Gibt es Reformbedarf für die Verwaltung?

LANDRATSWAHL  Frage fünf im Kandidaten-Check

WolfgangSchuster
Dominic Harapat
Lothar Mulch
Bild 1 von 3

Unsere fünfte von neun Fragen an die drei Kandidaten: Der Lahn-Dill-Kreis ist einer der größten Arbeitgeber in der Region, die Kreisverwaltung beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter, die Lahn-Dill-Kliniken weitere 2300 Personen. Sehen Sie Reformbedarf für die Verwaltung?

Wolfgang Schuster (SPD): In erster Linie sind wir ein großer Dienstleister für unsere Bürgerinnen und Bürger. Das betrifft sowohl den Bereich der Verwaltung als auch den medizinischen Sektor. Damit wir unserem Service-Auftrag gerecht werden können, ist eine ständige Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich. Mit einer Personalaufwandsquote von 14,05 Prozent sind wir wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Wir bereiten uns jetzt im Bereich der Verwaltung Schritt für Schritt auf E-Commerce und in den Kliniken auf das Thema Telemedizin vor.

Lothar Mulch (AfD): Das sind mir die Liebsten. Die irgendwo neu anfangen und auch sofort wissen, wie alles besser gemacht werden kann. Die, die alles ändern wollen und das am Besten sofort. Nichts davon werde ich tun. Der Noch-Landrat kann sich auf die vielleicht beste Kreisverwaltungsmannschaft Hessens stützen und genau die werde ich brauchen. Im Falle eines Wahlsieges werde ich Landrat sein und doch zu Beginn auch viel Rat brauchen und annehmen von jedem Mitarbeiter, an jedem Arbeitsplatz. Der Kapitän wird ausgewechselt, aber ansonsten wird die Mannschaft nicht verändert.

Dominic Harapat („Die Partei“): Wer schon einmal mit einem gebrochenen Brustwirbel oder einem Milzriss in der Notaufnahme der Lahn-Borretsch-Kliniken gelandet ist, der weiß, dass die Behandlung einen Moment dauern kann. Während der Wartezeiten entwickelt man manchmal sogar völlig neue Krankheiten oder stirbt an Skorbut. Natürlich liegt das in erster Linie an zu viel Personal. Ohne natürliche Hektik und konsequente Überbeanspruchung wird man automatisch träge. Man quatscht sich mit Kollegen und Patienten fest und vertrödelt die maßlos überbezahlte Zeit bei Dingen, die nichts mit der eigentlichen Arbeit zu tun haben. So kommt es dann, dass sich eine einzelne Pflegerin um die ganze Intensivstation kümmern muss, während die anderen Kollegen sich anderweitig vergnügen.

Genug damit! Es muss wieder eine Atmosphäre der Angst und Anspannung auf Station herrschen. Den neuen Personalschlüssel werde ich nach der Amtsübernahme höchstpersönlich auswürfeln. Eventuell privatisieren wir die Kliniken auch einfach nach Offenbacher Vorbild. Dann können sich andere damit herumärgern. Das Leid der Kranken birgt große Kapitalerträge, wenn man es nur richtig macht.

Dass so viele Menschen in der Kreisverwaltung arbeiten, wusste ich nicht. Das ist natürlich nicht schön, dass da so viele Vollzeitbeschäftigte sind. Da müsste man echt etwas machen. Ich werde jemanden einstellen, der sich eigens dieser Problematik annimmt. (jli)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus Region Dillenburg