„Auf den Hund gekommen!“ – Ein ziemlich lebendiger Biologieunterricht

Trainerin Pia Groß besuchte mit ihren beiden Hunden Fine und Flores den Biologieunterricht der Klassen 5 an der Wilhelm-von-Oranien-Schule

(Foto: Christiane Westerburg)

(Foto: Christiane Westerburg)

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Allerdings sei das Hochspringen von Flores sehr nett gemeint, es sei ihre Art, Hallo zu sagen und sie wolle die Mundwinkel der Kinder küssen, so wie sie das auch bei ihren Artgenossen tue. Flores lernt nun, dass Menschen das nicht unbedingt mögen.

Vorerst bleiben sie und ihre sieben Jahre alte Mutter Fine auch an der Leine, denn einige Kinder fühlen sich unsicher oder haben noch ein wenig Angst. Sie erzählen, warum das so ist, und schon ist Pia Groß, die ein dreijähriges Studium mit Abschlussprüfung bei „CANIS“ – einer offiziell anerkannten Ausbildungsstätte für Hundetrainer – absolviert hat, mitten drin in ihrem Thema: Ihr zentrales Anliegen ist die Förderung der Kommunikation zwischen Mensch und Hund, das heißt, es geht bei dieser Veranstaltung im Wesentlichen um die Interaktion zwischen Kind und Hund. Die Mädchen und Jungen sollen anhand der Körpersprache des Hundes verstehen lernen, was der Hund ihnen mitteilen möchte, aber auch erfahren, was sie selbst mit ihrer Körpersprache dem Hund sagen. So können gegenseitige Missverständnisse in der Kommunikation und somit auch Beißvorfälle vermieden werden.

Einige der Kinder haben Angst vor Hunden, weil diese ihnen schon einmal bellend hinterher gerannt sind und manchmal auch geschnappt haben. Pia Groß erklärt ihren Zuhörern, dass Hunde gerne laufen, hinter etwas herjagen und dass sie meistens gar nicht anders können, als hinterher zu laufen, wenn jemand wegrennt. „Dieses Verhalten ist angeboren“, erklärt die Trainerin, „und dient eigentlich dazu, einem Beutetier hinterher zu jagen, einem Hasen oder einem Kaninchen, im Alltag kann das aber auch ein Ball, ein Fahrrad oder eben ein Kind sein.“ Deshalb gilt hier die wichtige Regel: „Laufe nie vor einem Hund davon! Auch nicht, wenn du Angst vor ihm hast!“ Die Expertin rät, unbedingt stehen zu bleiben, den Hund nicht direkt anzugucken, denn das könne von ihm als Bedrohung angesehen werden, und Arme runter hängen und alles fallen zu lassen, was man in der Hand hält! Vielleicht sei der Hund ja nur an dem Ball oder dem Brötchen interessiert, das man gerade fest halte.

Es könne sein, dass er an dem Menschen nun noch mal schnuppere, aber wenn dieser dann unbeweglich stehen bleibe, werde er ganz schnell uninteressant. Wenn ein Hund doch einmal zupacken/beißen sollte, könne das verschiedene Gründe haben, jedoch gelte immer, sich nicht zu bewegen, da es ansonsten wegen der Zahnstellung, wie die die Kinder an einer Skizze sehen können, massive Verletzungen entstehen.

Insgesamt lernen die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag sieben goldene Regeln:

Vermeide alles, was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte. Beuge dich niemals über einen Hund, schau ihm niemals starr in die Augen! Störe niemals einen Hund beim Fressen! Versuche nie, ihm sein Futter weg zu nehmen! Versuche niemals raufende Hunde zu trennen! Wenn du mit einem Hund spielst, achte darauf, seinen Zähnen nicht zu nahe zu kommen. Wenn ein Hund nach dir greift, halt still! Behandle jeden Hund gut! Geh mit jedem Hund so um, wie auch Du behandelt werden möchtest!

Pia Groß erklärt diese Regeln an Alltagsbeispielen und räumt nebenbei auch mit Vorurteilen auf, wie z.B. dem, dass ein Hund, der mit der Rute wedelt, immer freundlich sei. In der Körpersprache des Hundes heiße dieses Wedeln zunächst nur, dass der Hund aufgeregt sei. Dies könne aus Freude sein, aber auch andere Gründe haben. Um herauszufinden, wie ein Hund sich gerade fühlt, müsse man das Gesamtbild des Tieres einbeziehen. Nur so könne man erkennen, ober er ängstlich oder aggressiv ist oder ob er einfach nur spielen möchte. Die Fünftklässler lernen an verschiedenen Skizzen diese Unterschiede kennen. Zum Schluss des Vortrags trauen sich alle Schülerinnen und Schüler den Australien-Shepard-Border-Collie-Mischling Flores und die Border-Collie-Hündin Fine zu streicheln, die deshalb auch endlich von der Leine dürfen und die Zuwendung der Kinder sichtlich genießen. Ein Schüler erklärt stolz, dass er am Anfang Angst gehabt, aber dann gesehen habe, dass die Hunde ganz lieb seien und dass Pia Groß gesagt habe, seine Angst könne man auch überwinden. Eines allerdings kritisierten die Fünftklässler: Sie hätten gerne noch viel mehr Zeit zum Hundeknuddeln gehabt!


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