Wimpernschlag reicht zum Titel

BECHERSTAPELN Sportlerin aus Kröffelbach will Weltrekord beim Hessentag

Marie Henrich stapelt den "Cycle" - die schwierigste Form des Becherstapelns. (Fotos: Ohlwein)

Schneller als die Augen gucken können, stapeln die Teenager beim Training die Becher.

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Becher in rasanter Geschwindigkeit stapeln

Es ist Trainingszeit in Pohl-Göns, Donnerstagabend, 18 Uhr. Das Sportstacking-Team Butzbach trainiert in der Mehrzweckhalle das Becherstapeln. Mit dabei sind zahlreiche deutsche Meister und Weltmeister, alle Altersklassen sind vertreten. Die Jüngste ist sieben, das älteste Vereinsmitglied über 40. Das Team ist gerade erst mit vielen Titeln von den Weltmeisterschaften in Südkorea zurückgekommen.

Einen davon hat die Kröffelbacherin Henrich im Doppel mit ihrem Teamkollegen Timo Reuhl geholt. Die Disziplin: der Cycle. Die Zeit: 7,921 Sekunden. Die Aufgabe: Mit jeweils einer Hand stapeln die beiden insgesamt zwölf Becher erst in Dreier-Pyramiden, dann in zwei Dreier- und einer Sechser-Pyramide und dann in einer Zehner-Pyramide auf und wieder ab. Dass es bei der Weltmeisterschaft in einer für sie schlechten Zeit trotzdem zum Titel gereicht hat, war Glück. "Im Training schaffen sie das in weniger als sieben Sekunden", sagt ihr Trainer Burkhard Reuhl.

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Neben dem "Cycle" gibt es in den Einzeldisziplinen noch das "3-3-3" (neun Becher werden in Dreier-Pyramiden gestapelt) und das "3-6-3" (zwei Mal drei Becher flankieren als Dreier-Pyramiden links und rechts eine Sechser-Pyramide).

Jeder Handgriff sitzt, ist auf die Hundertstel genau abgestimmt

Wer Timo und Marie im Training zuschaut, bemerkt zuerst, wie eingespielt die beiden sind. Jeder Handgriff sitzt, jede Hundertstelsekunde ist genau abgestimmt. Eigentlich ein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Teenager erst seit zwei Monaten miteinander trainieren. "Das hat sehr schnell sehr gut mit uns funktioniert", findet auch Henrich, die ebenso wie ihr Trainer noch der verlorenen Sekunde aus dem Wettkampf nachtrauert. "Mit der Sekunde, die sie sonst schneller sind, wären sie im Gesamtwettkampf unter den schnellsten drei Teams gewesen und hätten am Ende noch den Schaukampf bestreiten dürfen."

Die Reisen rund um die Welt - in Kürze fährt eine kleine Delegation zu den Internationalen Spanischen Meisterschaften nach Malaga - finanzieren die Eltern selbst. "Das ist teuer, keine Frage, aber alle Eltern sind mit ebenso viel Herzblut dabei wie ihre Kinder", ist Reuhl froh über das Engagement.

Der Sport kommt aus den USA: Dort gehört er schon länger zum Schulunterricht

Er hat den Sport vor zehn Jahren über seine Schwester nach Butzbach gebracht. "Meine Schwester war in den USA an einer Schule und hat dort das Becherstapeln kennen gelernt. Sie war gleich begeistert und an Weihnachten saßen wir alle um den Baum und haben gestapelt. Der Sport wird in den USA an den Schulen eingesetzt, weil er die Beidhändigkeit, die Reaktionsfähigkeit und die Auge-Hand-Koordination fördert", erklärt der Butzbacher. Durch das abwechselnde Arbeiten mit der linken und der rechten Hand und das Überkreuzen der Gesichtsmitte werden die Gehirnhälften aktiviert.

Die 14-jährige Marie stapelt bereits seit acht Jahren Becher, hat an sechs Weltmeisterschaften teilgenommen und zahlreiche Titel eingefahren. Obwohl sie so gut wie alles erreicht hat, bleibt ihre Motivation hoch: "Ich will immer schneller werden, noch weniger Fehler machen und Weltrekorde einstellen." Einer dieser Weltrekorde soll beim Hessentag in Bensheim fallen. Dann starten Timo und Marie einen Weltrekordversuch. Trainer Reuhl ist zuversichtlich: "Wenn sie es wie im Training machen, fällt er locker." Der Rekord liegt derzeit bei 6,435 Sekunden. In einer Zeit, in der sich andere eine Socke anziehen oder einen Schuh binden, stapeln Timo und Marie zwölf Becher insgesamt neun Mal und bauen sie wieder ab. In der einfachsten Disziplin, dem 3-3-3, liegt der Weltrekord der Frauen übrigens bei 1,683 Sekunden - etwas mehr als ein Wimpernschlag.


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