ADFC-Radtouren 2015

Begonnen hatte das Radreise-Jahr des ADFC bereits im Mai mit einer „Luxemburg-Rundtour“. Das Großherzogtum Luxemburg ist ein Paradies für Radfahrer. Die perfekt gepflegten Radwege, die abwechslungsreiche Landschaft und die üppige und urwüchsige Natur sind die perfekte Umgebung fürs Radfahren – und davon machte die Gruppe im Mai regen Gebrauch. Von Trier aus führte die Tour zunächst an der Mosel entlang bis Wasserbillig und von dort an der Sauer entlang bis Wallendorf-Pont. Ein Abstecher nach Vianden rundete den ersten Tag ab. Weiter führte die Tour über Ettelbruck der Alzette folgend nach Luxemburg-Stadt. Nach einer ausführlichen Stadtbesichtigung – natürlich auf dem Fahrrad – ging es am nächsten Tag auf den Spuren – und der zum Radweg ausgebauten Bahntrasse der alten Schmalspurbahn „Charly“ durch das durch die Region Mullerthal. . Immer wieder begegneten den Radlern auf der Tour Zeitzeugen der früheren Nutzung dieses Weges, es kleine Bahnhofshäuschen oder der Becher-Tunnel.

Aus der geschichtsträchtigen Stadt Echternach – für die Römer lag es an der „Via Epternacensis“ - führte die Radreise auf der „Piste cyclable des Trois Rivières“ wieder hinunter nach Wasserbillig an die Mosel und durch das Zentrum des Luxemburger Weinbaus. Steil abfallende Weinberge und kleine Winzerdörfer, die den Charme früherer Tage bewahrt haben, säumten den Weg. Fakultativ bestand nun die Möglichkeit, noch dem „europäischen“ Ort Schengen einen Besuch abzustatten, bevor es nun auf der rechten Moselseite wieder zurück zum Ausgangspunkt Trier ging.

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Die Höhepunkte von zwei spektakulären Radwegen hatten die findigen Tourenleiter des ADFC Lahn-Dill für eine Radreise zusammengefasst: Auf der Radreise „Drau- und AlpeAdria-Radweg“ verbanden sie die schönsten Strecken des Drau-Radweges mit dem „AlpeAdria-Radweg“. Und als absoluten Höhepunkt war sogar noch der „Glockner-Radweg“ von Heiligenblut bis hinunter nach Möllnbrück hinzugekommen. „Diese Radreise muss nicht „Drau- und AlpeAdria- Radweg“ heißen – Traum-Radweg genügt“, war nur eine der vielen positiven Rückmeldungen zu dieser 12-tägigen Tour. Begonnen hatte die Tour in Toblach im Hochpustertal mit spannenden Abfahrten hinunter nach Lienz in Osttirol. Entlang der Drau ging es weiter bis Sachsenburg, wo sich die die beiden Radwege treffen. Mit dem Fahrradbus ging es hinauf nach Heiligenblut am Großglockner und die Abfahrt über den neuen Glockner-Radweg entlockte den Teilnehmern immer wieder Bewunderung. Römische Ausgrabungen, z. B. bei Aguntum, Burgen und Schlösser auf den Anhöhen und verträumte Dörfer begleiteten den weiteren Weg entlang der Drau über Spittal bis nach Villach. Der AlpeAdria-Radweg – ein europäisches Gemeinschaftsprojekt der Länder Italien und Österreich, führte nun durch das „Drei-Länder-Eck“ Österreich, Slowenien und Italien zunächst hinauf in die alte Stadt Tarvisio. Überwiegend auf der alten Bahntrasse waren die Steigungen leicht zu bewältigen und die grandiosen Ausblicke in die karnischen Alpen konnten immer wieder genossen werden. Ein weiterer Höhepunkt folgte am nächsten Tag – die lange Abfahrt durch das „Valcanale“ über Malborghetto, Pontebba und die Lavendelstadt Venzone bis nach Gemona. Der Radweg ist perfekt ausgebaut, führt durch unzählige Tunnel und auf den alten Eisenbahnbrücken über tiefe Schluchten. Die Stadt Gemona, die 1976 am stärksten vom Erdbeben betroffen war, ist immer einen Besuch wert. In mühevoller, jahrelanger Arbeit haben die Bewohner Gemonas ihre Kirche und vor allem das riesige Mosaik-Bild wieder aufgebaut. Ein Erlebnis der besonderen Art! Zunächst durch hügeliges Voralpenland durch das Naturschutzgebiet „InNatura“ führte die Radroute in die brodelnde Universitätsstadt Udine, die alte – neunzackige – Befestigungsstadt Palmanova, die römischen Ausgrabungen von Aquileia und schließlich über den knapp 6 km langen Damm hinüber in die Inselstadt Grado. Zwei Tage standen nun hier noch zur Verfügung, die für eine Tour durch das Naturschutzgebiet entlang der „Laguna di Grado“ unternommen wurde, sowie für die Stadtbesichtigung in Grado – oder einfach das Relaxen am Pool oder Strand.

