Auf 400 Sattelschlepper verladen

STANDORTWECHSEL Die "Oranier"-Gruppe ist von Gladenbach nach Sechshelden umgezogen

Atemberaubend: Beim Umzug in das neue Bürogebäude auf dem ehemaligen Teka-Gelände wurden die Möbel per Kran in die oberen Stockwerke gehievt. (Foto: privat)

Blick auf das Firmengelände. Am Rande von Sechshelden hat "Oranier" das ehemalige Betriebsgelände von Teka gekauft. Die Gesamtfläche umfasst 92 000 Quadratmeter. Einen Großteil nutzt der Hersteller von Heiz- und Küchentechnik selbst für die Produktion. Für einige der Hallen sind auch Mieter gefunden worden. (Foto: privat)

Vor dem Neubau der Versandhalle mussten zuerst einmal das ehemalige Verwaltungsgebäude und die Fundamente der alten Hallen abgerissen werden. (Foto: privat)

Nikolaus Fleischhacker ist Geschäftsführer der "Oranier" in Sechshelden. Der in Salzburg geborene Kaufmann hat das Unternehmen vor 20 Jahren übernommen. (Foto: privat)

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Die neue Heimat ist das ehemalige, 92 000 Quadratmeter große Teka-Gelände an der Bundesstraße. Hier wurden 10 Millionen Euro investiert.

"In Sechshelden finden wir optimale Gegebenheiten vor", freut sich der Geschäftsführende Gesellschafter Fleischhacker, der die Firma vor genau 20 Jahren übernommen hat. Er nutzt im Haigerer Stadtteil rund 45 000 Quadratmeter und hat eine neue Versandhalle mit acht Lkw-Rampen gebaut. Neben 3600 Quadratmetern Büro- und 1100 m² Sozialraumflächen stehen mehr als 37 000 m² an Produktions- und Lagerflächen zur Verfügung. Hinzu kommt ein zweigeschossiges Parkhaus für 215 Fahrzeuge.

"Es war alles spannend", sagt Geschäftsführer Nikolaus Fleischhacker. Dem in Salzburg geborenen Kaufmann hatten Skeptiker im Vorfeld prophezeit, sich mit dem Projekt zu übernehmen. Und selbst der Manager hatte seine Zweifel - wenn auch nur leise. "Der Mantel schien zwei Nummern zu groß für unser Unternehmen, und es war für viele nicht erkennbar, wie Oranier das ausfüllen soll", beschreibt Fleischhacker rückblickend seine Gemütslage in einer zum Jahresende 2015 verteilten Mitarbeiter-Information.

Bei den Renovierungskosten hätten erst einmal atemberaubende Kalkulationen im Raum gestanden. Doch durch sparsame Planung und viel Eigenleistung habe man unter dem Strich nur einen Bruchteil des Geldes benötigt.

Tore aus den Abbruchhallen werden in anderen Gebäuden wieder eingebaut

Die Mitarbeiter krempelten die Ärmel hoch und verlegten in den Gebäuden und auf dem Gelände 20 Kilometer Datenleitungen und genauso viele Stromleitungen. 3000 Kilogramm Farbe wurden gespritzt und gepinselt; Lampen und Strahler abgebaut und an anderer Stelle wieder installiert. Die Tore aus den Hallen wanderten nicht zum Altmetall, sondern wurden erneut in Gebäude eingebaut. Und mit einem Großteil des geschredderten Abbruchmaterials wurden die Gruben in den Hallen verfüllt und geschlossen. 250 Kubikmeter zerkleinertes Gestein wurden gebraucht, um alle Unebenheiten auszugleichen.

Hartnäckig waren die Verantwortlichen auch bei den Verhandlungen. Firmen, die auf dem Gelände beschäftigt waren, räumten großzügig Prozente bei den Angeboten ein.

"Abstriche bei der Qualität gab es dennoch keine", sagt der Geschäftsführer. Und durch die Einsparungen konnten sich die "Oranier" Dinge leisten, die ansonsten nicht bezahlbar gewesen wären.

Ein geschickter Schachzug war es, auf dem großen Gelände weitere Firmen anzusiedeln und die Finanzierungskosten zu senken. Aus dem Frankfurter Raum zieht ein Maschinenbauer in Sechshelden ein. Für die Firma "RAT" mit ihren 60 Mitarbeitern ist das ehemalige Sozialgebäude mit einer Fläche von 1200 Quadratmetern vorgesehen. Die Umbauarbeiten laufen; der Einzug erfolgt demnächst. Eine neue Heimat haben auch der Edelstahlschleifer "Syronox", der Gerüstbauer "Hill" und der Abschleppdienst "Eckhard/Schneider, der in einer Lagerhalle untergekommen ist, gefunden. Weitere Mieter sind das Deutsche Rote Kreuz, die Spedition Thielmann aus Steffenberg und die Firma Ucon, die Büroräume bezogen hat. Diese Unternehmen beschäftigen derzeit bis zu 150 Mitarbeiter.

"Wir brauchen uns vor den Großen nicht zu verstecken", sagt Fleischhacker. Die Oranier seien bereits Marktführer bei der Heiztechnik.

60 Millionen Euro setzt "Oranier" derzeit im Jahr um. Tendenz: steigend. Der Vertrieb erfolgt über den Fachhandel. "Unsere Unternehmensgruppe mit den beiden Geschäftsbereichen Heiztechnik und Küchentechnik ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Hierbei konnten wir nicht nur in Deutschland Marktanteile gewinnen", erklärte der Geschäftsführer. Zu verzeichnen seien auch hohe Zuwächse in Österreich, der Schweiz und in Frankreich, wo auf dem Sektor Kaminöfen groß gepunktet werden konnte. 3500 Geräte konnten im Nachbarland abgesetzt werden - 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weitere Absatzmärkte werden erschlossen. So werden die Produkte aus dem Hause "Oranier" mittlerweile in Irland, Italien, Niederlande, Griechenland, Luxemburg, Großbritannien, Schweden und Finnland verkauft.

Und sogar in Asien schätze man mittlerweile die hochwertigen Produkte aus Sechshelden.

Bei der Fertigung setzt das Unternehmen auf über ganz Europa verteilte, qualifizierte Zulieferer. In den Hallen auf dem ehemaligen Teka-Gelände werden die Teile dann zusammengebaut. Im Hause geblieben sind aber die Qualitätssicherung und das Ersatzteillager mit mehr als 12 000 Artikeln.

Auch der Kundendienst wird vom neuen Standort, aus der Zentrale, organisiert. Für Fleischhacker sind das für das Unternehmen wichtige Schlüsselfelder, die "wir selbst in der Hand behalten".

Den Ausschlag, sich für das Gelände in Haiger zu entscheiden, hat auch die Gewerbesteuer gegeben. Die Stadt mit ihrem noch moderaten Satz in Höhe von 330 Prozentpunkten habe überzeugt - ein weiteres Argument sei die gute Anbindung an die Autobahn gewesen. Für Fleischhacker die "ideale Ausgangsposition für die weitere Entwicklung."


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