„Die haben mich da rausgeholt“

Schreibprojekt  Edith Burbach erzählt mit 70 ihre ganz persönliche Geschichte

Edith Burbach und Schreibpate Andreas Thamer. (Foto: privat)

Seit 27 Jahren lebt Edith Burbach, jetzt 70 Jahre alt, im Wohnheim in Manderbach. „Ein Ort, an dem sie ihren Platz im Leben gefunden und Wurzeln geschlagen hat“, wie Andreas Thamer sagt.

Zuvor erlebte Edith viele Jahre der Unruhe und des Missverstandenwerdens. Wegen aggressiver und hysterischer Ausbrüche kam sie immer wieder zur Krisenintervention in psychiatrische Behandlung. „Ein Drehtürpatient.“

In Donsbach, wo sie damals lebte, arbeitete sie in verschiedenen Haushalten als Putzkraft. Die Frau mit Kittelschürze, Tasche und Schirm, die Frau mit einer Vorliebe für Kaffee und Handarbeiten, die Frau mit den enormen Gefühlsschwankungen, deren Leben in einem Wohnumfeld wie dem damaligen einfach nicht funktionierte.

„Aber die haben mich da rausgeholt“, sagt Edith, deren Sprechweise durch einen Schlaganfall vor sechs Jahren leicht verwaschen klingt. Die das waren maßgeblich Bernd Scheftlein, seinerzeit Leiter der Dillenburger Werkstätten, und Rainer Pliska vom Sozialen Dienst der Einrichtung, die immer wieder Hinweisen nachgegangen waren und Menschen wie Edith Burbach in die Betreuung der Lebenshilfe aufnehmen konnten.

Nachdem sie ab 1970 in der ersten Lebenshilfe-Werkstatt am Haigerer Hindenburghügel tätig gewesen war, fand sie später nach erneutem Psychiatrieaufenthalt im Wohnheim Manderbach ein neues Zuhause. Die das waren im diesem Fall auch Reinhard Etzel, damals Wohnheimleiter, und Klaus-Dieter Jung, Mitarbeiter im Betreuungsdienst.

Edith Burbachs psychische Verfassung stabilisierte sich zusehends. Die Einzelgängerin lernte, soziale Kontakte zu knüpfen. Auch an ihrem neuen Arbeitsplatz in der Werkstatt Eibelshausen, wo sie bis zu ihrer Rente 2010 tätig war.

Diese Dinge erzählt Edith nun ihrem Schreibpaten Andreas Thamer. Zahlen und Daten – all das hat sie in ihrem Kopf abgespeichert. Thamer fasst das Erzählte in 1000 Zeichen zusammen. Edith Burbachs Geschichte wird eine der Lebensgeschichten im neuen Buch, das die Lebenshilfe nach „1000 Zeichen – Begegnungen Downtown“ auf den Markt bringen wird.

Auseinandersetzung mit eigener Biografie ist für geistig Behinderte von enormer Bedeutung

Für Menschen mit geistigen Behinderungen ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie von enormer Bedeutung für ihre Identität und Selbstwahrnehmung. „Das Aufschreiben dieser Lebensgeschichten ist eine späte Anerkennung und ein Hineinbringen der Menschen in die gesellschaftliche Mitte“, erklärt Thamer.

„Edith ist eine Persönlichkeit mit einer besonderen Biografie und zeigt anhand ihrer Erfahrungen ein Stück gelebte deutsche Geschichte in der Entwicklung der Behindertenhilfe auf.“

Die Teilnahme am Schreibprojekt „1000 Zeichen“ ist jederzeit möglich und für jeden offen. Bei Fragen und Anregungen: geschichten(at)lebenshilfe-dillenburg.de (red)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus Region Dillenburg