„Die Perlen Südtirols erkunden“ war Thema eine Radwoche in Bozen. Vom festen Standort im Hotel Rentschnerhof in Bozen wurden die schönsten Radwege Südtirols erkundet – und diese sind wirklich ein Genuss. Gelten sie doch als das Beste, was ein Radler erleben kann. Der Fahrradbus stand dabei immer zur Verfügung und brachte die Gruppe zu den einzelnen Ausgangspunkten der schönsten Radwege. Vom Brenner aus führt der Brenner- und Eisacktal- Radweg auf insgesamt 96 km bis hinunter nach Bozen zum Hotel. Und wem dieser Weg unterwegs zu lang wurde, konnte das schwierige Stück zwischen Sterzing und Brixen im Bus zurücklegen. Spannend wurde auch der nächste Tag mit dem Vinschgau-Radweg vom Reschensee (mit dem berühmten Kirchturm St. Anna im See, ein Überbleibsel des im See versunkenen Ortes Grän) über die kleinste Stadt Tirols, Glurns, Prad am Stilfser Joch, der Marmorstadt Lana und Naturns führt der Radweg bis hinunter in die mondäne Badestadt Meran. Der „Pustertal-Radweg“ wurde diesmal von Toblach aus Richtung Bruneck und Mühlbach befahren. Auch hier ging der Blick immer wieder in die herrliche Bergwelt und die schwungvoll und gut ausgebauten Radwege bereiteten größten Fahrradspaß. Bruneck und St. Lorenzen konnten besichtigt werden. Eine Schleife durch die Obstplantagen im Tal und die Weinberge an den Hängen führte von Bozen nach Meran, wo natürlich auch eine Stadtbesichtigung mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieser alten Bäderstadt anstand. Und noch einmal ging es durch die Weingärten und Weinberge: Eine Runde durch die Weinorte Eppan (mit den bekannten Ortsteilen St. Pauls und St. Michael) sowie Kaltern und Tramin stand an und ein Badestopp am Kalterer See musste auch dazu gehören. Absoluter Höhepunkt dieser Radtour war allerdings die Auffahrt mit der Gondel von Bozen nach Oberbozen, wobei die Räder mitgenommen werden konnten. Nicht nur die berühmten Erdpyramiden bei Klobenstein versetzten die Mitradler in Erstaunen, sondern vor allem auch traumhaften Ausblicke in die Dolomiten mit Rosengarten, Schlern, Platt- und Langkofel, Sella und bis hinüber in die Geisler-Gruppe. Ein traumhafter Weg, der mit einer langen Abfahrt hinunter nach Waidbruck und Bozen seinen Abschluss fand.

Gleich zwei Radreisen führten auf den Europaradweg Berlin – Kopenhagen. Aus der Hauptstadt Berlin wurde zunächst der Havel-Radweg unter die Räder genommen: „Immer raus zum Wasser“, wie der Berliner sagt. Entlang der Havel, diverser Kanäle und immer wieder entlang der vielen Seen ging es aus Berlin hinaus über Henningsdorf, Oranienburg zur ersten Übernachtung in das zum Hotel umgebaute alte preußische Gestüt Bischofswerder. Zehdenick mit der alten Zugbrücke und dem sich anschließenden Ziegelpark Möllnberg wurden durchquert. In Himmelpfort musste natürlich das Christkindl-Haus besucht werden und hinter Fürstenberg war nun schließlich die Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern und damit die Mecklenburger Seenplatte erreicht. Von See zu See führte nun hier die Radroute und hinein in den Nationalpark Müritz mit zahlreichen Fischadler- und sonstigen Beobachtungspunkten. Kurz nach der Havelquelle wurde Ankershagen, der Geburtsort Schliemanns, erreicht. Das Schliemann-Museum und das „Trojanische Pferd“ waren wieder beliebte Besichtigungspunkte. Über Waren an der Müritz, dem Köpinsee durch schier endlose Wälder und immer wieder entlang von Seen erreichte die Gruppe schließlich Krakow am See und kurz darauf das „Bücherhotel“ in Groß Breesen. Die Inhaberin sammelt Bücher – über 300 000 sind es bereits, die im gesamten Hotel und der angrenzenden Scheune auf einen Tausch warten. Wer zwei Bücher mitbringt, darf sich ein Buch seiner Wahl mitnehmen. Ein Höhepunkt des nächsten Radeltages war die Barlachstadt Güstrow mit dem riesigen Schloss und den Barlach-Gedenkstätten. Über Bützow und Schwaan ging es dann hinein in die Küstenstadt Rostock, wo nach einem weiteren Abstecher nach Warnemünde der deutsche Teil des Europaradweges Berlin – Kopenhagen endete.

