Musik bei Kerzenschein in der Herborner Stadtkirche

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Den Kirchenraum erlebte das Publikum am Vorabend des Denkmal-Tages aus ganz ungewohnter Perspektive - mit Blick aus dem mit fantasievollen Blumen-Fresken geschmückten Chorraum in das kerzenerleuchtete Kirchenschiff und auf die große Orgel, die aber diesmal dem Cembalo den Vortritt ließ.


Christof Becker, Kirchenmusiker an der Marienstiftskirche in Lich, hatte sein eigenes Instrument mitgebracht, den prächtigen zweimanualigen Nachbau eines barocken Cembalos aus der Werkstatt des niederländischen Instrumentenbauers Klop.
Musik und Wort ergänzten sich geradezu ideal: Nach der Eröffnung des Programms durch das bekannte Präludium C-Dur aus dem „Wohltemperierten Clavier“ beschrieb Stefanie Wiesenberg Kindheit und Jugend des großen Bach, immer wieder ergänzt und illustriert durch Cembalo-Musik, die in der jeweiligen Zeit entstanden ist. Bachs erste Musiker-Anstellung, die Heirat, die beständigen Auseinandersetzungen mit den Arbeitgebern, die Kinder, die zweite Ehe, schließlich die Anstellung als Thomaskantor in Leipzig, der Besuch bei Friedrich dem Großen - all das fand seine Entsprechung in faszinierender Cembalo-Musik: spielerische Klang-Kaskaden und virtuoseste Läufe erklangen besonders im „Italienischen Konzert“, aber auch konzentriertestes kontrapunktisches Geschehen war im Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“ und im Contrapunctus 2 aus der „Kunst der Fuge“ zu erleben.


Die Texte hatte Stefanie Wiesenberg mit großer Sorgfalt ausgesucht: neben zahlreichen Briefen und sogar Gerichtsakten war der Nekrolog eine aufschlussreiche Quelle, der würdigende Nachruf, den Carl Philipp Emanuel Bach für seinen Vater verfasst hatte.
Nach dem bewegten und fantasievollen Präludium B-Dur aus dem Wohltemperierten Clavier, dem letzten Werk des Abends, bedankte sich das Publikum mit viel Applaus für einen so gelungenen Abend und folgte der Einladung zu einem Glas Sekt und interessanten Gesprächen ins Foyer des Gemeindehauses.


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