Die Anfänge des preußischen Volksschulwesens

Dillenburg (jos). Die Anfänge des preußischen Volksschulwesens standen im Mittelpunkt der Monatsversammlung der Ost- und Westpreußen in Dillenburg. Nachdem im August des vorigen Jahres das Leben von Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) Thema der Monatsversammlung war, ging diesmal die Referentin Ingrid Nowakiewitsch (Haiger-Allendorf) auf das Werk des Begründers der Volksschulen ein. Von Rochow mußte seinen Dienst als Offizier wegen einer Armverletzung quittieren und widmete sich seinen landwirtschaftlichen Gütern in Reckahn, südlich von Brandenburg/Havel gelegen.
Seine Versuche, die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern, scheiterten am mangelnden Bildungsgrad der Bauern und des Gesindes. Im Jahr 1773 richtete er aus seinem Gut die erste Dorfschule ein. Bereits 1772 hatte von Rochow in einem „Versuch eines Schulbuchs für Kinder der Landleute“ seine Überlegungen dargelegt. Hier knüpfte die Referentin mit ihrem Vortrag an. Das Lesebuch „Der Kinderfreund“ verfaßte von Rochow 1776 und ließ in kurzen Abständen weitere Titel folgen, stets mit dem Wort „Kinderfreund“ in der Aufmachung. So erschien „Der verbesserte Kinderfreund“ oder „Der neue deutsche Kinderfreund“. Der  Inhalt der knapp gefaßten Geschichten in den Lesebüchern sollte sowohl die geistig-sittliche als auch die naturwissenschaftliche Bildung fördern. So findet man im Lesebuch von 1776 Titel wie „Vom Nutzen der Obrigkeit“ oder „Vom Nutzen des Vertrauens auf Gott“ oder „Vom Nutzen des Lesens und Schreibens“. Daneben standen Abhandlungen wie „Vom Wachstum der Pflanzen“, „Der Magnet“ oder „Das Brennglas“.
In den ab 1832 erschienenen Büchern hoben die Nachfolger von Rochows das Niveau der Lesebücher an. Es wurden Werke von Rückert, Goethe, Hauff und weiteren „Geistesheroen“ veröffentlicht. Abhandlungen über Giftpflanzen, exotische Tiere oder Aufstellungen über Maße und Gewichte enthielten „Der astronomische Kinderfreund“, „Der arithmetische Kinderfreund“ und weitere Titel mit naturwissenschaftlichem Anstrich.
Das Klassenzimmer aus dem Jahr 1776 ist in dem Familienbesitz derer von Rochow im brandenburgischen Reckahn im Stil der damaligen Zeit eingerichtet und zu besichtigen.
Am 26. Februar wird Hans Joachim Naujoks (Burg) den Tilsiter Wilhelm Vogt vorstellen, der als „Hauptmann von Köpenick“ in die Geschichte einging.

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