Der Cartesianismusstreit in der Mitte des 17. Jahrhunderts

Der Geschichtsverein Herborn setzte Vortragsreihe zur Geschichte der heimischen Hohen Schule fort

Nach einer Begrüßung und Einführung in das Thema durch Herrn Kunz vom Geschichtsverein begann Herr Wienecke, Vorsitzender des Geschichtsvereins, mit Erläuterungen zum Thema und Vorstellung der handelnden Personen.

Ausgelöst wurde die Diskussion über einen neuen Ansatz der Geisteswissenschaften durch den jungen Gelehrten Rene Descartes. Dieser entwickelte neue Ansätze in der Erkenntnistheorie, der Ethik, der Metaphysik und der Physik. Einer seiner Kernsätze war die Feststellung: „Ich denke, also bin ich“. Dadurch, dass er einzelnen Personen eine eigenständige Existenz zubilligte, geriet er in Gegensatz zu der damals herrschenden Lehre der alles bestimmenden göttlichen Allmacht.

In einem Treffen 1642 mit Comenius, der 1611-13 in Herborn studiert hatte, bei Leiden in den Niederlanden wurden erstmals die gegensätzlichen Argumente ausgetauscht. Erst 1650, dem Jahr des Todes von Descartes in Schweden, kam dieser Streit der Gelehrten auch in Herborn an.

Herr Störkel führte nun im weiteren aus, wie dieser Disput in Herborn weiter ging. 1651 kamen die beiden Professoren Clauberg und Wittich von Groningen in den Niederlanden nach Herborn und hielten Vorlesungen an der Hohen Schule ab, die auf den neuen Ansätzen von Descartes basierten. Da dies das Missfallen der traditionell orientierten Kollegen an der Hohen Schule erregte, wurde letztlich der Graf von Nassau Dillenburg angerufen und gebeten, in diesem Streit der Kollegen zu schlichten bzw. eine Entscheidung zu fällen.

Der Graf ließ ein Gutachten erstellen, welches letztlich den Traditionalisten recht gab. Daraufhin wurde gegen Ende des Jahres 1651 die Lehre nach Descartes in Herborn verboten.
Als Konsequenz zu dieser Festlegung verließen die beiden Professoren Clauberg und Wittich in 1652 Herborn und gingen zur Hochschule nach Duisburg.

Der Streit war damit für Herborn zunächst erledigt, wurde jedoch an anderen Hochschulen fortgeführt. Im Jahr 1669 erschien eine Disputation von Volland, die sich mit diesem Thema beschäftigte. Das Titelbild dieser Veröffentlichung wurde beim Vortrag erläutert und in den Bezug zu dem dargelegten Thema gebracht.

Ab 1680 setzte sich auch in Herborn die Lehre nach Descartes durch. Um 1700 lehrten alle wichtigen Hochschulen in Europa nach den Überlegungen von Descartes oder respektierten zumindest dessen Ansatz zu den angestellten philosophischen Betrachtungen. Für die Hohe Schule in Herborn war damit leider ein Chance vertan, frühzeitig eine neue philosophische Richtung in ihr Programm aufzunehmen und erneut eine für Europa wegweisende Idee zu lehren.

Als Themen für 2014 wurde den ca. 25 Anwesenden eine Betrachtung zu dem dann 100 Jahre alten Wappenfries am Rathaus sowie zur „1000 Jahr Feier“ der Stadt Herborn im Jahr 1914 angekündigt.
Herborn, den 30.9.13


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