Kirsten Neitzel rettet ein Leben

Ehrung  Erfolgreiche Reanimation

Kirsten Neitzel (rechts) hat Regina Haupt am 15. Juli vergangenen Jahres das Leben gerettet, als die heute 62-jähriger Erdbacherin einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte. Für ihren Einsatz erhielt Kirsten Neitzel am Montag im Breitscheider Rathaus eine sogenannte „öffentliche Belobigung“, ausgesprochen von Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. (Foto: C. Weber)

Die 35-Jährige, die wie Regina Haupt in Erdbach wohnt, reagierte an diesem 15. Juli besonnen und wurde so zur Heldin für die heute 62-Jährige. Für ihren Einsatz erhielt Kirsten Neitzel eine so genannte „öffentliche Belobigung“, ausgesprochen von Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich.

„Im Laufe der Trauerfeier habe ich aus dem Augenwinkel heraus gesehen, dass was nicht stimmt“

Kirsten Neitzel erinnert sich noch gut an den Schicksalstag für Regina Haupt: „Wir waren in Donsbach auf der Beerdigung eines gemeinsamen Bekannten. Im Laufe der Trauerfeier habe ich aus dem Augenwinkel heraus gesehen, dass da was nicht stimmt. Regina ist nach vorne gesackt.“ Beide hatten die Trauerrede außerhalb der Friedhofskapelle verfolgt.

Kirsten Neitzel kümmerte sich sofort mit zwei anderen Helfern um Regina Haupt. Die 35-Jährige führte nicht nur eine Vitalfunktion, sondern auch eine Reanimation nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand durch: „Zwei andere haben mir geholfen, wir haben super zusammengearbeitet“, erinnert sich die Krankenschwester an ihre Rettungstat.

Zwar hat ihre berufliche Erfahrung sicherlich geholfen, doch war ihre Lebensrettung etwas ganz anderes als das Tagesgeschäft. „Mein Bruder hat nachher gesagt, ich weiß gar nicht, wie du so schnell reagieren konntest“, erinnert sie sich. Sie selbst habe spontan gehandelt und erst später über das Geschehene nachgedacht.

Sie kann ihren Einsatz in Donsbach nicht mit ihrer Arbeit in den Dill-Kliniken vergleichen: „Draußen ohne Hilfsmittel – das ist eine ganz andere Situation.“

Bei der Trauerfeier hat sich für sie darüber hinaus eine Frage selbst beantwortet, die sie sich schon oft gestellt hat: „Ich habe immer Angst gehabt, dass das passiert und ich nicht helfen kann.“

Auch Regina Haupt erinnert sich an den Tag, wobei dieser Rückblick bruchstückhaft ist: „Am Anfang war alles ganz normal. Doch dann dachte ich: dir wird heiß.“ Danach folgt ein Filmriss. „Dann wurde ich wach und habe auf dem Boden gesessen“, erzählt sie weiter über den Moment nach der erfolgreichen Reanimation. Für sie war damit alles in Ordnung: „Ich wollte wieder aufstehen, doch man hat mir gesagt, dass ich sitzen bleiben solle und ein Krankenwagen auf dem Weg sei.“ Was die Hintergründe für ihren Zusammenbruch waren, konnte auch im Dillenburger Krankenhaus nicht festgestellt werden: „Im Krankenhaus waren alle Werte normal.“

Der Regierungspräsident erklärte nach der kurzen Begrüßung von Breitscheids Bürgermeister Roland Lay (parteilos) im Beisein von Christel Hensgen als Stellvertreterin von Landrat Wolfgang Schuster, er habe „mal was Anständiges gelernt“ und sich zum Rettungssanitäter ausbilden lassen. Hier konnte er mit Krankenschwester Kirsten Neitzel, die von ihrer Familie zur Ehrung begleitet worden war, fachsimpeln: „Es gibt etliche Krankheitsbilder, bei denen die Wiederbelebung zum normalen Leben führt, wenn das Herz nur ein wenige durcheinander gekommen ist.“

Ullrich nutzte die im Namen von Ministerpräsident Volker Bouffier überreichten Auszeichnung auch, um für einen solchen Einsatz zu werden: „Ich möchte hier mit dem Vorurteil aufräumen, dass man als Helfer etwas verkehrt machen kann. Da können Sie nichts verkehrt machen.“ Seine Aufforderung an alle: „Einfach zugreifen und was machen. Nur nichts zu machen ist auf jeden Fall falsch.“

Der Regierungspräsident sprach von einem „glücklichen Zufall“ und beendete seine Ansprache an Kirsten Neitzel mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen nicht, das es weiter solche Situationen gibt.“


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