Alles Bio? Alles Bio!

Elfte Klasse erkundet den Biolandebetrieb „Albertshof“ in Rennerod
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Diese und andere Fragen haben uns, die E2H der Wilhelm-von-Oranien Schule in Dillenburg gemeinsam mit unserem Lehrer, Herrn Steinert, beschäftigt. Antworten sind schnell zu finden, beispielsweise vor dem Hintergrund unserer Ernährung. Denn die meisten haben schon mal etwas von Bio-Lebensmitteln gehört. Doch viel einfachere Antworten wissen wir nicht, zum Beispiel: Wie genau wird unser Fleischkonsum gedeckt? Wie wächst eine Kuh auf und was muss man beachten, damit man sie überhaupt später schlachten kann? Wie halte ich meine Tiere so, dass ich einen guten Ertrag erhalte und wirtschaftlich überleben kann? Und wie halte ich die Tiere artgerecht damit sie gesund bleiben?

Wir wollten es genauer wissen und machten uns auf zu einem Biolandbetrieb. Der „Albertshof“ in Rennerod von Kerstin und Peter Doppstadt ist ein Milchviehbetrieb. Auf ca. 140 ha Fläche versorgen sie 250 Kühe und noch mal so viele Hühner. Auch ein eigener Bioladen gehört zu dem Hof, in dem eigene und zugekaufte Bio-Lebensmittel angeboten werden.

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Die Bauern haben sich extra für uns Zeit genommen, um uns die einzelnen Schritte der Milchproduktion im Bio-Verfahren zu erklären. Wichtig hierbei ist vor allem der ethisch einwandfreie Umgang mit den Tieren – auch wenn sie am Ende geschlachtet werden.

Wussten Sie, dass eine Milchkuh vier Stationen durchläuft bis sie geschlachtet wird? Vom Aufwachsen in Einzelboxen im Alter von bis zu zwei Wochen, bis hin zum Leben mit den anderen Milchkühen auf Weide, im Stall oder in der Melkstation? Wussten Sie, dass eine Milchkuh einmal im Jahr gedeckt werden muss, damit sie genug Milch produziert? Oder dass einer Kuh nach Bio-Richtlinien 6 m2 Boden zustehen? Wir wussten das nicht. Doch eins wurde klar: Diesen Kühen geht es gut, es ist kein Vergleich zu der Massentierhaltung, in der einer Kuh etwa die Hälfte der Fläche zusteht. Kälber in konventioneller Haltung bekommen oftmals keine richtige Milch mehr, sondern nur noch Milchpulver. Heißt es nicht, dass man ist, was man isst? Sollten wir dann nicht dafür sorgen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und nicht mit Antibiotika vollgepumpt werden? Aber all diese Forderungen kosten Arbeit und damit Geld. Und hier prallen die Bereiche Ökologie und Ökonomie direkt aufeinander.

Das ist eine der Haupteinsichten, die wir nach der lehrreichen Hofführung mit Hunderten von Fragen und Erklärungen auch durch Praktikanten und Hofpersonal mitgenommen haben. Es lohnt sich, diesen Hof zu besuchen! Gerade mit Kindern ist das eine wertvolle Erfahrung. Man kann von außen nicht sehen, wie viel Mühe und Arbeit in den Lebensmitteln stecken, aber man sollte es wissen, um sie wertschätzen zu können.

Und noch wertvoller werden die Lebensmittel, wenn sie zu guten Bedingungen für Mensch und Tier produziert wurden. Wir möchten, dass unser Essen fair und artgerecht und letztlich gesund produziert wird, Gewinnmaximierung oder Kostenreduzierung sollten hier ganz bestimmt nachrangig sein.

Text: Paulina Monno und Manuel Schenker, Klasse E2H

Fotos: Thomas Steinert, WvO


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