Der zweite Teil der Radreise Berlin Kopenhagen begann zunächst mit einer Schiffsreise: Mit der Fähre ging es von Rostock nach Gedser, auf der dänischen Insel Falster. Über Nykoebing Falster führte die Tour dann entlang der Ostküste bis Stubbekoebing, mit einer weiteren Fähre zur kleinen Insel Bogoe und schließlich auf die Insel Moen nach Stege. Dass es nicht nur eben in Dänemark ist, erfuhren die Radler am nächsten Tag: So mancher Höhenmeter musste über die Insel Moen erklettert werden, bis schließlich die Moens Klint, die berühmten Kreidefelsen erreicht war. Die Höhe dieser Kreidefelsen beeindruckte! Über die riesige Brücke wurde am nächsten Tag die Insel Seeland erreicht. Die riesigen Kalkbrüche von Fakse und die Kreidefelsen von Stevens beeindruckten. Vor allem die Kirche von Hoejerup, die im 19. Jahrhundert noch 200 m im Landesinneren stand und sich nun am Rand der Kreidefelsen befindet, versetzte in Erstaunen. Das Meer trägt immer mehr von den Kreidefelsen ab. Über Koege und die Ferienorte Hundige und Ishoj wurde schließlich die dänische Hauptstadt Kopenhagen erreicht. Kopenhagen kann wohl als „Fahrradhauptstadt“ Europas bezeichnet werden – Fahrräder wohin man schaut! Der Abschluss dieser Radreise fand allerdings wieder auf dem Wasser statt: Eine Stadtbesichtigung vom Hafenkanal aus, von wo viele wichtigen Besichtigungspunkte der dänischen Landeshauptstadt vom Wasser aus zu entdecken sind, Schlösser, Parks und vor allem die meistfotografierte Frau der Welt, die „kleine Meerjungfrau“.

Das „HighLight“ des Jahres war auch in diesem Jahr wieder die Tour über die Alpen von Füssen nach Bozen auf den Spuren der alten Römer, der Via Claudia Augusta. Von Füssen aus führte der Weg zunächst über die Grenze nach Österreich und nach Reutte. Durch das „Außerfern“ ging es hinüber ins österreichische Zugspitzgebiet nach Leermoos. Hier begann der Aufstieg auf dem „Fernpass-Radweg“ hinauf zum Fernpass und auf der anderen Seite hinunter nach Nassereith, Imst und zum Inntal-Radweg. Im Verlauf des Inntalradweges waren immer wieder die Spuren der alten Römer auf der alten Handelsstraße zu bestaunen. Von Landeck aus führte die Radroute durch das Oberinntal über Prutz nach Pfunds zur Kajetansbrücke. Hier geht die Autostraße nach links hinauf nach Nauders. Die Radler müssen jedoch den Umweg über die Schweiz, nach Martina benutzen. Dort wird der Inn überquert und die 8 km lange Passstraße führt in 11 Serpentinen hinauf zur Norbertshöhe und von dort wieder hinunter nach Nauders. Nur noch wenige Kilometer waren es ab hier bis zur Grenze nach Italien und schließlich zum Reschenpass. Entlang des Reschensees führte die Tour den traumhaften Vinschgau- und Etschradweg immer wieder durch Apfelplantagen bis nach Naturns, Algund, Meran und schließlich über Lana und Andrian bis hinein nach Bozen. Ein weiterer Tag in Bozen machte die Weinbergrunde über Eppan und Kaltern noch möglich.

Den Abschluss der Radreisen des ADFC Lahn-Dill bildete 2015 der RuhrtalRadweg. Die Ruhr verbindet zwei Regionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: das Sauerland mit seinen bewaldeten Hügeln und den Ballungsraum Ruhrgebiet mit seinen von Bergbau und Industrie geprägten Großstädten. Aber von den Großstädten sieht der Radfahrer nicht viel – meist wurde entlang des Flusses geradelt, mitten durch die „Grüne Lunge“ des Ruhrgebietes. Höhepunkte waren sicherlich die langen Abfahrten vom Ruhrköpfchen bei Winterberg bis hinunter nach Olsberg und schließlich die besuchten Industriedenkmäler, wie z. B. die alte Kettenschmiede bei Kettwig. Vom Ziel an der „Ruhr-Orange“ ging es dann nach 4 erlebnisreichen Tagen auf den Spuren von Natur und Industriedenkmälern mit dem Fahrradbus wieder zurück.

Einen Rückblick auf die Radreisen 2015 wird der ADFC Lahn-Dill am kommenden Samstag, 14.11.2015, 14:00 Uhr beim RadreiseTreff 2015 in Herborn, Aula der Hohen Schule, geben! Weitere Informationen unter: www.adfc-lahn-dill.de/radreisen


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