Obstbaumpflege bleibt Dauerbrenner

Beide Schnittkurse in Oberscheld gut besucht

Foto: privat

Foto: privat

Foto: privat

Bild 1 von 3

Dass das Obstbaumschneiden auch heute noch aktuell ist, zeigt sich jedes Mal immer wieder an den konstanten Teilnehmerzahlen. So konnte der scheidende Vorsitzende Helmut Fritz, wie auch der neue Vorsitzende und Baumwart des Vereins Frank Koch an zwei Wochenenden jeweils ca. 25 Teilnehmer begrüßen und willkommen heißen.In seiner Begrüßung freut sich Koch, dass trotz einer unfreundlichen Witterung wieder eine rege Beteiligung zu verzeichnen sei. Dies bestätige seine Auffassung, dass der eigene Obstanbau und die Pflege der eigenen Bäume immer noch relevante Themen für die Menschen auf dem Land sind.

Dann geht er auf die Bedeutung des Baumschnitts ein und erläutert, welche Ziele der Schnitt haben sollte. Ideal wäre es, wenn eine Baumkrone neben einem Mitteltrieb jeweils drei bis vier Leitäste hat und die nicht zu steil und nicht zu flach – etwa in einem 45° Winkel – seitlich nach oben wachsen sollten. Bei dem hier und heute zu schneidenden Apfel-Hochstamm, der wahrscheinlich 30 Jahre nicht mehr geschnitten wurde, geht es diesmal um eine grundlegende Verjüngungskur, d.h. die weitausladenden Seitenäste werden stark zurückgeschnitten, um neue, näher am Stamm liegende Triebe hervorzulocken, indem weiter unten liegende „schlafende Augen“ wieder geweckt werden und dort dann neues Fruchtholz austreiben kann.

Anzeige

In diesem Zusammenhang erklärt Koch die unterschiedlichen Auswirkungen eines Winterschnitts, also ein Schnitt im Frühjahr ohne Blätter im Gegensatz zum Sommerschnitt, der z.B. im Hochsommer erfolgen kann und für eine bessere Ausreife des Obstes notwendig ist. Der jetzt noch durchzuführende Winterschnitt bewirkt, dass die in den Wurzeln eingelagerten Nährstoffe, die jetzt im Frühjahr in den Startlöchern sitzen und nach oben steigen wollen, an den Schnittstellen plötzlich stoppen müssen und einen Saftstau bilden, der dazu führt, dass unter den Schnittstellen aus „schlafenden Augen“ neue Triebe austreiben, die die von uns gewollte Verjüngung des Baumes bewirken.

Der Grund dafür ist das gewünschte aber nun gestörte Gleichgewicht zwischen der Krone über der Erde und dem Wurzelwerk unter der Erde. Die im Vorjahr in den Wurzeln über die Photosynthese des Blattgrüns eingelagerten Nährstoffe, wie Kalium, Kalzium, Stickstoff, Phosphor usw. wollen das alte Gleichgewicht zwischen Wurzelwerk und Krone und Astwerk wieder herstellen und sorgen so dafür, dass nach dem Schnitt im Frühjahr der Baum wieder verstärkt austreibt.

Dann ging es zur Sache. Dabei empfiehlt Frank Koch als ersten wichtigen Schritt, sich den Baum von allen Seiten genau anzusehen und sich vor dem geistigen Auge vorzustellen, wie der Baum nach dem Schneiden aussehen soll.

Ein weiteres wichtiges Prinzip ist die Regel: Ein richtiger, beherzter Schnitt erspart viele endlose Schnippeleien. Der hier ausgesuchte Hochstamm hat eine durch unzählige kleine Äste viel zu sehr verdichtete Krone, die nur wenig Neuaustrieb zulässt und in der Reifezeit kein Licht und keine Sonne zu den Früchten hindurch lässt.

An sich gibt es in solchen Fällen sehr viel zu schneiden. Dennoch entzündeten sich an den Fragen, welche Äste an welchen Stellen am besten zurückgeschnitten werden sollten, erhitzte Diskussionen. Koch will jedoch durch einen entsprechenden Schnitt dem Baum die ursprüngliche Krone in Pyramidenform – drei Leitäste und ein Mitteltrieb – so weit wie möglich wieder zurückgeben. Zunächst geht es mit der Motorkettensäge an ausgewählte Äste, die mit den beabsichtigten drei Leitästen in Konkurrenz stehen.

Dieser Auslichtungsschnitt muss teilweise auch in den höheren Etagen durchgeführt werden. Hier kann man sich als Faustregel merken: Oben stark schneiden, unten eher vorsichtig!

Für diese Arbeiten eignen sich besonders Astsäge, Astschere und Teleskopschere. Die Kronenspitze wird auf einen ausgesuchten Mittelast zurückgeschnitten. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die seitlichen Leitäste und Triebe alle ungefähr die gleiche Höhe bekommen und mit der Kronenspitze eine Pyramide von etwa 60° bilden.

Alle toten, kranken, nach unten und nach innen wachsenden Äste zu entfernen zählt dann schon zur leichteren Feinarbeit. Zum Abschluss konnten die Teilnehmer noch mit den Fachleuten des Obst- und Gartenbauvereins fachsimpeln und Erfahrungen austauschen, wobei neben heißem Kaffee auch ein kleiner Imbiss angeboten wurde.


Jetzt kostenlosen Probemonat sichern und unbegrenzt auf mittelhessen.de und in der News-App lesen!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus Leserreporter Region Dillenburg