung") und diskutieren über eine frei Hand skizzierte Seifenkiste, die viel Spielraum für Interpretationen lässt.

Die beiden sind wie Niclas Teilnehmer der Seifenkistenfreizeit in Weidenhausen. Insgesamt sind es 30 Jugendliche, die nachts in den Holzhütten der Bildungs- und Freizeitstätte campieren und tagsüber in Sechserteams Seifenkisten zusammenschrauben. Am Ende der Woche steht das Rennen am Strohberg auf dem Programm.

"Eins steht fest: Wir machen die Kiste vorne rund", konstatiert Hanne. "Und da kommt ein Spoiler drauf", verrät Emanuel. Er fiebert dem Moment entgegen, an dem er die Seifenkiste testfahren kann.

Ins Rollen kommt nebenbei auch die Inklusion

Stichsäge, Bohrmaschine und jede Menge Schrauben liegen zu seiner Rechten, zur Linken ragt ein Berg Sperrmüll in die Höhe. Teile von Kinderwagen, Rollstühlen und Fahrrädern sind erkennbar. "Das werden absolut professionelle Kisten, absolut fahrtüchtig", versichert gleichwohl Fabian Schäfer vom Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj). Vier Tage lange wird in der Bildungs- und Freizeitstätte Weidenhausen vom Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit gebohrt, gehämmert, gesägt und dosenweise Farbe versprüht. Verletzte gibt es keine, dafür fast Streit, wer als nächstes sägen darf.

"Die Kinder waren so enthusiastisch bei der Sache, dass wir sie selbst in den Pausen kaum von den Seifenkisten loseisen konnte", erzählt Sabine Werner, die zusammen mit Schäfer die Jugendarbeit in Bad Endbach macht. "Es hat suuuper Spaß gemacht", fasst Stadtallendorfs Streetworker Sebastian "Habu" Habura am Ende der Woche zusammen. Enthusiasmus gab es auch auf Seiten der Sozialpädagogen.

Zum Abschluss stand dann das große Rennen an. Verpackt in Helm und Ellenbogenschützer heizt einer nach dem anderen den Strohberg runter. Strohballen und rund 150 Eltern säumen die Strecke. Es gilt, die Piste in weniger als 30 Sekunden zu fahren.

Gefeiert wird am Ende allerdings nicht der schnellste Fahrer, sondern das schnellste Team. Und das ist das Team "Zurück in die Zukunft" von Hanne, Niclas und Emanuel. Der Preis für die beste Konstruktion und das beste Design geht an das Team "Ferrari". Es war die zweite inklusive Seifenkistenfreizeit in Weidenhausen. Die erste gab es in den Osterferien 2014, eine dritte soll 2016 folgen. Mitgemacht haben Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren aus dem gesamten Kreis, darunter vier Kinder mit Behinderungen. Das doppeldeutige Motto der Freizeit: "Inklusion - Wir bringen die Kiste ins Rollen".

Hinter der Freizeit steht eine Liste von Trägern: der bsj Marburg mit der interkommunalen Jugendarbeit Bad Endbach, Gladenbach und Lohra sowie die kommunale Jugendarbeit Neustadt, der fib (Verein zur Förderung der Inklusion Behinderter) und das Streetworkprojekt Stadtallendorf.

Die Teilnahme war erschwinglich. 20 Euro zahlten Jugendliche für eine Woche Abenteuer, Kost und Logis. Ermöglicht hat das ein Zuschuss der Aktion Mensch.

Ein Video zur Seifenkistenfreizeit gibt es auf der Facebook-Seite "Jugendhaus Hartenrod". Jenes Jugendhaus ist übrigens auch das künftige Zuhause des siegreichen "DeLorean".


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