Wenn's blitzt, ist's eh zu spät

AKTIONSTAG 24 Stunden lang messen Polizei und Kommunen, wie schnell wer fährt

Sie sind für die Sicherheit auf den Straßen im Einsatz: (v.l.) Christian Andreas vom Dillenburger Ordnungsamt sowie Markus Schaaf und Dennis Schönberger vom Regionalen Verkehrsdienst der Polizei Lahn-Dill messen auch beim bundesweiten "Blitz-Marathon" am Donnerstag die Geschwindigkeiten von Fahrzeugen. Die Technik, die sie dabei einsetzen, ist unterschiedlich, reicht von der "Laserpistole" bis zum klassischen "Blitzer". (Foto: K. Weber)

Im Lahn-Dill-Kreis wird es an diesem Tag 13 Punkte geben, an denen Beamte der vier Dienststellen der Polizeidirektion Lahn-Dill sowie Mitarbeiter der Ordnungsämter Dillenburg, Haiger und Herborn die Geschwindigkeiten von Fahrzeugen messen. Sechs der 13 Messpunkte sind im nördlichen Kreisgebiet, zwei davon im Haigerer Stadtgebiet.

In ganz Hessen sind es 230 Messstellen. Über 700 Polizeibeamte werden dafür eingesetzt. Bundesweit sind es 7500 Kontrollstellen und über 13 000 Polizisten.

"Ziel des Aktionstages ist es, Verkehrsteilnehmer dafür zu sensibilisieren, dass zu schnelles Fahren schlimme Folgen haben kann", sagt Dillenburgs Polizei-Pressesprecher Guido Rehr zum Hintergrund der Aktion.

Im Lahn-Dill-Kreis gab es im vergangenen Jahr 393 Verkehrsunfälle, in denen die Geschwindigkeit die Ursache war. Hinzu komme, dass das Tempo für fast jede andere Unfallart im Straßenverkehr eine Rolle spiele. Und: "Die Gefahr, selber zu verunglücken oder andere mitzureißen, steigt bei höherem Tempo", so Rehr.

Oft entscheidet die Geschwindigkeit, die man fährt, über Leben und Tod

Es gehe darum, das Bewusstsein zu schärfen, welche Konsequenzen Unfälle mit nicht angepasster Geschwindigkeit haben können. In Nordrhein-Westfalen wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass acht von zehn Fußgängern sterben, wenn ein Auto mit 65 Kilometern pro Stunde (km/h) einen Unfall mit einem Fußgänger hat, erläuterte Rehr. Ist der Pkw mit Tempo 50 unterwegs, sehe es schon anders aus: Dann überleben acht von zehn Fußgängern. Die Fahrgeschwindigkeit entscheide also oft über Leben und Tod.

Von den 2013 beim "Blitz-Marathon" 448 zu schnellen Fahrzeugen bekamen die meisten ein Verwarnungsgeld aufgebrummt. 424 waren bis 20 km/h zu flott unterwegs. Die restlichen 24 waren schneller - sie kassierten Punkte in Flensburg oder sogar ein Fahrverbot.

Am Donnerstag sind verschiedene Messtechniken im Einsatz. Der Regionale Verkehrsdienst Lahn-Dill wird sich mit einem Hand-Lasermessgerät und einem klassischen "Blitzer" an den Straßen postieren.

Die "Laserpistole" hat den Vorteil, dass sie flexibel einsetzbar ist, eine hohe Messentfernung (bis 1000 Meter) hat und ein direkter zeitlicher Zusammenhang besteht zwischen dem zu schnellen Fahren und dem Angehalten werden, sagt Markus Schaaf vom Regionalen Verkehrsdienst zur Erläuterung des Geräts. Dieses muss nämlich anschließend erfolgen, da zwar die Messung protokolliert, aber nicht fotografisch festhalten wird.

Anders beim Klassiker: Der "Poliscan Speed" macht ein Foto. Es blitzt - und schon ist der Autofahrer bei seinem Vergehen ertappt. Doch viele treten nach dem aufrüttelnden Lichtschein am Straßenrand trotzdem auf die Bremse. "Manche machen sogar eine Vollbremsung", berichtet Dennis Schönberger, der das Gerät bedient.

Doch dann ist es ohnehin viel zu spät, um langsamer zu fahren. Der "Poliscan Speed" erfasst Fahrzeuge bereits 70 Meter vor dem Gerät. Gemessen wird im Abstand von 50 bis 20 Meter davor. Das Foto wird erst zehn Meter vor dem Apparat gemacht.

Dieser kann übrigens drei Fahrstreifen erfassen und sowohl den heran- als auch den wegfahrenden Verkehr messen. Tatsächlich wird es aber für den herannahenden Verkehr eingesetzt.

Die Stadt Dillenburg setzt ihr Livetec XV3 ein. "Gebündelte Lichtstrahlen werden ausgesendet. Wenn sie reflektiert werden, misst das Gerät, wie lange es dauert, bis das Licht wieder im Gerät ankommt", sagt Christian Andreas vom Dillenburger Ordnungsamt. Seit Oktober 2013 ist der Apparat im Dienst der Stadt. Seitdem wurde es an 90 Tagen je ein bis drei Stunden eingesetzt.

Der "Blitz-Marathon" am Donnerstag beginnt um 6 Uhr und endet am Freitagmorgen um 6 Uhr.

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Die Blitzstellen

Das sind die Messstellen des „Blitz-Marathons“ im Lahn-Dill-Kreis:

- Haiger: L 3044, Westerwaldstraße
- Haiger: B 277, Hohleichenrain
- Haiger-Niederroßbach: L 3044
- Dillenburg: B 253, Kasseler Straße
- Herborn-Schönbach: B 255, „Steinringsberg“
- Sinn: B 277, Richtung Herborn, Höhe Auffahrt A 45
- Bischoffen: B 255, Höhe Aartalsee
- Aßlar: B 277, Höhe Auffahrt zur A 480
- Solms: B 49, Anschlussstelle Solms, Richtung Gießen
- Solms-Niederbiel: L 3283, Höhe Anschlussstelle B 49
- Wetzlar: Friedensstraße
- Wetzlar: Frankfurter Straße, in beide Richtungen
- Wetzlar-Dalheim: B 49, Richtung Limburg (red)


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Kommentare (1)
Es kommt drauf an wie ein Mensch angefahren wird...übrigens...
ein Kind wird höchstwahrscheinlich auch bei Geschwindigkeiten um die 30km/h sterben...besonders wenn es unter die Reifen kommt.

Geblitzt wird oft an mehr
sinnlosen Stellen... und der Stadtverkehr wird durch die Ampelregelungen künstlich auf Verkehrsberuhigung gestellt. Stau und Frust über die sinnlose Ampelregelungen sind oft Ursache dafür, daß dann Gas gegeben wird... darüber sollte man eher mal nachdenken...

Investiert das Blitzergeld sinnvoll, eventuell an Kreisverkehranlagen...
oder an Bedürftige... wie wärs?
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