„Politische Karriere ist immer Glückssache!“

„Schuhe anlassen und Waffen ausziehen“ ist ein spöttischer Verbesserungsvorschlag des aktiven Politikers in seinem Buch. Er war von Februar 2006 bis Weihnachten 2007 als UN-Sondergesandter in Afghanistan und hat darüber Tagebuchnotizen geführt, die im letzten Jahr vom Wagenbach-Verlag veröffentlicht wurden. Durch seine Ausführungen über die UN-Politik versteht man es, wie schwierig es ist, in diesem Land nach über dreißig Jahren Krieg, eine Zivilverwaltung aufzubauen, die den Menschenrechten wenigstens ein bisschen Beachtung schenkt.

Der Abgeordnete der „Grünen“, der auf eine Einladung von STD Eckhard Scheld umweltbewusst mit der Bahn nach Dillenburg gekommen war, wo er von Schülern abgeholt wurde, gestaltete seinen Vortrag als offene Fragerunde, wobei die Schüler die Möglichkeit hatten, zu allen Themenbereichen Fragen zu stellen.

Zunächst ging er auf seinen politischen Werdegang ein. Als die Grünen gegründet wurden, war er sich sicher, dass er in dieser Partei Politik machen wollte. Von 1989 bis 1999  war er Umweltdezernent und von 1993-97 Kämmerer in Frankfurt. Von 2002 bis 2007 arbeitete er im Kosovo, Guatemala und Afghanistan als Sondergesandter der UN.
Doch nach jahrelanger Arbeit hatte er noch nicht genug. „Mit 64 Jahren wollte ich noch nicht in den Ruhestand gehen, also habe ich mich in meinem Wahlkreis in Gießen für den Bundestag beworben und bin über die Landesliste der Grünen in das Parlament gekommen“, erzählte der heute 68-Jährige. Als Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses setzt er sich für diese Rechte in anderen Ländern ein. Diese Leidenschaft hat er seiner Auslandsarbeit zu verdanken. Besonderen Wert legt er auf Sprachen. „Die meisten meiner Kollegen sprechen drei verschiedene Sprachen, ich kann aber nur Deutsch, Englisch und ein wenig Französisch“, erklärte er den neugierigen Schülern. Oft würden in diesem Ausschuss auch „Anhörungen“ durchgeführt, die für Opfergruppen sehr wichtig seien.

Bei seiner Tätigkeit für die Vereinten Nationen hat Koenigs festgestellt, dass der Sicherheitsrat nur so gut sein könne, wie die Mitgliedsstaaten ihn machen. Er appelliert daher für eine stärkere Mitarbeit Gegen Ende der 90-minütigen Gesprächsrunde kam der Politiker auch noch einmal auf China zu sprechen, wobei er deutlich machte, dass China kein Entwicklungsland mehr sei. „Der Dialog mit China ist zwar sehr wichtig, aber nicht einfach. Die schlechten Arbeitsbedingungen sind ihnen vermutlich unangenehm und deswegen reden sie nicht gerne über ihr Land“, äußerte der Politiker ganz offen seine Meinung. Hier übte er auch Kritik an dem sanften Umgang der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit China, die sich seiner Meinung nach nicht genug für die Wahrung der Menschenrechte in diesem Land einsetze.

Zum Abschluss nannte er noch seinen ganz persönlichen Wunsch: Er möchte das fördern, was nachhaltig ist und das sei seiner Meinung nach die Bildung. Am Ende der Veranstaltung applaudierten die begeisterten Schüler der Leistungskurse nach der gelungenen Fragerunde  und verabschiedeten ihn  mit einem Sonnenblumenstrauß.


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