„Fragt uns, 
wir sind die Letzten“

Geschichte  Alsted-Schüler treffen Zeitzeugen

Irena Szczurek berichtete von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. (Foto: privat)

Vier polnische Überlebende der NS-Diktatur berichteten dort auf beeindruckende Weise von ihrem Leben während und nach der deutschen Schreckensherrschaft in Polen.

Aufgeteilt in vier Gruppen hatten die 42 Schülerinnen und Schüler der Johann-Heinrich-Alsted-Schule die Chance, die Geschichte jeweils eines Zeitzeugen zu hören und anschließend Fragen zu stellen. Untermalt von Familienbildern, Karten und Originaldokumenten aus der Zeit Anfang der 40er Jahre, wurde so Geschichte greifbar.

Bewegend für die Schüler: Irena Szczurek erzählte, wie ihre jüdische Familie 1942 gezwungen wurde, in ein jüdisches Ghetto in Brody umzuziehen. Die damals vierjährige Irena überlebte als einziges Familienmitglied, da das nicht-jüdische Kindermädchen der Familie, Maria Hromiak, sie als ihr eigenes Kind ausgab. Mit Zustimmung der leiblichen Eltern wurde Irena als vermeintliches Kind der Katholikin Maria getauft, um die Spuren zum Judentum so gut wie möglich zu verwischen. Vater und Bruder wurden vermutlich ermordet, die Mutter kam nach Auflösung des Ghettos in einem deutschen NS-Vernichtungslager ums Leben. Ihre Rettung, sagte die Zeitzeugin, sei ein „Wunder“. Die Zuhörer spürten die Last, die diese Lebensgeschichte für Irena mit sich bringt, spürten aber genauso die tiefe Dankbarkeit der Zeitzeugin.

Das Erzählen ihrer Geschichte, fuhr sie fort, sei eine psychische Belastung, die sie nicht ruhig schlafen lasse. Viel wichtiger aber sei es, den jungen Menschen von ihrem und dem Schicksal so vieler anderer Betroffener zu berichten.

Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Chance, mit den Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen und Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Der Appell an die Jugendlichen war deutlich: „Ihr dürft nicht vergessen, was wir euch erzählen“.

Das Zeitzeugenprojekt wurde vom Bistum Limburg in Kooperation mit dem Maximilian-Kolbe-Werk, dem Bistum Mainz, der Stadt Limburg und der Stiftung „Demokratie leben“ organisiert. (red)

 

Anmerkung der Redaktion:

In der ursprünglichen Version dieses Artikels ist uns ein Fehler unterlaufen. In dem Artikel über ein Zeitzeugenprojekt des Bistums Limburg, das Schüler der Mittenaarer Johann-Heinrich-Altsted-Schule besucht haben, war in einer Textpassage von einem "polnischen Vernichtungslager" die Rede. Diese Bezeichnung ist falsch. Richtig ist, dass es sich um ein deutsches NS-Vernichtungslager im besetzten Polen handelte. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.


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