Wenn sich alles dreht ...

MITMACH-PARCOURS "KlarSicht" informiert über die Gefahren von Alkohol und Tabak

Die sogenannte Rauschbrille simuliert einen Promillewert von 1,5. Die Schüler erfuhren am eigenen Leib, dass es danach gar nicht so einfach ist, simpelste Aufgaben zu lösen. (Foto: Röder)

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Den Parcours durchlaufen die Schüler der Hinterlandschule, der Beruflichen Schulen (bsb) und der Lahntalschule Biedenkopf in kleinen Gruppen. Am Anfang steht das "Tor der Entscheidung": "Würdest du heute Abend eine Flasche Wodka trinken?" Am Ende wird erneut gefragt und geschaut, ob sich die Meinung geändert hat. Dann Folgen Stationen, die die Strategien von Zigarettenwerbung entlarven, eine Talk-Show simulieren - oder auf der besagte Rauschbrille getragen wird.

Etwa 17 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren trinken sich mindestens einmal im Monat in den Vollrausch, teilt die BZgA mit. "Tabak und Alkohol können zu einer großen Versuchung für junge Menschen werden", weiß Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). "Die Verantwortung von uns Erwachsenen ist zudem sehr groß, denn wir sind alle Vorbilder für unsere Kinder."

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Karl-Heinz Schneider, der Schulleiter der bsb, meint: "Alles, was wir tun können, um junge Menschen von exzessivem Trinken abhalten zu können, sollten wir auch tun." Zudem dürfe man Prävention nicht mit Therapie verwechseln. "Viele fragen einen, wenn sie hören, dass wir so etwas anbieten, ob unsere Schüler Alkoholprobleme haben", sagt er. "Dabei ist der Parcours ein wichtiges Präventionsangebot."

Mit im "KlarSicht"-Boot sind auch das Diakonische Werk Oberhessen, das Diakonische Werk Biedenkopf-Gladenbach und der Biedenkopfer "Treff". "Unser Kerngeschäft ist die Suchtberatung, das heißt, wir arbeiten mit Menschen, die bereits süchtig sind", erklärt der Leiter des Diakonischen Werks Biedenkopf-Gladenbach, Helmut Kretz. "Wir merken, dass viele Menschen sehr unbedarft in die Sucht schlittern. Deswegen ist die Sensibilisierung unglaublich wichtig." Ortwin Schäfer schließt sich dem an: "Es gibt keine Cannabis-Konsumenten, die nicht auch Raucher sind."

Mit der Teilnahme an dem Parcours nutzen alle Beteiligten aus der Suchtberatungen und den drei Schulen, Synergieeffekte. "Man stärkt das regionale Netzwerk", sagt Lydia Berthold von der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werks Oberhessen.

"Wir hoffen, dass die Jugendlichen sich intensiver mit dem Thema beschäftigen"

Schülerin Nicole und ihre Klassenkameraden sind mittlerweile bei einer Station angekommen, bei der sie einen Werbeslogan für eine Zigarettenmarke kreieren sollen. Es folgen die typischen Stereotype der Werbung: Junge, attraktive Menschen, die rauchen, um Spaß zu haben. Denn die Teilnehmer haben verstanden, wie die Mechanismen funktionieren: "Wenn wir die Wahrheit sagen würden, würde es ja niemand kaufen", meint ein Schüler.

"Ob die Jugendlichen dennoch trinken oder rauchen, entscheidet sich nicht hier, sondern auf der nächsten Party", sagt Projektleiterin Ingrid Schmitt. "Wir hoffen, dass sie sich nach dem heutigen Tag intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und ihren eigenen Konsum überdenken - dann haben wir alles richtig gemacht."


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