Brücke fällt früher als erwartet

ABRISS Arbeiten verlaufen nach Plan - B 277 vielleicht am Samstagabend schon wieder frei

Nur noch auf "tönernen Füßen" ruhte der westliche Abschnitt der Brücke, nachdem der größte Teil eingestürzt war.

Rohe Gewalt: Mit schwerem Gerät rückten die Mitarbeiter des Abbruch-Unternehmens der Brücke zu Leibe. Scheinwerfer tauchten die Baustelle in ein gespenstisches Licht.

Die Aufräumarbeiten dauerten auch noch während des Samstags an. Ab heute könnte der Verkehr wieder fließen. (Fotos: Geis)

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Nachdem drei schwere Hybridbagger knapp vier Stunden lang mit verschiedenen Werkzeugen die fast 50 Jahre alte Betonbrücke traktiert hatten, brach um 2.25 Uhr das erste Teil mit kurzem aber heftigem Getöse auf das Bett aus Erde und Steinen, das die Mitarbeiter eines niedersächsischen Spezialunternehmens zuvor ausgelegt hatten, damit die Fahrbahn der B 277 nicht durch die tonnenschweren Teile beschädigt wird.

Bereits am Freitagvormittag hatte sich Bauleiter Stefan Dienst von Hessen Mobil in Dillenburg mit Vertretern verschiedener Behörden getroffen, um im Rahmen einer Rundreise über die Umgehungsstraßen die ordnungsgemäße Beschilderung zu überprüfen. Bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde hier noch letzte Hand angelegt.

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Denn um acht Uhr abends ging es richtig zur Sache. Nachdem Mitarbeiter der Verkehrssicherung die Bundesstraße unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Sinn sowie neben der Auffahrtrampe zur Autobahn für den normalen Verkehr gesperrt hatten, rückten die jeweils 37 Tonnen schweren und von 320 Pferdestärken angetriebenen Ungetüme an.

Im Licht starker Scheinwerfer wurden zunächst die Geländer an der knapp fünfzig Meter langen Brücke, die auf neben den beiden Richtungsfahrbahnen stehenden Betonsäulen ruhte, mit schwerem Gerät heruntergerissen. Unmittelbar dahinter bissen sich die beiden anderen Hydraulikbagger mit Scheren und Meißeln in die Betondecke.

Nebel und Dunst tauchen die Baustelle in ein gespenstisches Licht

Das stakkatohafte Hämmern war bis nach Sinn und Herborn zu hören. Meter für Meter arbeiteten sie sich unter immer schwieriger werdenden Sichtverhältnissen aus Richtung Herborn von der östlichen zur westlichen Seite der Brücke vor. Nebel und eine Dunstglocke aus Staub lagen über diesem Abschnitt des Dilltals und tauchten die Abbrucharbeiten in eine gespenstische Szenerie.

Früher als ursprünglich gedacht, brachen rund zwei Drittel der Brücke bereits während der Arbeiten mit den Meißeln zusammen. Ursprüngliche Idee war, dass die Bagger, nachdem sie das Gewicht der Stahlbeton-Konstruktion verringert hatten, den Querschnitt der beiden Stützen so lange "anknabbern", bis die Brücke kontrolliert in sich zusammensackt. Die Abweichung von der Regie wurde von dem Team aus Niedersachsen allerdings gerne akzeptiert. So konnten sich, während einer der Bagger die Bruchstelle weiter bearbeitete, die beiden anderen dem Abbruch der östlichen Widerlager widmen. Nach knapp eineinhalbstündigem Meißeln wich auch der Rest der Brücke, die die Richtungsfahrbahn Sinn noch überdachte, der rohen Gewalt.

"Es ist alles nach Plan gelaufen", freute sich Projektleiter Stefan Dienst gestern Mittag nach der Besichtigung der Baustelle. Dank raschen Fortgangs der Arbeiten plant die bauausführende Firma, die Bundesstraße zwischen Sinn und Herborn bereits heute am frühen Abend wieder für den Verkehr freizugeben.

Allerdings werde dies erst kurzfristig entschieden, betonte Dienst. Denn zunächst müsse sichergestellt werden, dass die Fahrbahn der B 277 durch die heruntergestürzten Betonmassen keinen Schaden genommen hat. Die offizielle Sperrung laufe noch bis Montag fünf Uhr.

Mit dem Neubau der Brücke zur Autobahn-Auffahrt Herborn-Süd soll bereits in den nächsten Wochen begonnen werden. Ziel sei es, zunächst bis zum Jahresende die beiden Widerlager zu errichten. Während des Winters soll die Stahlkonstruktion in einer Halle so weit vorbereitet werden, dass sie nach dem Winter eingebaut und mit Beton ausgegossen werden kann.


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