In der Mittagspause zur Kirche aufs Boot

Bericht über die Anglikanische Kirche Englands / Pröpstin Annegret Puttkammer besucht WvO Dillenburg

Pfarrerin Annegret Puttkammer, Pröpstin der evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) für den Bereich Nord-Nassau, berichtete Mitte der Woche während ihres Schulbesuchs an der  Wilhelm von Oranien Schule in Dillenburg bei zwei Religionskursen der Einführungsphase (11. Klasse) über die Säkularisierung des christlichen Glaubens in England.

Die Lage der Kirche in England sei eine andere als hier in Deutschland. Die Traditionsverbundenheit der Briten bedeute aber nicht, dass es der Anglikanischen Kirche besser gehe, so Puttkammer. Die Kirchengemeinden erleben radikale Einschnitte, manche Gemeinde müssten neue Wege gehen, um Menschen zu erreichen. Denn Traditionsabbrüche sind auch im Land der Queen deutlich zu erkennen. Die Anglikanische Kirche von England versuche auf die die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, Prioritäten zu setzen und beweise bisweilen auch Mut zur Lücke, wenn nicht alle Anforderungen ab zu decken sind. Sie berichtete von ihren persönlichen Erfahrungen aus ihrem Studiensemester in London. In dieser Zeit habe sie sich selbst in einer Kirchengemeinde aktiv beteiligt und dabei wichtige Erfahrungen, auch für den heimischen Bereich, sammeltn können. Annegeret Puttkammer führte aus, dass man sich dort nun auf verschiedenen Zielgruppen konzentriere, so beispielsweise im Londoner Bankenviertel. Bekannt für solch außergewöhnliche Gottesdienste sei „St. Peter’s Barge“ (http:// www.stpetersbarge.org/), ein Boot, das die Kirche inmitten des Hafens im Londoner Bankenviertel erwarb. Die Gottesdienste fänden dort in der Mittagspause (2x pro Woche) statt und dauerten ca. 40 MInuten. Die Kombination aus Gottes Wort und Mittagessen sorge für zahlreiche Besucher unter den Bankern, so Puttkammer.

Dies ist nur ein Beispiel, wie die Kirche in London auf die Säkularisierung reagierte. Die Anglikanische Kirche hat manche ihrer traditionellen Orte aufgegeben, um näher bei den Menschen zu sein. Ein Schritt, der in Deutschland in dieser Konsequenz nicht umzusetzen ist.

Aus dem Vortrag über die „fresh expressions of church“ konnten die Schüler und Schülerinnen der Wilhelm-von-Oranien-Schule nicht nur erfahren, wie die aktuelle Lage in London aussieht, sondern sie konnten auch ihre Ideen mitteilen, die sie zuvor selbst im Unterricht entwickelt hatten, wie Kirche in Deutschland auch in Zukunft an Relevanz gewinnen könne, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Die Gottesdienstbesuche in Deutschland hingen sehr oft von der heute nicht mehr zeitgemäßen Uhrzeit der Gottesdienste ab, so Puttkammer. Die frühen Zeiten am Sonntag Morgen gingen noch auf die bäuerliche Gesellschaft zurück, in der zwischen der ersten und der zweiten Viehfütterung Gottesdienste abgehalten wurden. Darüber hinaus berichtete Puttkammer weiter über einen „Nachteulen-Gottesdienst“, der in einer deutschen Studentenstadt gefeiert werde und speziell studentische „Partygänger“ als Zielgruppe anspreche.

Nach dem Vortrag mit gemeinsamem Austausch stand Pröpstin Puttkammer für weitere Fragen zur Verfügung. Einige Schüler bedankten sich bei ihr für den sehr guten und vor allem praxisnahen Vortrag und kamen auch nach der Stunde noch mit ihr ins persönliche Gespräch über die Situation in heimischen Gemeinden. Insgesamt kann hier von einem sehr gelungenen Besuch berichtet werden, durch den die Schüler über den unterrichtlichen Kontext hinweg ihren Horiziont erweiterten.

(Jan Hecker, Julian Zaremba, Sascha Schulze)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2013
Kommentare (0)
Mehr aus Leserreporter Region Dillenburg