Jens Trocha (54) stirbt auf Mallorca

Nachruf  Das freundliche Lachen des FWG-Politikers wird in Herborns Straßen fehlen

Der Herborner Jens Trocha wurde nur 54 Jahre alt. Der FWG-Politiker und aktuelle Bürgermeistervertreter verstarb am Mittwoch auf der Insel Mallorca. (Foto: privat)

Am Mittwoch hatten die Ärzte des Universitäts-Krankenhauses Son Espases auf Mallorca den Hirntod des fünffachen Familienvaters festgestellt.

Jens Trocha, Erster Stadtrat von Herborn, Studienrat am Johanneum-Gymnasium und Kreistagsabgeordneter für die FWG, war mit Freunden für ein paar Tage auf der Ferieninsel unterwegs gewesen, als er am zweiten Tag in einem Restaurant plötzlich zu Boden stürzte. Zwei zufällig anwesende Ärzte stellten einen Herzstillstand fest und begannen unverzüglich mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Ehemann und Vater von fünf Kindern

Die Rettungskette funktionierte bestens, aber die Ärzte diagnostizierten sehr schnell ein Aneurysma im Zentralgehirn. Trocha lag im Koma und erwachte trotz aller menschenmöglichen Bemühungen nicht mehr.

In Runkel an der Lahn geboren, kam Trocha im Alter von einem halben Jahr mit seiner Familie nach Herborn. Nach dem Abitur am Herborner Johanneum-Gymnasium studierte er Lehramt und lernte in dieser Zeit seine spätere Frau Sigrid kennen. Zusammen mit ihr hat er drei Töchter und zwei Söhne im Alter von 18 bis 26 Jahren.

Trocha lebte seine Lehrfächer Chemie und Religion regelrecht. Und durch seine authentisch-ehrliche Art liebten ihn die Schüler genauso wie die meisten Menschen, die mit ihm zu tun hatten. Sein tiefer Glaube stand nicht im Widerspruch zu seiner lebensbejahenden Lebensweise. Er weinte mit Weinenden genau so wie er mit den Lachenden lachte.

Nach einigen Jahren im Magistrat übernahm er dort nach der Kommunalwahl 2016 das Amt des Ersten Stadtrats war damit Vertreter von Bürgermeister Hans Benner (SPD), gegen den er 2013 in der Direktwahl angetreten und nur knapp unterlegen war. Schon damals war für ihn klar, dass er seine Wähler nicht enttäuschen wollte, und so war er gerade dabei, seinen Wahlkampf für die Bürgermeisterwahl im Frühjahr 2019 zu planen.

Trocha war langjähriger Schöffe am Amtsgericht Dillenburg, setzte sich als Abgeordneter im Kreistag für die Menschen seiner Heimat ein und arbeitete aktiv im Evangelischen Gemeinschaftsverband. Als Prädikant hielt er seit über 20 Jahren Gottesdienste, spielte leidenschaftlich Klavier und Gitarre und war genauso fröhlicher Akteur im Bärenfell oder als wie ein Irrwisch tanzender Dschingis Khan im Herborner Karneval.

Jens Trocha schaffte den Spagat, mitten im pulsierenden Leben zu agieren und dennoch mit seinen Kindern beispielsweise Lego zu bauen und mit seiner Frau Sigrid ein glückliches Eheleben zu führen. „Wir hatten immer ein offenes Haus und das wird auch so bleiben“, sagte sie.

Der Mann mit dem freundlichen Lachen

Der Mann, der für jeden immer ein Lächeln und gute Worte hatte, betrachtete seine erneute Kandidatur sehr pragmatisch. „Er sagte: „Wenn ich wieder scheitern sollte, schreibe ich meine Doktorarbeit über Johannes Piscator und beweise, dass er die bekannte Piscator-Bibel doch in Herborn geschrieben hat’“, erzählte seine Frau.

Neben seiner Leidenschaft fürs Segeln und Kanufahren war er auch im Herborner Geschichtsverein sehr engagiert. Er genoss in guter Gesellschaft einen guten Tropfen Wein genauso wie edlen schottischen Whiskey. Trocha liebte das Leben, die Menschen, seine Familie und seinen Lehrerberuf. Er war auch in der Kommunalpolitik kein Spalter, sondern ein Zusammenführer.

Sein herzliches Lachen sowie sein unermüdlicher Einsatz für den sozialen Zusammenhalt und die Fairness im täglichen Umgang miteinander werden nicht nur die Herborner vermissen. (sig)


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Kommentare (2)
Ganz unabhängig vom entsetzlichen Leid, welches jetzt seine Familie betrifft: Er wird in Herborn fehlen! Ein Menschfreund aus der Mitte als Bürgermeister unserer Stadt - wie schön wäre das gewsen. Doch bei aller Trauer mehr
glaube ich und vertraue: Der HERR weiß, wofür das gut sein wird...
Jens Trocha wird immer ein Teil Herborns sein. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.
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