Bei der Wehr ist der (Wasch-)Bär los

Natur  Mindestens fünf der Tiere zerstören Dachdämmung im Gerätehaus Rittershausen

Schön anzuschauen, aber die Feuerwehr Rittershausen wünscht sich, sie wären ihrem Gerätehaus fern geblieben. Waschbären richten immer wieder erhebliche Schäden in Gebäuden an. Diesmal bei der Wehr. (Archivfoto: Klimke/dpa)
Die Dachisolierung im Feuerwehrgerätehaus in Rittershausen ist hin. Die Glaswollebahnen müssen entfernt und durch eine neue Dämmung ersetzt werden. Allein für das Dach über dem Schulungsraum entstehen Kosten in Höhe von rund 12 000 Euro. Sogar ein Dachfenster muss ausgetauscht werden, weil Waschbären die Laibung beschädigt haben, so dass Wasser eindringt. (Foto: Kiehl)
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Wehrführer Dennis Becker ist nicht gut auf die kleinen Säugetiere zu sprechen.

Auf seinem Handy hat er das ganze Ausmaß der Verwüstung dokumentiert: die Dachdämmung, die aussieht wie ein Schweizer Käse, übelriechende Kothaufen und Pipipfützen. Die putzigen Tiere haben den Schulungsraum der Wehr unbenutzbar gemacht.

Seit einem Jahr liegen Menschen und Bären bereits im Clinch. „Nachdem wir erstmals den ungebetenen Besuch bemerkt haben, haben wir einen Dachdecker beauftragt, die Dachpfannen zu verkleben“, berichtet Bürgermeister Andreas Thomas (parteilos).

Die cleveren Tierchen hatten es geschafft, einzelne Pfannen zu lösen, um so in das Gebäude zu gelangen.

Die Unterspannbahn der Dämmung zu durchstoßen, war da nur ein kleines Problem für die grauen Vagabunden. Bevor der Dachdecker ans Werk ging, hatten Mitarbeiter des Bauhofes und Feuerwehrleute vier Waschbären in Lebendfallen gefangen. Sie seien weiter weg in die Natur entlassen worden, berichtet Thomas.

Noch im zu Ende gehenden Jahr 2017 hatte der Bürgermeister das Feuerwehrgerätehaus für waschbärenfrei erklärt. Er irrte.

Derzeit sind Handwerker dabei, die alte Dämmung zu entfernen und durch eine neue zu ersetzen. Dabei fiel auf: Es muss noch ein ungebetener Besucher sich häuslich in dem kommunalen Gebäude eingerichtet haben. „Wir haben ihn auf dem Dachboden gehört“, berichtet Becker. Dass er wie seine Artgenossen vorher über das Dach eindringt, schließen die Bauexperten der Gemeinde aus.

Sie vermuten, dass er über Nachbars Scheune einen Weg findet, den es zu verstellen gilt. Er kann auch nicht mehr in den Schulungsraum, sondern nur noch auf den Dachboden nebenan gelangen. „Hier kommt kein Waschbär mehr rein“, waren sich die Fachleute des Bauamtes am Donnerstagmorgen bei einer Baustellenbesichtigung einig.

Hoffentlich haben sie recht, denn sonst würde die Sanierung der Dachdämmung wenig bringen. Sie wird laut Bürgermeister Andreas Thomas immerhin rund 12.000 Euro kosten. Das Geld muss die Gemeinde aufbringen. „So etwas kann man nicht versichern“, sagt der Bürgermeister.

Im nördlichen Lahn-Dill-Kreis wurden im Jagdjahr 2016/2017 161 Waschbären zur Strecke gebracht

Wie es in der Dämmung über dem Speicher aussieht, das wissen Feuerwehrleute und Bauhofmitarbeiter noch gar nicht genau. Aber sie haben Spuren gesichert, die nichts Gutes ahnen lassen. „Wir werden nicht umhinkommen, auch dort zu sanieren. Und vor allem müssen die Handwerker nach dem Entfernen der Holzverkleidung und der Glaswolle das Loch finden, über das der noch verbliebene Waschbär auf den Dachboden gelangt.

Das kommunale Gebäude, das im Winter leicht geheizt wird, scheint ein idealer Wohnort für die Tiere zu sein. Dort ist es warm und trocken und die Bären fühlen sich ungestört. So scheint das Feuerwehrgerätehaus ein idealer Ausgangsort für nächtliche Streifzüge durch den Ort zu sein. Die Berichte von durch Waschbären angerichtete Schäden nehmen zu. In Biedenkopf-Breidenstein mussten beispielsweise im November vergangenen Jahres die Kita wegen Sanierungsarbeiten schließen. Waschbären hatten auch dort die Dachdämmung zerstört und einen Schaden von rund 100 000 Euro angerichtet.

Die Europäische Union setzte den Waschbär auf die Liste „invasiver gebietsfremder Arten“. Ziel müsse es sein, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Jäger beklagen, dass sie in Hessen durch eine verlängerte Schonzeit diesem Ansinnen kaum gerecht werden könnten. Im Zuständigkeitsbereich des Vereins der Jäger des Dillkreises wurden im Jagdjahr 2016/2017 161 Waschbären erlegt. Alleine die Hegegemeinschaft Dietzhölze verzeichnete den Abschuss von 40 Tieren.


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Kommentare (1)
"Bevor der Dachdecker ans Werk ging, hatten Mitarbeiter des Bauhofes und Feuerwehrleute vier Waschbären in Lebendfallen gefangen. Sie seien weiter weg in die Natur entlassen worden, berichtet Thomas." DANKE an die mehr
Feuerwehr Rittershausen und die Gemeinde Dietzhölztal, dass die Tiere nicht getötet wurden!
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