Songpoet schlägt Comedian

Kultur  Jakob Heymann gewinnt zweiten Durchgang der Kabarett-Bundesliga

Bezeichnet sich als „Tastenclown“: Jakob Heymann. (Foto: Fabritius)
Stand schon in der TV-Show „Nightwash“ auf der Bühne: Sven Bensmann. (Foto: Fabritius)
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Und es endete mit einem verdientermaßen klaren Sieg des Songpoeten Jakob Heymann gegen Comedian Sven Bensmann.

 

Zu Beginn des Abends jedoch gehörte die Aufmerksamkeit Bundesliga-Spielleiter und Moderator Theo Vagedes, der mit einem selbst geschriebenen Slam-Text über die „Zeit“ überraschte.

 

Dann kam Sven Bensmann auf die Bühne und es wurde schnell klar, dass es zwischen dem bereits in der TV-Show aufgetretenen Schwergewicht und dem Herborner Publikum nicht unbedingt auf eine Liebesbeziehung hinauslaufen würde. Mit seinem kräftigen Körper, einem Body-Mass-Index von 32,6 und den ersten grauen Haaren kokettierend, versuchte das bekennende Dorfkind („Ich war ein Zeltpartyboy zwischen Karohemd und Korn“) alles mögliche, um die Besucher mitzunehmen.

 

Das klappte bei seinen Liedern oder seinen zehn vertonten Witzen („Was grenzt an Kanada und Mexiko? Dummheit!“) ganz gut. In seinen Stand-Ups dagegen wollte einfach der Funke nicht überspringen.

 

Spannend war dann der zweite Künstler des Abends: Leicht verschlurft betrat Jakob Heymann mit Schlappen und Beanie-Mütze die Bühne, um dann 45 hochmusikalisch und sehr aussagekräftige Minuten abzuliefern. Bei den Texten des Bremers wurde klar: Mancher Flüchtlingshasser ist einfach zu heiß gebadet. Und schön, was die Natur zu bieten hat: Umweltsünder, Jäger und mehr.

 

Heymann ist rotzig, zugleich aber auch poetisch und selbstreflektierend. Gegen das Selbstmitleid, in dem wir alle baden, begehrt er auf und das Mainstream-Radio ist ihm ein Dorn im Auge. „Schubst die Schnulzensänger von ihrem Thron!“ Obwohl: Damit kann man ja viel Geld verdienen. „Na gut, dann mach‘ ich das jetzt auch und werde Tastenclown und Tanzmusikfaschist.“ Vor seinem Spott ist keiner sicher, nicht einmal er selbst.

 

Die Crux der Menschheit: „Unsere Bäuche sind so voll, unsere Herzen sind so leer!“

 

Ganz großes Kino: der Song „##@@@“ (ja, der heißt wirklich so). Hier wird Jakob Heymann fast zum Performance-Künstler, denn er spielt sie auch, die missionierenden Veganer, die immer schon nach Berlin wollten, um dort Projekte zu verfolgen. „Zeig‘ mir was Neues, das hier habe ich schon gesehen, geliked und geteilt.“ Die Crux der Menschheit: „Unsere Bäuche sind so voll, unsere Herzen sind so leer!“

 

Da kann auch sein Mutmachsong für die „Pädagogen“ dieser Welt nichts dran ändern. Und als am Ende seines denkwürdigen Auftritts die mitgebrachte Loopstation noch die Botschaft „Kein Bock auf Nazis“ in seinem Song „Lied 5“ auf Dauerschleife in die Gehörgänge befördert, da weiß man: Hier steht ein Künstler der neuen Generation auf der Bühne, der etwas zu sagen hat.

 

Das sah auch das Publikum so, das ihm mit 65 Prozent der Stimmen den Tagessieg zuerkannte. (red)


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