700 demonstrieren gegen Rechts

KUNDGEBUNG "Haiger steht auf" versammelt 80 Anhänger auf dem Marktplatz

Sitzblockade auf dem Weg zum Marktplatz: Als "Haiger steht auf!" die untere Hauptstraße entlang kam, machten Teilnehmer von "Haiger steht auf gegen Rechts" die Straße dicht. Die Polizei musste daraufhin den Zug über Seitenstraßen umleiten. (Foto: Katrin Weber)

Heftige Diskussionen und kleine Rangeleien gab es mit aufgebrachten Gegendemonstranten. (Foto: Scharf)

Heinz Lemler von der Haigerer SPD: "Wenn ich über den Platz schaue und das Bunte sehe, dann bin ich fast sprachlos." (Foto: K. Weber)

"Haiger steht auf!" hatte nach Schätzungen der Polizei etwa 80 Teilnehmer. (Foto: Katrin Weber)

Auf dem Aurelplatz in Haiger hatten sich zwischen 350 und 400 Menschen versammelt, die deutlich machten: Bunt ist gut. (Foto: Katrin Weber)

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700 kommen zu "Haiger steht auf gegen Rechts"
Nach Schätzungen der Polizei hatten sich bei "Haiger steht auf" auf dem Marktplatz 80 Teilnehmer eingefunden. Und diese Gruppe erfuhr gleich zu Beginn einen Aderlass. 30 junge Leute der als rechtsextremistisch eingestuften Kleinpartei der "III. Weg", die mit Schildern "Asylflut stoppen" angerückt waren, kehrten der Veranstaltung bereits kurz nach Auftakt den Rücken.

Die Polizei hat den Veranstaltungsort mit starken Kräften abgeriegelt

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Vermutlich hat es ihnen nicht gefallen, dass die Leiterin von "Haiger steht auf" erklärt hatte, beim Türken Obst und Gemüse zu kaufen und Wohnungen an Ausländer vermietet zu haben. Nach dem Grund für den sang- und klanglosen Abgang befragt, gab es für den Reporter eine vielsagende Antwort: "Mit Schwachmaten reden wir nicht."

Groß angekündigt war von "Haiger steht auf" der Hauptredner. Dominik Roeseler, der aus der als verfassungsfeindlich betrachteten Kleinpartei "Pro-NRW" ausgeschlossen worden ist, beschwerte sich, auf dem Marktplatz "wie im Zoo eingesperrt zu sein."

In der Tat: Die Polizei hatte den Veranstaltungsort vor dem Rathaus mit starken Kräften abgeriegelt und Gitter als Barrieren aufgestellt.

Nicht ganz leicht war es auch, die "Haiger steht auf"-Teilnehmer auf ihrem Spaziergang durch die Innenstadt zu begleiten. Beschimpfungen gab es reichlich, als der gut abgeschirmte Zug auf eine große Zahl von Gegendemonstranten am Straßenrand traf. Zu Handgreiflichkeiten kam es aber nicht. Das konnten die Polizisten verhindern.

Gut 700 Teilnehmer kann nach Schätzungen der Polizei der DGB Mittelhessen bei der Gegendemonstration "Haiger steht auf gegen Rechts" vermelden. Auf dem Aurelplatz verfolgten zwischen 350 und 400 Menschen die Reden und machten mit lauten Trillerpfeifenkonzerten deutlich, dass Haiger bunt "und nicht braun" ist. Etwa 200 Demonstranten waren zum Marktplatz gelaufen. Dort machten sie Lärm, so dass die Redner sich kaum oder nur schwer Gehör verschaffen konnten.

Auf dem Aurelplatz hingegen herrschte ausgelassene Stimmung. Überall, wo man hinsah, bunte Schilder, Luftballons und Fahnen. Matthias Körner, Geschäftsführer der DGB-Region Mittelhessen zeigte sich beeindruckt: "Haiger ist in der Lage zu zeigen: Wir wollen euch hier nicht haben."

Stephan Aurand (SPD), Sozialdezernent des Lahn-Dill-Kreises, untermauerte dies. "Es ist ein tolles Bild, was sich einem von hier oben bietet", sagte er von der Bühne ins Publikum blickend: "Es ist fantastisch und bunt. Die ganze Region steht auf gegen Rechts."

