Kunst, die aufhorchen lässt

HÖRBUCH Dritte Veröffentlichung von "Stimmgeber" ist da

Der dritte „Stimmgeber“-Band - als Hörbuch - ist draußen. Diesmal gibt es Texte von und über Menschen mit Behinderung, denen Sascha Kirchhoff und andere Poetry Slammer eine Stimme geben. (Foto: K. Weber)

Sie heißen „Kumpel“, „Normal“, „Warme Worte“, „Durchgefallen“ und „Und ganz, ganz, viel Doofe“ und sind die Texte, die auf dem Hörbuch verewigt wurden. Für den dritten Band ist Sascha Kirchhoff, Poetry Slamer aus Dillenburg, Initiator der Schreibwerkstatt beim Diakonischen Werk an der Dill und „Stimmgeber“-Macher, ins Tonstudio gegangen. „Ein Hörbuch ist für mehr Menschen zugänglich“, sagt er. Aber es sei auch deutlich aufwendiger als das bisherige „Stimmgeber“-Medium, kleine handliche Büchlein für die Hosentasche.

Mitgenommen ins Studio nach Herborn hat er andere Poetry Slamer. Sie lesen Texte von und über Menschen mit Behinderungen. Marco Michalzik, einer der bekanntesten Dichter der Szene, und Karin Schill sind zu hören. Ebenfalls auf der CD: „Und ganz, ganz viele Doofe“ von Ninia LaGrande, Bloggerin, Moderatorin und Slam Poetin aus Hannover. Die fünf Texte auf der neuen „Stimmgeber“-Veröffentlichung sind eine Auswahl der Werke, die in den vergangenen Jahren beispielsweise in Workshops und in der vom Land Hessen preisgekrönten „Schreibwerkstatt“ des Diakonischen Werks an der Dill entstanden sind.

Sascha Kirchhoff: „Jeder Mensch hat etwas zu erzählen“

Menschen mit Behinderung schreiben oder sie berichteten, Kirchhoff und andere schrieben mit. Es entstand Kunst, die buchstäblich „aufhorchen“ lässt. „Jeder Mensch hat etwas zu erzählen. Wir möchten mit Stimmgeber darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderung tolle Kunst machen können“, sagt Kirchhoff und weist auf ein Manko hin: „Menschen mit Behinderung werden selten ernst genommen, und viele denken sogar, dass Behinderte doof sind.“ Anhand der Texte auf „Stimmgeber – Menschen ohne Macke sind kacke“ ist nicht erkennbar, ob der Autor behindert ist oder nicht.

„Kumpel“ ist ein Text von Sascha Kirchhoff selbst. Darin beschreibt er humorvoll und schmunzelnd, was er alles mit seinem besten Freund, einem Mann mit Down-Syndrom, erlebt. Annette Köhler beschäftigt sich in ihren Zeilen mit dem Thema „Normal“. Köhler ist behindert, der Text wird gelesen von Karin Schill. Marco Michalzik hat seine Erfahrungen bei „Ohrenkuss“ in Worte gefasst. „Ohrenkuss“ ist eine Zeitung, die in Bonn von Menschen mit Down-Syndrom gemacht wird und bei der Michalzik und Kirchhoff in der Vergangenheit mehrere Workshops gegeben haben. Kirchhoff: „Sie haben was zu sagen, drücken die Dinge einfach aus. Es ist bereichernd, wenn wir dort sind.“

In „Durchgefallen“ geht es um die Pränataldiagnostik. Darin setzt sich Kirchhoff damit auseinander, dass man die Entscheidung treffen kann, ein Kind zu bekommen oder nicht, wenn festgestellt wurde, ob es das Down-Syndrom hat. „Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie schwierig das ist. Ich verstehe, dass werdende Mütter Angst davor haben. Schlimm finde ich, dass man solch eine Entscheidung treffen kann“, beschreibt Kirchhoff, dessen bester Freund ein Mann mit Down Syndrom ist, was ihn zu dem Text bewegt hat: „Es gibt immer wenige Menschen mit Down-Syndrom.“

„Stimmgeber – Menschen ohne Macke sind kacke“ gibt es in der Buchhandlung Rübezahl in Dillenburg (www.ruebezahl.org) und bei dem Poetry-Slam-Verlag Lektora (www.lektora.de) für fünf bis sieben Euro. Von den Einnahmen soll das nächste soziale Projekt finanziert werden. Auf der Hülle des Hörbuchs ist ein QR-Code, der auf die Seite www.stimmgeber.de führt, die über PC nicht zu erreichen ist. Dort findet man Videos zu den Texten sowie viele weitere Beträge zu „Menschen ohne Macke sind kacke“, die nicht auf der CD sind.


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