Petition fordert Erhalt des Arzt-Notrufs

GESUNDHEIT Bürger unterschreiben im Internet gegen die Auflösung des ANR im Lahn-Dill-Kreis zum Jahresende

Politiker und Ärzte sind sich einig: Der Arztnotruf (ANR) der in der Leitstelle des Kreises sitzt, leistet hervorragende Arbeit, aber die Kassenärztliche Vereinigung will sein Ende. (Foto: Archiv)

Michael Stoll aus Braunfels hat die Petition auf der Internet-Plattform "Open-Petition" eingerichtet (www.openpetition.de/petition/online/ja-zum-erhalt-des-arz-notruf-leitstelle-wetzlar-zentrale-leitstelle-lahn-dill). Noch bis zum 23. Oktober kann dort jeder für den ANR unterzeichnen.

Ziel von Petitionen ist es: Durch möglichst viele Unterschriften Druck auf die Politik oder eine Organisation, in diesem Fall die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen, auszuüben und somit eine Entscheidung herbeizuführen, in diesem Fall der Erhalt des ANR im Lahn-Dill-Kreis.

Michael Stoll sagt: "Ich habe selbst schon sehr gute Erfahrungen mit dem Arzt-Notruf gemacht." Und: "Es ist gut, wenn schnell kompetente Hilfe erreichbar ist." Einige Unterzeichner der Online-Petition haben ihre Forderung auch begründet, sie schreiben auf der Internet-Plattform:

- "Diese Einrichtung rettet Leben und darf deshalb nicht abgeschafft werden."

- "Ich habe viele Jahre in einem medizinischen Beruf gearbeitet und weiß, wie wichtig der Arztnotruf ist."

- "Weil das ANR-System im Lahn-Dill-Kreis erwiesenermaßen die beste Lösung für Patienten ist."

- "Der Arztnotruf im LDK funktioniert hervorragend und rettet Leben. Die Einrichtung eines Call-Centers zur Bearbeitung akuter medizinischer Notfälle führt zu Zeitverzögerungen und kann Menschenleben kosten!"

- "Der ANR ist sinnvoll, gerade wir als Dienstleister im Pflegebereich (AWO Lahn-Dill) wissen, wie wichtig es ist, einen kompetenten, ortskundigen ärztlichen Ansprechpartner in der Leitstelle zu haben. Den ANR abschaffen bedeutet einen Qualitätsverlust, der sich massiv auf die Gesundheit der Bürger auswirken wird."

- "Ich bin Mitglied des ANR und als Hausarzt der optimalen Versorgung meiner Patienten verpflichtet."

- "Als ehemaliger Rettungsassistent in Wetzlar ist mir die Problematik schon lange bekannt und es ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, wieso dieses erfolgreiche System geschlossen werden soll."

Der ANR steht vor dem Aus, weil die Kassenärztliche Vereinigung, also die Vertretung der Hausärzte und Fachärzte (außer in Kliniken), das Projekt nicht weiter unterstützen will. Sie hat die Vereinbarung mit dem Lahn-Dill-Kreis und somit die finanzielle Förderung des ANR zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt.

"Einrichtung rettet Leben"

Der Arzt-Notruf ist folgendermaßen organisiert: In der Leitstelle des Lahn-Dill-Kreises in Wetzlar - also dort, wo Notrufe von Bürgern zu Bränden, Unfällen eingehen - sitzt auch ein Arzt. An Wochenenden, feiertags und nachts - dann, wenn die Hausarztpraxen geschlossen sind - können Patienten und Verletzte diesen Arzt in der Leitstelle unter Telefon: 19292 anrufen. Der Mediziner schätzt die Lage ein und kann dann entscheiden, ob sich der Patient zum Beispiel mit Medikamenten selbst helfen kann, ob er ins Krankenhaus oder zu dem in dieser Zeit Dienst habenden ärztlichen Bereitschaftsdienst (in Wetzlar, Dillenburg oder Braunfels) muss, oder ob sogar ein Rettungswagen zu dem Patienten fahren muss. Hinter dem ANR steht ein gleichnamiger Verein, ein Zusammenschluss von rund 240 Ärzten aus dem Kreis.

Der hessische Landkreistag, ein Sachverständigenrat der Bundesregierung sowie ein Institut für Gesundheitsökonomik empfehlen dieses Modell.

Die Kassenärztliche Vereinigung will stattdessen eine hessenweit einheitliche Lösung. Patienten sollen sich an Wochenenden, feiertags und nachts unter Telefon: 116117 an eines von zwei neu gegründeten Call-Centern (in Frankfurt und Kassel) wenden. Sie sollen mit je einem Arzt sowie geschultem Fachpersonal (Sanitäter, Krankenschwester, Arzthelferinnen, Medizin-Studenten) besetzt sein.

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Petitionsrecht

In Deutschland steht das Petitionsrecht in der Verfassung, in Artikel 17 des Grundgesetzes heißt es: „Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.“


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