Wenn der Hammer so richtig weit fliegt

Interview  Laura Siegel und Sebastian Arnold gehören zu den erfolgreichen TuS-Nachwuchsleichtathleten

Rechtshänder wie Laura Siegel drehen üblicherweise links herum und benötigen einen linken Handschuh, hier im Wurfring auf dem Sportgelände des TuS 03 Weilmünster anschaulich demonstriert. (Foto: Henche)
Der TuS 03 Weilmünster ist die sportliche Heimat von Laura Siegel und Sebastian Arnold. (Foto: Henche)
Linkshänder Sebastian Arnold versucht beim Hammerwerfen, eine Eisenkugel an einem Stahldraht so weit wie möglich zu schleudern. (Foto: privat)
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Im TAGEBLATT-Interview verraten sie Näheres über ihren Einstieg in die Leichtathletik und die Ziele, die sie haben, was ihnen an ihrem Sport so gut gefällt und wie sie Schule, Beruf und Hobby unter einen Hut bringen.

Wie kam es zum Einstieg in die Leichtathletik?

Laura Siegel: Ich habe früher Kinderturnen gemacht, aber dann im Fernsehen Leichtathletik gesehen und war begeistert. Mein Papa hat Kontakte nach Weilmünster, da bin ich dann mit acht Jahren zum ersten Training des TuS 03 gegangen.

Sebastian Arnold: Meine Mutter war aktive Leichtathletin, dadurch sind mein Bruder und ich schon früh zur Kinderleichtathletik gekommen. Mit drei Jahren habe ich angefangen, mit fünf Jahren an den ersten Wettkämpfen teilgenommen, von denen ich noch die Urkunden zu Hause habe.

Was zeichnet die Leichtathletik im Vergleich zu anderen Sportarten aus?

Laura Siegel: Der Wettkampf ist erst entschieden, wenn er endgültig zu Ende ist. Mit dem letzten Wurf können sich noch der Sieg oder die Platzierung ändern. Außerdem ist bei der Leichtathletik die Technik eine besonders ästhetische Ausdrucksform.

Sebastian Arnold: Die objektive Leistung zählt. Durch den Leistungssport habe ich einen Einblick bekommen, wie schwer es ist, eine Disziplin zu erlernen. Jetzt habe ich großen Respekt vor der Leistung anderer Sportler.

Ihr habt euch für Leichtathletik und die Disziplin Hammerwurf entschieden. Was gefällt euch daran und was eher nicht?

Sebastian Arnold: Es ist ein tolles Gefühl, wenn man „den Wurf trifft“, wie wir Werfer sagen. Das merkt man schon, wenn das Sportgerät die Hand verlässt, ob es ein gelungener Versuch ist. Und obwohl es ein Einzel- und kein Mannschaftssport ist, haben wir Athleten untereinander eine sehr gute Kameradschaft und pflegen einen respektvollen Umgang.

Weniger angenehm sind bestimmte Trainingsinhalte. Die sind so intensiv, dass man schon vorher weiß, wie weh es tun wird. Und mehrere schlechte Trainingswürfe wirken sich auf die Psyche aus. Der emotionale Druck ist dann groß.

Laura Siegel: Es ist toll, wenn nach intensivem Training Fortschritte zu beobachten sind und sich bestimmte Automatismen einstellen. Ein Nachteil unseres zeitintensiven Sports ist natürlich, dass wir nur sehr wenig Freizeit haben, die wir uns gut einteilen müssen.

Wie lassen sich Schule, Beruf und Freunde mit dem Hobby vereinbaren?

Laura Siegel: Ich mache mein Fachabitur und brauche ein super Zeitmanagement, denn das Lernen fliegt mir leider nicht zu. Daher ist Selbstdisziplin wichtig. Viele meiner Freunde machen ebenfalls Leichtathletik, bei allen anderen muss man auf Verständnis hoffen.

Sebastian Arnold: Ebenso wie Laura wohne ich seit 2017 im Sportinternat in Frankfurt, das macht es etwas einfacher. Davor haben uns unsere Eltern fast drei Jahre lang fünf bis sechs Mal pro Woche nach Frankfurt gefahren. Da hat Laura ab und an auch Mal im Auto für die Schule gelernt. Jetzt studiere ich Physik und hab meine Vorlesungen und das Training aufeinander abgestimmt.

