Volksbank und Bauverein wollen Landgestüt kaufen

ENTWICKLUNG Konzept soll mit Stadt und Bürgern abgesprochen werden

Das haben die Vorstände beider Genossenschaften am Freitag bekanntgegeben. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. „Es geht uns darum, mögliche Lösungsansätze für die Zukunft aufzuzeigen“, sagt Volksbank-Vorstandssprecher Ralph-Uwe Orth. Diese würden erst konkret, wenn das Aus für das Gestüt beschlossene Sache sei.

Nachdem die geplante Schließung bekannt wurde, nahm das Interesse an „Plan B“ Formen an

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Bereits vor sechs Wochen habe Bürgermeister Michael Lotz (CDU) in einem Gespräch beiläufig die Frage gestellt, was mit dem Gestütsgelände im Falle einer Schließung vorstellbar sei. Dabei habe er etwa den Bau einer Stadthalle auf dem Reitplatz angedeutet. Nachdem die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) dann die geplante Schließung des Landgestüts bekanntgegeben hatte, nahm das Interesse der beiden Genossenschaften an einem „Plan B“ Formen an. Armin Wickel vom Vorstand der Volksbank Dill hält lange Diskussionen für vertane Zeit: „Wir müssen jetzt auch nach vorne schauen, um etwas für Dillenburg tun zu können. Die Wilhelmstraße ist absolut erhaltenswert.“ Das sind die Pläne der beiden:

Was genau ist geplant?

„Alle Planungen können natürlich nur konkret werden, wenn das Gestüt wirklich komplett geschlossen wird“, betont Orth. „Wir wollen es nicht torpedieren.“ Einige erste Ideen der Volksbank und des Wohn- und Bauvereins gibt es bereits. Nicht denkmalgeschützte Gebäude könnten abgerissen und dort Platz für Wohnungen geschaffen werden. „Wir haben aktuell deutlich mehr Wohnanfragen im innerstädtischen Bereich von Dillenburg, als wir Wohnraum zur Verfügung haben“, klagt Volker Pletka, geschäftsführender Vorstand des Wohn- und Bauvereins. Der Verein besitzt im Dillenburger Stadtgebiet über 800 Wohnungen.

Besonders ältere Menschen würden ein stadtnahes Wohnen bevorzugen. Solche Neubauten sollten allerdings nur auf den Grundstücken der nicht denkmalgeschützten Gebäude entstehen. Darüber hinaus könne der Reitplatz für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. „Hier könnte man eine Veranstaltungsarena bauen oder eine neue Stadthalle“, erläutert Wickel die Idee. Näheres werde aber in Absprache mit Stadt und Land geplant.

Was soll mit den denkmalgeschützten Gebäuden passieren?

Ralph-Uwe Orth: „Wir müssen und werden die denkmalgeschützten Gebäude selbstverständlich erhalten. Dort wird es also keinerlei Abrissarbeiten geben. Diese Gebäude machen Dillenburg aus und sind wichtig für die Stadt.“

Volker Pletka: „Diese schönen Gebäude könnten in eine mögliche neue Wohnanlage auch ideal eingebettet werden. Sollte der Plan einer Veranstaltungsarena oder eine Halle auf dem Reitplatz umsetzbar sein, könnten in den alten Häusern Begegnungsstätten oder sonstige öffentliche Räume entstehen.“ Und weiter: „Wir hoffen auf eine Multiplikatorwirkung für die Stadt, um Dillenburg wieder neues Leben einzuhauchen.“

Was können die Bürger tun?

„Wir sind daran interessiert, auf die Vorschläge der Bürger zu hören“, verspricht Armin Wickel. Da die Volksbank eine Genossenschaft sei, hätten alle Mitglieder ein Mitspracherecht bei Entscheidungen. Mit insgesamt 20 000 Mitgliedern ist die Volksbank Dill eG die mitgliederstärkste Personenvereinigung in der Region.

Wie weit sind die Pläne?

Die Pläne befinden sich noch in der Startphase. „Wir haben unser Anliegen aber bereits an die Stadt Dillenburg und an das Land Hessen herangetragen“, sagt Armin Wickel. „Wir wollen sofort als regionale Ansprechpartner bereit stehen, wenn eine endgültige Entscheidung getroffen ist.“ Damit strebe die Volksbank zusammen mit dem Wohn- und Bauverein eine regionale Lösung für das Gestüt an. „Wir möchten verhindern, dass Großinvestoren aus anderen Teilen Deutschlands in Dillenburg einsteigen“, betont Ralph-Uwe Orth. „Bei uns wäre das Kleinod der Stadt Dillenburg in guten Händen, so glauben wir.“

Seit wann gibt es erste Überlegungen?

Die Stadt Dillenburg wisse bereits seit Ende November Bescheid, dass der Betrieb des Landgestüts vor dem Aus stehe. Bei einem Termin der zwei Genossenschafts-Vorstände in Wiesbaden am 28. Juni, bei dem die Volksbank und der Bauverein sich näher über den aktuellen Stand erkundigt hätten, sei ihnen das Aus für das Gestüt bereits als „beschlossene Sache“ präsentiert worden. „Wenn die Entscheidung nun endgültig ist, sollten wir nach vorne gucken“, sagt Orth.

