„Geschichte muss erlebbar sein“

WvO-Schüler besuchen das Haus der Geschichte in Bonn

Friedrich Hegel, der im 18. und 19. Jahrhundert ein Verfechter des deutschen Idealismus war, sagte einmal, dass wir aus der Geschichte der Völker lernen können, „dass die Völker aus der Geschichte nichts gelernt haben“. Eine These, die aus zwei Gründen einen Besuch im Haus der Geschichte begleiten kann. Zum einen, dass sie sich wohl anhand einiger Ausstellungsteile verifizieren lässt und zum anderen, weil das Museum die Chance bietet, sich so zu informieren, dass man sich nicht selbst zu einem derjenigen zählen muss, die aus Fehlern nichts gelernt haben.

Hierzu lassen sich rund eine Millionen Objekte anschauen, die nun seit 1945 schon über 70 Jahre deutsche Geschichte zeigen. Gerade dieser Zeitraum ist für den Unterricht in der Qualifikationsphase relevant, da sich die Schüler nach dem intensiven Auseinandersetzen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auch mit der Nachkriegsgeschichte, der Teilung Deutschlands, dem Kalten Krieg hin zu der Wiedervereinigung im Jahr 1989 beschäftigen. Gerade letztere nimmt einen wesentlichen Bestandteil in der Ausstellung ein. Allerdings lassen sich auch aktuellere Geschehnisse betrachten, wie die Flüchtlingskrise oder den „Brexit“. So bewertet das Museum gesellschaftliche Entwicklungen und entscheidet, ob diese einen zeitgeschichtlich relevanten Stellenwert einnehmen. Gezeigt werden sollen dann solche Exponate, die eine Geschichte erzählen.

Gerade das Flüchtlingsboot erklärt dieses Sammlungskonzept. Ein kleines Boot, in dem zwischen 80 und 100 Menschen den Weg über das Mittelmeer wagten, um an einen sicheren Ort zu gelangen. Im Folgenden diente das Boot als Mahnmal im Erzbistum Köln, wurde zeitweise als Altar oder an Heiligabend als Krippe genutzt. Sicher könnte man neben der Möglichkeit eines Audioguides auch eine Tafel anbringen, wo längere Informationen zu solchen Themen gegeben werden. Jedoch zeigt eine solche Sammlung „erlebbare Geschichte“, die sich in den Köpfen der Besucher oftmals stärker einprägt. Und in einem gewissen Maße muss Geschichte erlebbar sein. Niemand kann und soll den Nationalsozialismus tatsächlich nachvollziehen können und „erlebbare Geschichte“ darf auch nicht für den Kommerz missbraucht werden, aber von einem nüchternen Sachtext kann eben auch keiner verstehen, was die Wiedervereinigung für eine Bedeutung hatte, was es bedeuten muss, aus einer bombardierten Heimat unter Lebensgefahr nach Europa zu fliehen.

Solche Geschichten erzählt das Museum. Neben diesen ernsten Themen lässt sich aber auch viel Schönes bestaunen, wie das „Sommermärchen“ der Fußballnationalmannschaft 2006. Ausgestellt wird hier der Zettel im Stutzen von Jens Lehmann vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien. Auch kleinere Sonderausstellungen konnten die Schüler besuchen. Besonders interessant war jene zum Thema Vereine und Ehrenamt, die eine kleine Hommage an die Menschen darstellt, die ehrenamtliche Tätigkeiten in den rund 600.000 Vereinen wahrnehmen. Laut Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier machen sie Deutschland lebenswert, „mit ihrem Engagement bauen sie mit an unserer Demokratie“. Dieser Gedanke könnte letztlich wohl auch auf das gesamte Museum übertragen werden, das mit der „erlebbaren Geschichte“ auch seinen Teil dazu beiträgt, dass Menschen Geschichte erfahren und somit an der modernen Demokratie teilnehmen können. Text: Jakob Pfeifer, Q3/WvO Foto: Markus Hoffmann /WvO


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