"Wahlen sind das Herzstück"

Serie Neuntklässler der Westerwaldschule berichten, was Demokratie für sie bedeutet

Die Klasse MB9a der Westerwaldschule Waldernbach mit ihrer Klassenlehrerin Anja Horz. Alle Schüler nutzen ihr Handy nicht nur zum Kommunizieren, sondern auch zum Informieren. Was das mit Demokratie zu tun hat, das berichten sie im Gespräch mit dem TAGEBLATT. (Fotos: Diefenbach)

Artur Allerdings.

Fabio Perna.

Tommy Messer.

Jan Erik Ehrlich.

Axel Engelmann.

Anja Horz.

Bild 1 von 7

Demokratie ist ein hohes Gut. Darüber sind sich die Jugendlichen einig. „Demokratie bedeutet für mich Mitbestimmung. Wenn ich später wählen darf, dann die Partei, die ich möchte, die meine Interessen einigermaßen vertritt“, sagt Jan Erik Ehrlich (15) aus Waldernbach.

„Demokratie kommt vom griechischen Wort ,demos‘, das bedeutet ,Volk‘“, ergänzt Axel Engelmann (15) aus Waldernbach. „Demokratie heißt für mich, dass wir in einem freien Staat leben, wo jeder frei seine Meinung äußern und seine Religion frei wählen kann und wo für alle die gleichen Rechte gelten.“

Ganz konkret im Alltag umgesetzt heißt Demokratie für Artur Allerdings (15) aus Waldernbach, dass er selbst frei entscheiden kann, was er möchte. „Das fängt schon in der Freizeit an. Wenn wir etwas in einer Gruppe unternehmen, kann nicht einer bestimmen, was wir machen“, so der 15-Jährige.

Auch in der kleinsten Zelle der Gesellschaft, der Familie, wird Demokratie gelebt, meint Jan Erik Ehrlich: „Wohin die Ausflüge oder der Urlaub gehen, darüber sollten immer alle mitbestimmen können.“

Axel Engelmann ergänzt: „Ich denke, es wäre ein großer Unterschied, wenn wir in einer Diktatur leben würden. Wir dürfen hier zum Beispiel zur Schule gehen.“ Die Jugendlichen sind sich darüber bewusst, dass das in vielen Ländern keine Selbstverständlichkeit ist und Gleichaltrige oft gezwungen sind, dass Geld für die Familie zu verdienen. „Wir müssen auch dankbar sein, dass wir nichts vorgeschrieben bekommen, sondern machen können, was wir wollen“, so Artur Allerdings.

Demokratie bedeutet für die Schüler auch Mitbestimmung im Kleinen

Auch mit der Rolle der Medien haben sich die Westerwaldschüler schon kritisch auseinandergesetzt. „Medien sind wichtig, um sich eine Meinung bilden zu können“, meint Axel Engelmann. Wichtig sei, dass die Medien frei, unparteiisch und unabhängig seien. „Deshalb werden Medien ja auch als ,vierte Gewalt‘ bezeichnet“, ergänzt sein Klassenkamerad Artur Allerdings. Er sieht die Gefahr, dass Menschen durch bewusstes Weglassen oder Schönreden leicht manipuliert werden können.

Ob Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet überparteilich und unabhängig berichten, das erkennt Fabio Perna (15) aus Waldernbach beispielsweise in der Politikberichterstattung. „Ein freies Medium berichtet nicht nur Gutes zum Beispiel über eine Partei, sondern auch das Negative.“

Zur Information über Politik nutzen die Schüler sämtliche Medien, Jan Erik Ehrlich befasst sich sogar mit den Programmen der einzelnen Parteien.

Eine große Gefahr sehen die Schüler in der Ausweitung der so genannten „Fake News“, also gefälschten Nachrichten, die als Tatsachen in sozialen Netzwerken präsentiert und weiterverbreitet werden. „,Fake News‘ können als wichtige und richtige Inhalte empfunden werden. So bilden sich manche Menschen vielleicht vorschnell eine Meinung“, befürchtet Axel Engelmann.

Den sicheren Umgang mit Medien erlernen die Jungen und Mädchen in der Schule, aber auch allein, wenn sie sich selbst informieren – davon sind die Schüler überzeugt. „Auch im Unterricht wird Medienkompetenz thematisiert“, erklärt Klassenlehrerin Anja Horz. Beispielsweise beschäftigen sich Lehrer, Eltern und Schüler der Westerwaldschule immer wieder mit dem Thema „Cyber-Mobbing“, auch in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion Limburg-Weilburg. In der achten Klasse beispielsweise sei eine Projektwoche zum Thema angeboten worden und auch Methodentage stehen immer wieder auf dem Programm.

„Wichtig ist, die Schüler über die Gefahren des Internets aufzuklären. Beispielsweise auch darüber, dass einmal Gepostetes nicht mehr zurückgeholt werden kann und dass man sich auch strafbar machen kann“, betont die Lehrerin.

Interessiert verfolgen die Schüler die Entwicklungen in anderen Ländern, in denen Demokratie und auch die Internetnutzung eingeschränkt sind und wie Menschen in Diktaturen leben. „Das muss abgeschafft werden, denn das verstößt gegen die Menschenrechte“, sagt Axel Engelmann. Mittels einer Übergangsregierung sollte überall, wo sie noch nicht existiert, Demokratie eingeführt werden. „Wichtig sind Wahlen, dass das Parlament auch wirklich vom Volk gewählt wird“, sagt der 15-Jährige. Und sein Klassenkamerad Tommy Messer (16) aus Rückershausen sagt: „Wahlen sind das Herzstück einer Demokratie und Voraussetzung für eine frei gewählte Regierung.“


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus midde