Welche Rolle spielte die Stadt bisher bei den Überlegungen?

In einem Schreiben vom 10. Juli stellte Erste Stadträtin Elisabeth Fuhrländer (CDU) die Frage, wie es mit dem Gestüt weitergehen solle. Die Stadt Dillenburg könne sich eine weitere Finanzierung demnach nicht leisten. Insbesondere die Frage, inwiefern im Falle einer Schließung alternative Nutzungen umsetzbar seien, werteten die Vorstände der beiden Genossenschaften als eine Art „Hilferuf“.

Gemeinsam sei es dann zu einer Entwicklung verschiedener Szenarien für eine sinnvolle Nutzung des Geländes gekommen. Zentral sei dabei, dass sämtliche Entwicklungsmöglichkeiten mit der Stadt Dillenburg abgesprochen werden sollen.

„Wir streben eine verantwortungsvolle Gesamtkonzeption mit der Stadt und dem Land an“, so die Vorstände der Genossenschaften. Armin Wickel: „Wir sind als regional verwurzeltes Unternehmen verpflichtet, regionale Verantwortung zu übernehmen. Und das wollen wir gern tun.“


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Kommentare (4)
Leute, macht Euch nichts vor: Wir sind alle gründlich veralbert worden. Man hat mit der Heimatverbundenheit der Menschen hier ein trübes Süppchen gekocht. Einen solchen Grundriss, wie er heute voriegt, schüttelt man mehr
nicht mal eben so aus dem Ärmel. Diese Aktion der Anschlussnutzung ist von langer Hand vorbereitet. Und die Bevölkerung von Dillenburg sediert man mit der Aussicht auf eine eigene Stadthalle.
Wenn die Erfahrung nicht so nützlich gewesen wäre, täte es mir jetzt leid für jede Minute, die ich demonstrierend in der Wilhelmstraße gestanden habe.
Regionale Verantwortung übernehmen und die Stadt nach vorne bringen?! Geld verdienen wollen die werten Herren wohl überhaupt nicht. Wem wollen die denn was erzählen?!
Schreckliche Pläne sind das. Die können nicht im mehr
Ansatz den Wert des Landgestüts bzgl. Veranstaltungswert kompensieren. Es scheint seit Monaten schon alles geplant, und ein fader Beigeschmack bleibt auf jeden Fall. Vor allem, dass die Beute schon zerteilt wird, bevor sie komplett erlegt ist. Und dass jetzt der Herr Lotz schon mit seiner vergleichsweisen überflüssigen Stadthalle vorprescht, hinterlässt zumindest zu diesem Zeitpunkt keinen guten Eindruck.
Und ein Landgestüt hat nur mit Pferden einen touristischen Wert und einen Wert als Veranstaltungsort. Keine Pferdeveranstaltungen mehr, und spätestens wenn zur Lebensart niemand mehr kommt, wundern sich wieder alle.
Die aktivitäten der Volksbank Dill und dem Bauverein sind zu begrü0en.Es sind es solide und finanzstarke Partner und kommen aus ,ohne Zweifel an der Durchführbarkeit zu Dillenburg.Man weiß was man hat und es werden mehr
sollte die Voba und die Wohn-Bau den Zuschlag bekommen mit grosser Sicherheit heimische Baufirmen und das Handwerk berücksichtig.
Die Stadt kann dann hier ein Mehrgenerationenzentrum mit integrieren wo Kinder-und Senioren gemeinsam betreut werden können(der Hofgarten kann hier als Spielplatz mit den Vorgaben entsprechender Grösse,sowie ein Platz zum verweilen der älteren Herrschaften geschaffen werden).Ebenso ist der Vorschlag einer Stadthalle begrüssens wert.Finanziert kann die Stadthalle unter anderem durch den Verkauf der alte Halle im Weinberg um dort Wohnraum oder Eigentumswohnungen stadtnah zu bauen.
Jeder hat das recht laut zu denken, doch sollte man es sich gut überlegen, ob man solche Pläne schon zu diesem frühen Zeitpunkt in die Öffentlichkeit setzt. Es ist kein gutes Zeichen, wenn Volksbank und Bauverein die mehr
Politik und die Gestütsbefürworter nicht im Vorfeld informieren. Das hat Dolchstoß-Charakter wird mächtig für Unruhe sorgen.
Das beste Argument, die Einigkeit aller Dillenburger ( mit Außnahme der Grünen), ist nun vom Tisch.
Nach sehr holprigem Start hat es Frau Hinz nun sehr einfach: Sie kann auf Volksbank und Bauverein verweisen, die für sie die Kuh nun vom Eis geholt haben. Sie steht dank Volksbank und Bauverein nicht mehr im Kreuzfeuer und kann sie sich wieder dem politischen Alltagsgeschäft widmen.
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