Was war bisher euer schönstes sportliches Erlebnis? Es muss nicht unbedingt der größte Erfolg gewesen sein.

Laura Siegel: Da fällt mir spontan ein Wettkampf in Bad Nauheim ein, als ich neun Jahre alt war. Ich habe den 80-Gramm-Schlagball zum ersten Mal weiter als 30 Meter geworfen und vor lauter Freude angefangen zu weinen. Meine Mutter saß im Publikum und dachte, ich habe mich verletzt.

Sebastian Arnold: Die Deutsche Blockmeisterschaften 2013 waren der erste Wettbewerb, der mich über Hessen hinaus geführt hat. Ich hatte das Ziel, unter die Top 20 gekommen, doch dann wurde es „der Wettkampf meines Lebens“, bei dem ich auf dem fünften Platz gelandet und nur ganz wenige Punkte am Podium vorbeigeschrammt bin.

Ein weiterer Höhepunkt meiner Karriere war 2017, am Ende meiner bisher erfolgreichsten Saison. DLV-Bundestrainer Joachim Lipske kam auf mich zu und sagte, dass er mich für den Bundeskader nominiert.

Was sollte man an Voraussetzungen mitbringen, um erfolgreich Leichtathletik zu machen?

Sebastian Arnold: Ehrgeiz, Trainingsfleiß, Biss, Talent und Spaß an Bewegung. Voraussetzung ist aber auch die Unterstützung der Eltern, ohne die Laura und ich nie so weit gekommen wären.

Laura Siegel: Selbstdisziplin und den Willen, über die eigenen Grenzen hinauszugehen, zum Beispiel bei bestimmten Trainingseinheiten. Die Eltern spielen eine wichtige Rolle, sie können ermutigen und echte Motivationstrainer sein.

Gibt es noch andere leichtathletische Disziplinen, die ihr gerne einmal ausprobieren möchtet?

Sebastian Arnold: In den Trainingspausen oder nach Wettkämpfen versuchen wir uns schon mal in anderen Disziplinen, um Spaß zu haben und den Kopf freizukriegen.

Laura Siegel: Mit 14 oder 15 Jahren sollte man sich spezialisieren, um in einer Disziplin die Spitze zu erreichen.

Welche Tipps habt ihr für Kinder, die auch mal so erfolgreiche Sportler werden wollen?

Laura Siegel: Man sollte sein Hobby lieben und mit Ernsthaftigkeit betreiben. Sebastian Arnold: Aber nicht nur die Kinder, auch die Eltern sollten sich mit dem Hobby identifizieren, überzeugt an die Sache rangehen und dranbleiben.

Wie sehen eure persönlichen sportlichen Ziele aus?

Laura Siegel: Mein Ziel ist es, meine bisherige Bestleistung von 51,31 Metern zu übertreffen und konstant 53 bis 54 Meter zu werfen. Und eine Nominierung für den Bundeskader.

Sebastian Arnold: Mein erstes Ziel, in den Bundeskader zu kommen, habe ich schon erreicht. Mein Traum ist es, einmal das Deutschlandtrikot zu tragen. Allerdings habe ich ebenso wie Laura einen sehr starken Jahrgang erwischt.

Was wünscht ihr euch in Bezug auf euren Sport?

Laura Siegel: Es gibt so viel mehr Sport als nur Fußball. Aber vor allem im Fernsehen erscheint die Leichtathletik hauptsächlich nur alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen.

Sebastian Arnold: Das stimmt. Dabei sind Leichtathletik-Wettkämpfe meistens spannend und bieten uns Einzelkämpfern als Team tolle Erlebnisse. Mehr Präsenz in den Medien würde gleichzeitig auch mehr Sponsoren bedeuten. Der TuS Weilmünster als Verein leistet sehr viel, aber er kann eben nicht alles leisten.

 

Zur Person: Laura Siegel

Alter: 17 Jahre

Wohnort: Weinbach-Edelsberg

Geschwister: zwei Brüder

Beruf: Schülerin

Hobbys: Leichtathletik, zwei Hunde

 

Zur Person: Sebastian Arnold

Alter: 19 Jahre

Wohnort: Schöffengrund-Oberquembach

Geschwister: ein Bruder

Beruf: Student

Hobbys: Leichtathletik, Fußball, Politik, Lesen


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