Vertreter der Schulen in Haiger, der Kirchen, der Jusos und der IG Metall Herborn zeigten sich unter starkem Beifall und einem Trillerpfeifenkonzert von der großen Resonanz auf ihre Veranstaltung beeindruckt. "Man hat geschaut, ob in Haiger überhaupt was geht", sagte Körner an die Adresse der Organisatoren von "Haiger steht auf!" auf dem Marktplatz: "Wir haben heute deutlich gemacht, dass Haiger nicht der Ort für sie ist."

Den meisten Applaus bekam Homam. Der Syrer, der aus seinem Land geflüchtet ist, richtete die bewegendsten Worte an die Demonstranten: "Wir haben seit fünf Jahren Krieg in Syrien, sind so lange ohne Wasser und Elektrizität. Es ist die letzte Lösung, hierher zu kommen. Aber wir haben hier eine neue Familie gefunden - Thanks a lot!"


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Kommentare (5)
Lieber Wuppersieg, Sie fragen: „Was hat die IG Metall da bei der Demo zu suchen“. Ach, wissen Sie, das nennt man in Deutschland „Meinungsfreiheit“. Wenn Sie als AfD-Mitglied bzw. Ihre Partei Probleme damit haben, dann mehr
ist das Ihr Problem. Aber das ist erlaubt, solange Ihre Verbots-Partei das noch nicht untersagt hat.

Sie schreiben weiter: „Und die christlichen Kirchen? Was haben die auf so einer Gegendemo (oder der anderen Seite) zu suchen?“ Auch das nennt man Meinungsfreiheit. Warum sollte die nicht für Kirchen bzw. Christen gelten? Wenn Sie als bekennender Christ Probleme damit haben, dann lesen Sie doch einmal die Bibel. Dort werden Sie z.B. lesen können, dass Gott alle Menschen liebt und nicht bloß die Deutschen. Aber vielleicht kenne ich auch die neueste Version der Bibel in der Höcke-Gauland-Pretzell-Petry-Übersetzung noch nicht.

Und dass ausgerechnet Sie schreiben, „Miteinander reden und aufeinander zugehen“ nenne ich einen Treppenwitz. Ist es nicht gerade die AfD, die davon überhaupt nichts wissen will? Wer brüllt denn lieber „Lügenpresse“ und sprüht Journalisten Pfefferspray ins Gesicht, als miteinander zu reden? Das kommt doch von AfD und Pegida! Ist nicht jetzt beim AfD-Parteitag ein Delegierter, der zum Dialog mit muslimischen Gemeinden aufrief, gnadenlos ausgepfiffen worden? Ist das Ihre Vorstellung von „miteinander reden“? Offensichtlich ja. Sie schreiben: „In der Schule habe ich früher ein Demokratieverständnis gelernt – auf alle Menschen zugehen und sie mal ausreden zu lassen“, aber offenbar soll das ja nur für „uns Deutsche Patrioten“ gelten und nicht für „alle“, vor allem nicht für die bösen „Gutmenschen“. Und nebenbei, war Jesus nicht auch so ein böser „Gutmensch“?

Herr Tillschneider von der AfD Sachsen behauptet, das sich der Islam aufgrund seiner „kulturellen Fremdheit“ nicht auf die Religionsfreiheit berufen kann. Sollte das dann nicht auch für die AfD gelten? Aufgrund ihrer „Fremdheit“ gilt z.B. das Wahlrecht nicht für die AfD? Oder nicht für Menschen aus Sachsen? Wie fänden Sie das? Linksfaschistisch?

