Himmlische Choreografien bei Tempo 300

LUFTIG Zwei Breitscheider Teams "tanzen" bei den Deutschen Meisterschaften der Fallschirmspringer

Aussteiger: Die Show beginnt, Mathias Kraft (rechts) und Saskia Richter auf dem Weg in die "himmlische Tanzstunde". (Foto: Michael Wagner)

Saskia Richter (Mitte) aus Heiligenborn hofft, mit ihren "Feierfly"-Kollegen Matthias Kraft (rechts) und Kameramann Michael Wagner (links) an den Vorjahreserfolg anknüpfen zu können. Bei den Deutschen Meisterschaften in Oberschwaben hatte das Breitscheider Team 2013 in der Freefly-Einsteigerklasse die Silbermedaille geholt. (Foto: Skydive Westerwald)

Freeflying aus der Ausstiegsperspektive: Der Kameramann (unten rechts) verlässt das Absetzflugzeug zuerst. (Foto: Skydive Westerwald)

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Der 35-jährige Autolackierer Christian Richter, der sich vor zwei Jahren schon einmal den Deutschen Vizemeister-Titel hat sichern können, tritt mit seinen Mitstreitern Sebastian Picard und Kameramann Stefan Gessner unter dem Namen "Vertigo" im Fortgeschrittenen-Feld der Kategorie "Artistic Freefly" an.

Seine Frau Saskia startet im Verbund mit Matthias Kraft (Langenhahn) und Videofilmer Michael Wagner (Wiesbaden). Mit ihrem Team, das den Namen "Feierfly" trägt, hatte sich die 31-Jährige Westerwälderin im vergangenen Jahr bei der Deutschen Meisterschaft im oberschwäbischen Bad Saulgau in der Anfängerklasse dieser Disziplin aus dem Stand die Silbermedaille geholt.

Training auf und über der "Hub" in Breitscheid

Den Vizemeister-Titel wollen sie nun in Eisenach verteidigen.

Seit Wochen bereiten sich die beiden Dreier-Teams auf diesen Wettkampf vor und nutzten jede freie Minute, um auf und über der Breitscheider "Hub", also dem Flugplatz, an ihren Choreografien in der Luft zu feilen - in Theorie und vor allem in der Praxis.

Freeflying, wie sie es praktizieren, ist nur eine unter vielen anderen Fallschirmsport-Varianten. Im Gegensatz zum "normalen" Fallschirmspringen, beispielsweise zum Formationsspringen, sind die Akteure beim Freeflying nicht an eine fixe (horizontale) Fluglage gebunden, sondern können beziehungsweise sollen diese variieren, allerdings nach einem zuvor genau definierten und festgeklopften Muster. Da ist jeder Handgriff, jede Drehung, jede Rotation und jedes Manöver vorgegeben.

Die Kunst besteht darin, bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern instabile Positionen wie "Headdown" (Kopfstand), "Stand-Up" (Stehen) oder "Sitfly" (Sitzen) kontrolliert zu fliegen, zu variieren und miteinander zu kombinieren - und das im (überwiegend) synchronen Zusammenspiel mit dem Partner.

Bei einer Absprunghöhe von 4000 Metern bleiben den Luft-Athleten dabei gerade mal 35 Sekunden Zeit, um ihr Programm abzuspulen.

Beim Freeflying besteht jede Man-/Frauschaft aus zwei "Performern" und einem Kameramann, der die Choreografie in der Luft filmt. Auf diese Dokumentation stützt sich später die Jury bei der Bewertung. Patzt der Kameramann, können seine beiden anderen Mitstreiter noch so brillant sein, es war für die Katz‘.

- Wie solche Titelkämpfe von Skydivern in der Luft aussehen, zeigt ein Film von den letztjährigen Deutschen Meisterschaften, er ist im Internet unter http://www.dm2014.dfv.aero abrufbar.


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