Laster lieber mal stehenlassen

Verkehr  Schnee- und Eisglätte sorgen für Probleme auf den Straßen / Busse fallen aus

Abgestellt: Viele Lkw-Fahrer, die im ehemaligen Dillkreis Steilstrecken zu überwinden hatten, stellten ihre Last- und Sattelzüge so lange ab, bis sich die Straßenverhältnisse nach Einsätzen des Winterdiensts wieder verbesserten – so wie hier im Bild unterhalb des Schönbacher Ortsausgangs in Richtung Amdorf und Herborn am Fuß der Steigung hinauf zur Bundesstraße B 255. (Foto: Weirich)
Trotz Zwangspause gut gelaunt: Trucker Oliver Epple aus Kandel in der Pfalz stand mit seinem Sattelzug zwei Stunden lang in der Breitscheider Ortsmitte, ehe er den unbeladen 14,5 Tonnen wiegenden 40-Tonner auf die Steilstrecke Richtung Flugplatz steuern konnte. (Foto: Weirich)

15 Prozent Steigung und Schneeglätte haben ihn ausgebremst: Dieser Sattelzug ist am Donnerstagvormittag am Schönbacher Ortsausgang in Richtung Breitscheid hängengeblieben. (Foto: Weirich)

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Nach Angaben der Polizei reagierten die meisten Verkehrsteilnehmer offenbar recht vernünftig auf die Wetterlage und die damit verbundenen schlechten Straßenverhältnisse: Bis zum frühen Nachmittag seien nur wenige, und wenn, dann auch nur kleinere Unfälle aktenkundig geworden.

Auf dem Merkenbacher Stich zwischen Herborn und der Firma Berkenhoff landete eine Frau mit ihrem VW im Straßengraben. In der Dillenburger Straße Vogelstange rutschte der Wagen einer Frau in ein geparktes Auto am Fahrbahnrand.

Schneepflug überholt und dann ins Schleudern geraten

Heftiger fiel dagegen ein Unfall auf der B 277 im Dilltal aus: Eine Herbornerin war gegen 10.40 Uhr von Dillenburg in Richtung Herborn unterwegs. Nachdem die 51-Jährige auf Höhe von Niederscheld einen Schneepflug überholt hatte, verlor sie beim Wiedereinscheren die Kontrolle über ihren Skoda Fabia. Der Wagen schlitterte an den rechten Straßenrand und kippte aufs Dach.

Die Frau konnte sich nicht aus dem Wagen befreien, da sich die Türen nicht mehr öffnen ließen. Zwei Wachpolizisten aus Gießen kletterten durch die Heckklappe und halfen ihr heraus. Sie kam zur Untersuchung ins Dillenburger Krankenhaus.

Den Totalschaden am Skoda schätzte die Polizei auf 8000 Euro. Während der Bergung des Autos musste der rechte Fahrstreifen gesperrt werden. Die Polizei hob die Sperrung gegen 11.30 Uhr wieder auf.

Am frühen Morgen fuhren die Schulbusse noch

Nach Angaben von Dirk Plate, dem Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil (VLDW), fuhren die meisten Schulbusse zur ersten Schulstunde noch. Erst im Verlauf des Vormittags habe sich die Lage auf den Straßen zusehends verschlechtert, so dass der Betrieb auf mehreren Buslinien eingeschränkt oder ganz eingestellt wurde.

Betroffen waren davon unter anderem im Raum Dillenburg die Linien 100 und 101, im Raum Haiger die Linien 102, 103, 105 und 106, im Raum Herborn die Linien 206, 500, 501, 502, 503, 510, 515, 520, 521 und 530 sowie im Aartal die Linien 240, 400, 401, 402, 403, 405, 406, 407, und 415.

„Dann lege ich eben hier meine Ruhezeit ein“, sagt Oliver Epple, der in Breitscheid stehenbleiben muss

Auf vielen Steigungen im Dillgebiet sowie im Westerwald, am „Kniebrecher“ von Merkenbach nach Beilstein, auf der Zollbuche zwischen Aartal und Gladenbach, am Allendorfer Hang hinauf zur Kalteiche und auch anderswo blieben Dutzende von Lastern hängen – beziehungsweise stellten die Fahrer ihre Lkw am Straßenrand ab, weil ihnen klar war, dass sie die steilen Strecken nicht würden meistern können.

Beispielsweise in der Ortsmitte von Breitscheid: Trotz einer rund zweistündigen Zwangspause hatte sich Oliver Epple seine gute Laune bewahrt. „Dann lege ich eben hier meine Ruhezeit ein“, sagte der 50 Jahre alte Trucker in seinem schwarz-roten Sattelzug am Fahrbahnrand. Er hatte den 40-Tonner bei der Firma Cartonia entladen, so dass der leere Sattelzug nun nur noch 14,5 Tonnen wog – zu wenig, erklärte Epple, um damit die schneebedeckte Steigung in Richtung Flugplatz auf der Hub zu schaffen. Sein Ziel: Erkrath bei Mettmann in Nordrhein-Westfalen.

Wenige Höhenmeter tiefer in Schönbach das gleiche Bild: Direkt in der engen Kurve am Ortseingang hing ein Sattelzug am Beginn der 15-Prozent-Steigung fest. Dahinter parkten an der Straße Im Bächel entlang bis hinunter zur Schönbacher Hauptstraße fünf weitere Last- und Sattelzüge. Und auch unterhalb des Ortsausgangs Richtung Amdorf und Herborn hatten mehrere Trucker ihre „Brummis“ abgestellt, bis der Winterdienst kam, um die Steigung zur B 255 wieder befahrbar zu machen.


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