"Er ist psychisch krank"

JUSTIZ Nach Tod eines Rittal-Pförtners: Staatsanwalt stellt Antrag

Am 6. April wurde der Pförtner des Rittal-Werks in Herborn erschlagen aufgefunden. (Archivfoto: Fritsch)

"Der Gutachter, ein Psychiater, hat eine psychische Erkrankung bei dem Mann festgestellt", berichtete der Wetzlarer Oberstaatsanwalt Uwe Braun.

Nach den bisherigen Ermittlungen war der Herborner am 6. April, einem Sonntag, frühmorgens um 5 Uhr zum Rittal-Werk auf dem Herborner Reuterberg gegangen. Unterwegs habe er sich nackt ausgezogen. Und am Werkseingang habe er schließlich dann den 67-jährigen Pförtner erschlagen. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass der Pförtner ein Zufallsopfer war", sagte Braun - auch wenn der Beschuldigte vor Jahren mal für mehrere Monate bei Rittal in Haiger angestellt war.

Das Opfer war langjähriger Mitarbeiter eines Haigerer Unternehmens, das sich auf Industrie- und Gebäudeservice spezialisiert hat und den Pförtnerdienst bei dem Herborner Schaltschrankhersteller Rittal übernommen hatte.

Der 39-jährige Herborner sei nach der Tat nackt geflüchtet, auf dem Rückweg habe er jedoch seine deponierte Kleidung wieder angezogen. Noch am selben Tag hatte ihn die Polizei festgenommen. Zeugen hatten den nackten Mann auf der Straße gesehen und Hinweise gegeben. Der Mann ist seitdem in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

Landgericht muss über Unterbringung in Psychiatrie entscheiden

Er habe sich inzwischen auch gegenüber dem Gutachter zur Tat geäußert, berichtete Braun. Nähere Angaben wollte der Staatsanwalt dazu aber nicht machen.

Aufgrund des Gutachtens hat die Staatsanwaltschaft keine Anklage erhoben, sondern die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie beantragt. Der Mann gilt deshalb auch nicht als Angeklagter, sondern als Beschuldigter.

Über den Antrag muss das Limburger Landgericht in einem öffentlichen Prozess entscheiden. Voraussetzungen für die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie: die Schulunfähigkeit des Mannes sowie die Gefahr, dass er weitere "erhebliche Straftaten" begehen könnte.

Sollte das Gericht den Antrag der Staatsanwaltschaft bestätigen muss laut Braun später "regelmäßig geprüft werden, ob die Voraussetzungen für eine Unterbringung noch vorliegen".


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Mehr zum Thema
Kommentare (2)
Die ganzen (insbesondere facebook-)Kommentatoren haben den Täter sicherlich viel genauer unter die Lupe genommen als der Gutachter und kennen ihn dadurch viel besser...

Offensichtlich gibt es genügend Menschen, die vom mehr
Rechtsstaat und dem staatlichen Gewaltmonopol nichts, aber auch rein gar nichts halten :-(
Das ist wieder mal ganz wunderbar - da erschlägt ein Psycho einen unschuldigen Menschen , stürzt Angehörige ins Leid , wird für schuldunfähig beurteilt und wandert in die Psychiatrie wo er den Steuerzahler mehr
wahrscheinlich noch die nächsten 40 Jahre einen Haufen Geld kostet. Ob das alles so richtig ist ? Auf jeden Fall mal wieder ein Beispiel, das in unserem Land in fast alle Richtungen argumentiert und geurteilt werden kann & über die Psychoschiene viele Täter ihrer gerechten Strafe entkommen. Zauberhaft !
Mehr aus Region Dillenburg