Heimische Höhlenretter fiebern mit

Höhlen  Breitscheider Experten tauschen sich intensiv aus / Keine Quellen in Thailand

Rettungstaucher haben von Sonntag bis Dienstag die seit dem 23. Juni in eine thailändischen Höhle eingeschlossenen zwölf Jugendlichen und ihren Trainer in Sicherheit gebracht. (Foto: Martin Rickett/dpa)

Nach einem Unfall im Jahr 2009 wurde für das Breitscheider „Herbstlabyrinth“ eine Fachgruppe Höhlenrettung gegründet. Die Experten, die der Breitscheider Feuerwehr angeschlossen sind, fieberten in den letzten Tagen mit ihren Kollegen mit. (Foto: C. Weber)

Thorsten Wolf leitet die Fachgruppe Höhlenrettung. (Foto: Archiv)
Gemeindebrandinspektor Martin Kaiser. (Foto: Archiv)
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Ein Mitglied der Fachgruppe Höhlenrettung ist der Rabenscheider Martin Kaiser, gleichzeitig Gemeindebrandinspektor. Sein „Chef“ Thorsten Wolf aus Langenhahn-Hintermühlen (Verbandsgemeinde Westerburg), der die Fachgruppe leitet, freut sich über die erfolgreiche Rettung in Thailand, macht aber gleich klar: „Rettungen in der Höhle dauern.“ Beide standen zu der Aktion in Fernost Rede und Antwort.

Wie stark informieren Sie sich in den letzten Tagen über die Rettungsaktion in Thailand?

Martin Kaiser: Sehr intensiv. Wir halten uns momentan untereinander auf dem Laufenden und schicken WhatsApp-Nachrichten rund. Eigene Quellen der Höhlenretter vor Ort haben wir nicht, wir müssen uns da ganz auf die Bilder in den Medien verlassen.

Thorsten Wolf: In Deutschland sind wir miteinander vernetzt. Informationen aus dem Ausland zu bekommen, ist in der Tat schwierig. Viel geht da über Facebook. Viele wissen nicht, dass es Höhlenrettung gibt. Das rückt uns durch solche Rettungsaktionen ein Stück weit in den Fokus.

Wäre es denkbar, dass bei einer solchen Rettungsaktion auch Mitglieder ihrer Truppe in Thailand aktiv wären?

Wolf: Ich habe mir sofort die Frage gestellt: Wie können wir da helfen? Wir haben aber da nichts anzubieten.

Kaiser: Generell unterstützten wir da, wo wir gebraucht werden. Aktuell haben wir aber keine eigenen Taucher. Wir haben in einem solchen Fall aber Zugriff auf andere Organisationen.

Kann ein solchen Unglück wie in Thailand auch in dem Breitscheider Höhlenlabyrinth passieren?

Kaiser: Dass in Breitscheid auch ein Unglück passieren kann, hat sich 2009 gezeigt, was schließlich dazu geführt hat, dass die Fachgruppe Höhlenrettung gebildet wurde. Dass wir in Breitscheid mit den Mengen Wasser zu kämpfen haben, ist unwahrscheinlich. Hier gibt es keinen Monsun wie in Thailand. Und außerdem sind die Wettervorhersagen besser. Wir haben über die Schauhöhle „Herbstlabyrinth“ hinaus keine größeren öffentlichen Höhlen, wo so etwa passieren kann. Die Höhlenforscher schauen sich vor ihren Touren das Wetter an, wobei sowieso in den Höhlen nicht überall Wasser ist.

Wolf: Wir haben zwar ein, zwei Leute, die tauchen können. Aber wir haben bei uns keine Höhlen, in denen getaucht werden muss. Die sind eher trocken, haben höchstens ein paar Pfützen. Natürlich gibt es aber auch Höhlen, die sich durch Wasser gebildet haben. Dort achten wir darauf, ob es draußen regnet. Deshalb brauchen wir in Breitscheid das Tauchen nicht zu forcieren. Die Situation kann aber auch in deutschen Höhlen vorkommen. Zum Beispiel in der Falkensteiner Höhle in Baden-Württemberg. Das ist gar nicht so weit weg.

Wie schwer stellen Sie es sich vor, Jugendliche, die zum Teil noch nicht einmal schwimmen können, aus einer überschwemmten Höhle zu retten?

Wolf: Das ist sicher keine leichte Aufgabe, wie man daran gesehen hat, dass ein Taucher bei der Rettung ums Leben gekommen ist. Doch der Freiheitswille versetzt Berge.

 

Fachgruppe Höhlenrettung

Die rund 30 Personen starke Fachgruppe Höhlenrettung gehört zur Freiwilligen Feuerwehr Breitscheid. Sie wurde nach einem Unfall, bei dem ein Forscher im „Herbstlabyrinth“ in Breitscheid eingeklemmt wurde, gegründet und wird durch die Gemeinde Breitscheid finanziert. Die Retter stammen aus ganz Hessen und den benachbarten Bundesländern. Unter ihnen sind neben Einsatzkräften aus Breitscheid auch erfahrene Höhlenforscher, Ärzte, Rettungsassistenten/-sanitäter und geprüfte Höhlenretter. Sie treffen sich einmal im Monat donnerstags zum Techniktraining. Außerdem finden immer wieder besondere Rettungsübungen sowie Befahrungen von Höhlen und Altbergbauwerken statt.

Mehr Informationen auf www.feuerwehr-breitscheid.de oder per E-Mail an info(at)feuerwehr-breitscheid.de. (red)


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