Seit 1945 hat es in Deutschland keine Partei mehr gegeben, die einen Teil der Menschen derartig ausgrenzen will wie die AfD. Diese Partei, deren einziges Ziel es ist, Deutschland zu spalten und Unfrieden zu stiften (in jedem zweiten Internet-Kommentar von AfD-Anhängern findet sich das Wort „Bürgerkrieg“, auch in Ihrem, nett umschrieben als ‚„noch“ Frieden‘), gehört mit allen Mitteln des demokratischen Rechtsstaats bekämpft.
Mein lieber Herr Dirigent, sie und andere beleidigen mit den ewigen NS-Vergleichen die Intelligenz der Menschen und - was noch schlimmer ist - sie relativieren und instrumentalisieren diesen unsäglichen Abschnitt mehr
unserer Geschichte.
Netiquette schön und gut, Rassistena...... bleiben Rassistena.... :-).
Bin mal gespannt, was die Netiquette damt jetzt macht.
Mein lieber Christenkommentator, (wegen Verstoßes gegen die Netiquette haben wir einen Teil des Kommentars gelöscht. Anm. d. Red.) ich war höchsterfreut, dass meine beiden Pfarrer dabei waren und damit eine klare mehr
Haltung gegenüber diesem (wegen Verstoßes gegen die Netiquette haben wir einen Teil des Kommentars gelöscht. Anm. d. Red.) demonstrierten. Das ganze hat nichts mit rechts oder links zu tun sondern mit der Würde des Menschen und sonst gar nix. Vor 1933 haben auch alle geglaubt, mit denen kann man reden oder einfach ignorieren, das Ergebnis kennt die ganze Welt.
Und ein ganz dickes Dankeschön und meinen höchsten Respekt all den ganz "normalen" Leuten, die dabei waren. Das hat mich am meisten beeindruckt! Es war wie Haiger - Live im Sommer, nur etwas trockener :-).
Ich bin jetzt mal richtig stolz auf all meine guten Mitbürger!!!!!!
Haiger steht auf – gegen rechts!?
Einige der in sich zerstrittenen Gruppierung PRO NRW wollen am Freitag, 29.04.16 ab 18 Uhr in Haiger demonstrieren! Motto: Haiger steht auf!
Sogleich formiert sich wie zur Zeit typisch mehr
in Deutschland eine große Gegendemonstration von Linken, Grünen, Jusos, Gewerkschaften und Kirchen und andere Gruppen. Mit Trillerpfeifen sollen die „ Rechtsradikalen“ niedergeschrieen werden! Jetzt reicht es aber, sagen sich die Initiatoren der Gegendemo! Wie können diese Rechten sich das demokratische Recht einer Demo herausnehmen! Den Schülern einer großen Mittelpunktschule wird politisch manipulierend in mehreren Unterrichtseinheiten beigebracht, wer gut und wer böse ist! Ja, gut das Schule weltanschaulich und politisch neutral ist!
Was hat die IG Metall da bei der Demo zu suchen, wo sie doch noch verwundert kürzlich feststellte, dass überdurchschnittlich viele ihrer Mitglieder „rechts“ wählen! So stellt sie sich gegen einen Teil ihrer Mitglieder!
Und die christlichen Kirchen? Was haben die auf so einer Gegendemo (oder der anderen Seite) zu suchen? Sollen Sie nicht für alle Bevölkerungsgruppen offen sein? Steht demnächst am Eingang der Kirche: Nur für links wählende Gutmenschen geöffnet? Wo wird für verfolgte Christen demonstriert? Wir Christen in der AfD werden im Mai vor Ort in Syrien den verfolgten Christen mit Unterstützung der höchsten Spitze der Afd helfen (näheres darf aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden!) Wo tritt die Kirche für die Ungeborenen ein?
Mein Vorschlag: Nicht die PRO NRW Leute niedertrillern, sondern sie mal fragen was sie überhaupt für einen Anlass dieser Demo über die Grenze von NRW hinweg haben?
Miteinander reden und aufeinander zugehen deeskaliert und führt vielleicht zu Lösungen und zu gegenseitigem Verständnis oder zeigt mal auf, dass der andere auch Argumente hat!
In der Schule habe ich früher ein Demokratieverständnis gelernt – auf alle Menschen zugehen und sie mal ausreden zu lassen und dann in eine Diskussion gehen – alles wird damit nicht gut, aber vieles wird dadurch entkrampft!
Heutzutage gilt scheinbar nur noch den Gegner „Kante“ zu zeigen und zu polarisieren!
Damit entfernt man sich von der Demokratie und auch von unserem „noch“ Frieden!
Ich bitte um Vernunft, Empathie für andere Meinungen und ein miteinander reden!
Klaus Sydow, Siegbach (Christ, ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, aus multinationaler Familie)
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