40 wandern Grenze ab

Die südliche Gemarkungsgrenze Herbornseelbachs zu Ballersbach und Herborn haben kürzlich knapp 40 Wanderer beim Historischen Grenzgang des Heimat – und Geschichtsvereins Herbornseelbach kennengelernt.

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Vom Startpunkt an der „Alten Schule“ gelangten die Wanderer über das „Fahler“ hinauf vorbei am „Jägerhaus“ und der historischen „Walzenmühle“ vorbei auf den heutigen Fahrradweg (Bild 1), wo am neuen Wappen-Grenzstein zu Ballersbach an der Gemarkungsgrenze auch schon einige Vertreter der Nachbargemarkung Ballersbach warteten, um die Gruppe zu begleiten. Gemeinsam nahmen die Grenzgänger am sogenannten „Mühlenwehr“ mit dem Grenzstein 242 das Ende und mit Stein 1 den Anfang der Herbornseelbacher Gemarkungsgrenze in Augenschein, der sie von nun an auf unbefestigten Wegen nach Süden folgten. Bei einer ersten Rast auf dem Bergsattel zwischen dem sogenannten „Hollerboden“ und der „Hermannsgrube“ berichtete Görzel, dass die Grenze bereits im 17. Jahrhundert ausgesteint worden sei, obgleich zunächst nur mit wenigen Steinen. Immerhin lasse sich nach der Auswertung historischer Grenzprotokolle aus dem 17. und 18. Jahrhundert sagen, dass schon damals die Gemarkung in der Form feststand, die sie im Wesentlichen noch heute besitzt.

„Bei den Grenzsteinen handelte es sich um `Beylsteine´, Basaltsäulen, die sichtbare „Fremdkörper“ in der Landschaft darstellen“, erläuterte Görzel, der seit 2011 als Grenzstein-Obmann des Landesdenkmalamts fungiert. Ein deutlich sichtbarer Grenzgraben habe diese Steinen verbunden und so den geschlossenen Grenzverlauf markiert. Später habe man die Grenze wohl aufgrund von zunehmenden Grenzstreitigkeiten mit den Nachbargemeinden in kürzeren Abständen mit den sogenannten Bergsteinen nachversteint, sagte er. Vor 1827 sei dann wegen der zunehmenden Anzahl und der besseren Kontrolle auch eine durchgehende Nummerierung der Steine nötig geworden: „Aufgrund ihrer Gestalt können wir noch heute “alte“ und “neue“ Grenzsteine unterscheiden“, zeigte der Experte.

Bergab und bergauf kamen die Grenzgänger anschließend zunächst ins „Minzental“ und steil hinauf über die „Heide“ vorbei am „Schnapsstein“ 222. Oberhalb des sehr steil abfallenden „Ulmentals“ stießen sie unmittelbar auf der Gemarkungsgrenze auf einen alten Kohlenmeilerplatz, wo Hans Peter vom Arbeitskreis Heimatgeschichte Ballersbach kurz über die Geschichte der Köhlerei in der Hörre informierte. An der alten Rennwegsabfahrt vorbei ging es dann ins Dernbachtal hinunter, wo die Gruppe „durch die nasse Furth“ am alten Vicinalweg von Herborn nach Ballersbach am Stein 212 den südlichsten Stein der Seelbacher Gemarkung – laut Görzel der „Seelbacher Südpol“ - erreichten, der zugleich einen Dreimärker zu Ballersbach und Herborn bildet.

Durch das kleine Dernbachtal, früher als „Heidenwiesen“ bekannt, gelangten die Grenzgänger auf den Grenzsaumpfad, der heute Teil des „Dernbachwiesenwegs“ ist, einer „Extratour“ des Lahn-Dill-Berglandpfads. Über den oberen „Schmittengrund“ erreichte die Gruppe den Homberg und das „Jahntempelchen“. Görzel zitierte hier das Grenzgangsprotokoll von 1634 zum „Triegelstein“: „[…] da die Alten vorzeit berichten, wenn man einen Eimer Wasser darauf schüttet, wie dann das Wasser laufe, teils nach Herborn, teils nach Seelbach zu, so soll es auch mit der Grenz gehalten werden […]“. Der Begriff leite sich vermutlich vom damals gebräuchlichen „Triangel“ für Dreieck ab, sinngemäß also “spitzer Stein/Berg“, erläuterte der Grenzstein-Obmann.

Auf dem Dernbachwiesenweg gelangten die Wanderer nun hinunter ins Dernbachtal und zum Parkplatz unterhalb des „Hutschbeul“, wo sie kleine Stärkungen erwarteten. Der Grenzgang klang dort mit einem gemütlichen Beisammensein aus.


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