Zur Not tut’s auch der Edersee

Porträt  Cole May reist mit seiner Musik um die Welt und nimmt seine erste Platte auf

Im Weilburger Schlossgarten: Cole May, der als Straßenmusiker auch schon am anderen Ende der Welt unterwegs war. (Foto: A. Müller)
„Ich gehe gerne spazieren, genieße die Ruhe in der Natur“: Cole May liebt es, draußen unterwegs zu sein. (Foto: privat)
Bild 1 von 2

Ein Jahr war Cole May in Australien unterwegs. „Meine Mutter war zweimal da und hat dort viele Freunde“, erzählt er. „Sie hat mich neugierig auf das Land gemacht.“ Ein besonderer Reiz sei gewesen, dass Australien so weit weg und alles ganz anders als hier in Deutschland war. Cole May fand es verlockend, eine andere Kultur kennenzulernen. „Die Menschen dort sind lockerer als wir Deutschen, eher so ,laid back’“, sagt er. „Sie machen sich weniger Stress und nicht alles ist so übertrieben strukturiert.“

Dass manche seiner ehemaligen Mitschüler nach dem Abitur ihr Leben komplett durchgeplant haben, kann er nicht nachvollziehen: „Das hat für mich mit Leben nicht viel zu tun, man sollte sich möglichst viele Freiheiten nehmen, die Welt bereisen und seinen Horizont erweitern.“

Schon als Teenager entdeckte Cole May seine Liebe zur Musik, belegte dann auch in der Schule Leistungskurse in Musik und Englisch. Seit seiner frühesten Kindheit liebte er klassische Musik. Sein Musiklehrer Martin Weinbrenner brachte ihm klassische Komponisten näher. Besonders Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Hector Berlioz haben es ihm angetan.

Eine Weile half er auch bei den Weilburger Schlosskonzerten. Er lernte Gitarre und später auch Klavier spielen. Zunächst spielte er auf einer akustischen, dann griff er auch zur E-Gitarre. Jetzt gibt er wieder der Akustikgitarre den Vorzug. Er hörte Hardrock und Heavy-Metal, die Musik von AC/DC, Metallica und Megadeth.

Selbst in einer Band zu spielen, findet Cole May schwierig. „Es ist nicht einfach, zuverlässige Musiker zu finden“, meint er. „Und dann will jeder einen anderen Stil spielen. Das ist nicht leicht zusammenzubringen. Ich habe immer Musiker gesucht, die voll dahinter stehen, das nicht bloß so als Hobby machen wollten.“

Der inzwischen 21-Jährige wusste schon früh, dass er einmal Musiker werden. In der Schule interessierte er sich auch für Filmmusik, hörte John Williams und Hans Zimmer. Heute mag er es eher ruhig in Richtung Folkpop, aber auch mal Folkrock. Er hörte Musik des australischen Singer-Songwriters Vance Joy und der Gruppe Lumineers. Beide haben ihn sehr beeinflusst.

Cole May lebte sechs Monate auf der kleinen australischen Insel Rottnest Island, von den Aborigines Noongar Wadjemup genannt. Die Insel ist elf Kilometer lang, 4,5 Kilometer breit und hat nur etwa 120 Einwohner. „Ich habe dort viel Lebenserfahrung gesammelt und mein Englisch verbessert“, erzählt er. Gerne erinnert er sich auch an die Quokkas, eine kleine Beuteltierart, die mit den Kängurus verwandt ist. Rottnest Island wurde nach ihnen benannt, weil man sie zuerst für eine Rattenart hielt.

Cole May bekam dort von einem Freund eine Gitarre geschenkt, lernte weitere Musiker kennen und knüpfte Kontakte. „Die Musik dort hat mich stark inspiriert“, erinnert er sich. Er spielte mit anderen Musikern zusammen und reiste dann durch den Kontinent, war in Melbourne und hat einen Monat auf einer Aufzuchtstation für verwaiste Kängurus gearbeitet. Er war als Straßenmusiker unterwegs in Tasmanien, Melbourne, Cairns, Perth und Sydney und hat auch in Pubs gespielt. Danach war er noch einen Monat in Neuseeland. „Das Geld für diese Zeit hatte ich mir schon als Jugendlicher angespart“, berichtet er. Auf Rottnest Island habe er sich etwas dazu verdient und auch durch die Straßenmusik und Auftritte in Pubs Geld bekommen.

