Soll weiter in Schulen investiert werden?

LANDRATSWAHL  Frage vier im Kandidaten-Check

Dominic Harapat ("Die Partei")

WolfgangSchuster

Lothar Mulch (AfD)

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Unsere vierte von neun Fragen an die drei Kandidaten: Hauptaufgaben der Landkreise sind Bau, Betrieb und Unterhaltung von Schulgebäuden. Insgesamt knapp eine halbe Milliarde Euro steckt der Lahn-Dill-Kreis derzeit in die Sanierung seiner Schulbauten. Sehen Sie weiteren Investitionsbedarf, auch für die Ausstattung der insgesamt 92 Schulen? Für was?

Die Antworten:

Wolfgang Schuster (SPD): Mit dem Neubau der Goetheschule und der Theodor-Heuss-Schule sowie der grundhaften Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar werden wir im südlichen Lahn-Dill-Kreis ein Leuchtturmprojekt umsetzen. Grundsätzlich sollte klar sein, dass die Sanierung und Modernisierung unserer Schulen unsere permanente Aufgabe ist. Es ist unser Anspruch, alle Schulen im Kreisgebiet modern auszustatten. Der Bereich Digitalisierung und Bildung bleibt eine unserer Kernaufgaben in den kommenden Jahren. Wir konnten digitale Medien bereits vielerorts an unseren Schulen integrieren. Diesen Weg beschreiten wir natürlich weiter, bis jede Schule im Kreis angemessen ausgestattet ist.

Lothar Mulch (AfD): Wer glaubt, er könne sich, nachdem er eine Schule neu gebaut hat, eine Ruhepause gönnen, irrt.

„Es muss permanent investiert werden“

Wir müssen jetzt auch deshalb so viel Geld in die Hand nehmen, weil der Lahn-Dill-Kreis seine Schulen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten teilweise systematisch hat verrotten lassen. Soweit darf es nie mehr kommen. Es muss permanent investiert werden. In die Schulen, die wir vielleicht gerade gebaut haben. In Schulen, die wir gerade saniert haben und insbesondere in die, die lange keinen Handwerker mehr gesehen haben. Wir müssen das tun, um mit einer immer schnelleren Entwicklung, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, Schritt halten zu können. Ich begreife eine Schule nicht nur als einen Ort, an dem sich unsere Kinder vorrangig wohlfühlen sollen und an dem es darum geht, eine unbeschwerte und gute Zeit zu haben. Ich begreife eine Schule auch als den Ort, an dem wir unsere Kinder fit für ihre eigene Zukunft machen, einen Ort, an dem wir ihnen das notwendige Rüstzeug mitgeben, um in einem Wettbewerb zu bestehen, der leider immer härter wird. Anders als zur Zeit meines Schulabschlusses nehmen heute an diesem Wettbewerb unter anderem auch Konkurrenten teil, die ab dem dritten Lebensjahr auf Hochleistung gedrillt wurden. Sie sind vielleicht nur zehn Flugstunden entfernt und sie haben auch das Geld, um sich ein Flugticket zu kaufen.

Dominic Harapat („Die Partei“): Wie überall in Deutschland sind auch die Kinder im Lahn-Borretsch-Kreis so dumm, dass sie in die Schule müssen. Ein Ort, wo sie sich entwickeln können, wo sie lernen, wie man raucht und wo das Überleben des Stärkeren noch Realität ist. Das muss natürlich bewahrt bleiben. Allerdings sehe ich hier keinen dringenden Investitionsbedarf. Als ich zur Schule ging, hatte ich Bücher, die schon mein Vater vor mir hatte. Das ist wörtlich zu nehmen, denn sein Name stand mit etwa 40 weiteren auf der ersten Seite und zeigte seinen vorübergehenden Besitz an. Die Seiten 2, 18 und 137 fehlten, aber wir haben uns dann gegenseitig die fehlenden Seiten vorgelesen, was uns zusammenschweißte und unser Sozialempfinden ausbildete. Die Geografie Deutschlands habe ich auf einer Karte mit zehn Bundesländern gelernt. Das war Mitte/Ende der Neunziger und es prägt mein Weltbild bis heute. Und was ist denn schlimm daran, in der Abiturprüfung einen Duden zur Verfügung gestellt zu bekommen, für den Konrad Duden selbst das Vorwort geschrieben hat? Ich denke, wir sollten alle mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Warum sollten es unsere Kinder denn besser haben als wir?

Stattdessen sollten wir lieber weiterhin Schulen abreißen, wie es gerade mit der Ludwig-Erk-Schule passiert, um den Bauplatz an Investoren zu verschleudern, die dort gehobenen Wohnraum entstehen lassen. Merke: Weniger Schulen bedeuten weniger Ausgaben und das bedeutet mehr Geld für andere Dinge. Galaveranstaltungen zum Beispiel. (jli)


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