"Wie ein Klassentreffen"

MUSIK Maximilian Schneider-Ludorff organisiert Hip-Hop-Festival

Maximilian Schneider-Ludorff

(Foto: privat)

Maximilian Schneider-Ludorff hat den Rapper "Haftbefehl" auf die Bühne des Tapefabrik-Festival in Wiesbaden geholt. (Foto: Felix Pöhland)

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Die Idee zu dem Festival kam dem 26-Jährigen, weil er selbst gerne Hip-Hop hört, dieser aber selten auf großen Bühnen zu finden ist. Mit vier Partnern, die er im Internet kennengelernt hatte, hat er im März 2012 das erste Festival in der Rockarena Limburg organisiert. Der Medieninformatik-Student rechnete damals mit 300 Besuchern, gekommen sind drei Mal so viele, sodass er das Festival im Jahr darauf in den Wiesbadener "Schlachthof" verlegte, wo es seitdem jährlich stattfindet. Der "Schlachthof" eignet sich aufgrund seiner Geschichte besonders gut für das Fest. Lange fand in der Halle das "Meeting-of-Styles", ein Graffiti-Festival statt. "Hip-Hop ist mehr als Musik. Da gehört der Breakdance, aber auch das Graffiti dazu." Das Tapefabrik-Festival will nicht bestimmte Fans ansprechen, sondern fokussiert auf den künstlerischen Aspekt der Musik. Schneider-Ludorff schätzt am Hip-Hop die Texte, die oftmals gesellschaftliche Probleme ansprechen. "Es ist die Liebe zum analogen Sound und den Texten, die sich mit mehr auseinandersetzen als Party machen."

Bei dem Festival ist es Schneider-Ludorff wichtig, namhafte und neue Künstler wie "Haftbefehl" zu gewinnen, aber auch "alte Helden" nach langen Auszeiten zurück auf die Bühne zu holen. "Creutzfeld & Jakob waren in diesem Jahr bei dem Festival dabei. Erst wollten die Künstler nicht, aber als wir ihnen das Konzept erklärt haben, waren sie überzeugt", sagt Schneider-Ludorff.

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Die Atmosphäre des Hip-Hop-Festivals beschreibt Schneider-Ludorff als familiär und freundschaftlich. "Für die Künstler ist das wie ein Klassentreffen. Sie trinken Bier und quatschen."

Mit 3000 Besuchern war das Tapefabrik-Festival im Januar ausverkauft. Mehr als 60 Künstler waren im Wiesbadener "Schlachthof" auf drei Bühnen zu sehen. "Um 16 Uhr hat das Fest begonnen und um vier Uhr morgens sind wir nach Hause", sagt Schneider-Ludorff.

Damion Davis integriert die Dekoration auf der Bühne in seinen Auftritt

Am spektakulärsten war für den jungen Veranstalter der Auftritt von Damion Davis, der kurzerhand die Bühnendekoration in seine Darbietung integrierte. Der Rapper ist mit den alten Fahrrädern, die an der Wand hingen, über die Bühne gefahren. "Das war eine echte Herausforderung für die Security", sagt Schneider-Ludorff. Schwitzend und lachend zugleich sah er bei dem den Auftritt zu.

Schneider-Ludorff und seine vier Partner betreiben die Festival-Organisation hauptberuflich. Neben dem Festival besitzen sie auch eine Plattenfirma, mit der sie regelmäßig Musik herausbringen und eine Merchandise-Abteilung.

Durch "Learning by Doing" ist Schneider-Ludorff in die Festival-Organisation hereingewachsen. Für das erste Festival hat der 26-Jährige die Künstler noch mit seinem Privatauto in Berlin abgeholt, heute weiß er, wie er Fahrten und Transporte professionell organisiert. Er und sein Team haben auch gelernt, wie wichtig es ist, bindende Verträge mit den Künstlern abzuschließen, oder dass die Getränkeeinnahmen einen Großteil des Umsatzes ausmachen.

Derzeit arbeitet Schneider-Ludorff an den Planungen für das nächste Tapefabrik-Festival, das Mitte Mai in Berlin stattfinden soll. In Berlin funktioniere solch ein Event anders als im Rhein-Main-Gebiet, weiß der 26-Jährige. "Die Konkurrenz ist einfach viel größer. An einem Wochenende gibt es da 300 Veranstaltungen." Auch die Buchung der Location sei in Berlin eine Herausforderung gewesen und nicht zuletzt sei Publikum dort viel preisbewusster. "Wir müssen schauen, ob die Leute bereit sind, unseren Preis zu zahlen."

Schneider-Ludorff ist es wichtig, sein Festival auch in anderen Städten zu präsentieren. "Wir wollen, dass die Stimmung beim Konzert nicht verloren geht." Außerdem gab es bereits vermehrt Anfragen der Fans, das Festival in ihre Städte zu holen. Im Oktober soll das Festival deshalb auch in München stattfinden.


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