Nach einem kurzen Intermezzo in Deutschland zog es Cole May nach Irland. Auch dort hat er mehrere Monate verbracht, spielte in Pubs und machte Straßenmusik in Kilkenny und natürlich in Galway, der „Hauptstadt“ der Straßenmusik. „Live-Musik ist in Irland sehr beliebt, in Galway spielen oft mehrere Musiker in einer Straße.“ Er selbst spielte meistens alleine, aber auch zusammen mit anderen Musikern mit Gitarre, Banjos oder Spoons (Löffeln). Auch die irische Musik beeinflusste ihn für seine eigenen Stücke. „Die Iren haben ein anderes Feeling für Gitarrenmusik.“

Wieder zurück in Deutschland baute er in seinem Elternhaus die Sauna zum Tonstudio um, machte dieses schalldicht und begann, ein Album aufzunehmen. Es soll eine EP, eine Art Mini-Album, mit eigenen Liedern werden. Der Albumtitel ist „Neverland“. Im Spätsommer soll sie fertig sein. „Meine Lieder sind durch Vance Joy und die Lumineers beeinflusst“, erzählt er. „Auch wenn meine Lieder nicht strikt mainstream sind, sind sie zeitlos und für jedes Alter.“ Natürlich geht es in den Texten um Reisen und Fernweh, um Erlebnisse mit fremden Menschen, aber auch um Liebe und Liebeskummer. „Es sind aber keine Baby-come-back-Songs“, betont er grinsend.

„May“ hat er sich bei Laura May Atkins, der Tochter des Ex-Sängers von „Judas Priest“ geliehen

Verkaufen will er seine EP bei Gigs, auf der Straße und über seine Homepage www.colemay.com. Wenn Cole May redet, hört man seinem Deutsch einen leichten australischen Akzent an. Darauf angesprochen, sagt er: „Es ist verrückt, aber nach so einer langen Zeit im Ausland fiel es mir anfangs schwer, wieder Deutsch zu sprechen.“

Jetzt im Sommer macht er Straßenmusik hier in der Gegend. „In Städten wie Bad Homburg, Gießen und Frankfurt läuft das ganz gut“, meint er. Wenn die EP fertig ist, möchte er gerne durch Europa touren, Straßenmusik machen und in Pubs spielen. „Natürlich dürfen auch mal größere Veranstaltungsräume und ein größeres Publikum dazukommen, es muss ja nicht gleich die Jahrhunderthalle in Höchst sein“, sagt er scherzhaft. In England und Irland möchte er spielen. „Mal sehen, wie es läuft“, verrät er mit der „Laid-Back-Haltung“, die ihm so gut gefällt. Gerne möchte er einmal jammen mit den „Lumineers“, einer US-amerikanischen Folk-Rock-Band aus Denver, Colorado.

Wenn Cole May gerade mal keine Musik macht, liebt er es, draußen unterwegs zu sein. „Ich bin ein Naturliebhaber.“ Gerne ist er am Meer, der Edersee tut’s aber auch. „Ich gehe gerne spazieren, genieße die Ruhe in der Natur.“ Wenn’s mal schneller gehen soll, skatet er.

Cole May ist natürlich ein Künstlername. „Cole war mein Spitzname in Australien“, erzählt er. May hat er dem Namen einer Freundin, Laura May Atkins, der Tochter des ehemaligen Sängers der Heavy-Metal-Band „Judas Priest“, entnommen. „Ich bin eine Weile mit Laura durch Australien gereist und wir haben zusammen musiziert. Außerdem finde ich, dass der Name Cole May einfach gut klingt.“ Und er ist im Mai geboren.

Mehr Infos auf Instagram, bei Facebook oder auf www.colemay.com.

 

Zur Person

Cole May ist ein Künstlername. Der 21-jährige Musiker ist in Dietenhausen aufgewachsen, hat am Gymnasium Philippinum Weilburg Abitur gemacht und nimmt jetzt sein erstes Album auf. Seine Hobbys: Songwriting, Reisen und Skaten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus midde