Wer tritt zur Bundestagswahl an?

POLITIK Zehn Parteien beziehungsweise Wählergruppen schicken im Lahn-Dill-Kreis Direktkandidaten ins Rennen
Der Bundestag: Mindestens 598 Abgeordnete (abhängig von der Zahl der Überhangmandate) vertreten hier das Volk. (Archivfoto: Kappeler/dpa)

Carsten Seelmeyer (FDP)

Thomas Hantusch (NPD)

Tamina Veit (Linke)

Dagmar Schmidt (SPD)

Dominic Harapat (Die PARTEI)

Engin Eroglu (Freie Wähler)

Hans-Jürgen Irmer (CDU)

Hans-Udo Sattler (Unabhäng. Liste)

Willi Wagner (AfD)

Thorben Sämann (Grüne)

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Bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2013 gewann Sibylle Pfeiffer (CDU) aus Wetzlar das Direktmandat im Wahlkreis 172 (Lahn-Dill-Kreis plus die Gemeinden Biebertal und Wettenberg im Landkreis Gießen). Sie erhielt 48,1 Prozent der Stimmen, Dagmar Schmidt (SPD) aus dem Wetzlar Stadtteil Dutenhofen 34,5 Prozent. Schmidt zog über die Landesliste der hessischen SPD dennoch in den Bundestag ein.

Jahrzehntelang war dieser Wahlkreis eine Bank der SPD. Von 1953 bis 2005 gewannen die Sozialdemokraten hier das Direktmandat, zuletzt durch Klaus Daubertshäuser, Erika Lotz und Helga Lopez. Erst Sibylle Pfeiffer holte dieses Mandat seit 2009 für die CDU.

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Nun tritt erstmals der Wetzlarer Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer für die CDU als Direktkandidat zur Bundestagswahl an, für die SPD kandidiert erneut Dagmar Schmidt.

Die Direktkandidaten dürfen auch als Einzelbewerber antreten oder von Wählergruppen vorgeschlagen werden, die Landeslisten nur von Parteien eingereicht werden. So wurde der Beilsteiner Hans-Udo Sattler von der „Unabhängigen Liste“ ins Rennen geschickt. Die ULfG (Unabhängige Liste für Greifenstein) ist in Greifenstein erstmals 2016 zur Kommunalwahl angetreten und seitdem – unter anderem mit Sattler – im Gemeindeparlament vertreten.

Erstmals treten im Lahn-Dill-Kreis die AfD, die Freien Wähler und die PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) mit eigenen Direktkandidaten an. Prominentester Bewerber ist hier der AfD-Kandidat Willi Wagner aus Wetzlar, der einst für den SV Darmstadt 98 in der Fußball-Bundesliga spielte.

Den außergewöhnlichsten Auftritt dürfte Dominic Harapat von der PARTEI hinlegen. Die PARTEI ist eine Satirepartei und wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins „Titanic“ gegründet.

Für die Freien Wähler tritt Engin Eroglu als Direktkandidat an, er steht zudem auf Platz eins der Landesliste der Freien Wähler. Eroglu ist seit März dieses Jahres Landesvorsitzender der Freien Wähler und wohnt in Schwalmstadt. Dort ist er Stadtverordneter. Bis 2012 war Eroglu Mitglied der Grünen und für die Partei Kreistagsabgeordneter im Schwalm-Eder-Kreis.

Aber warum tritt ein Kandidat aus dem nordhessischen Schwalmstadt für die Freien Wähler an, warum keiner aus dem Lahn-Dill-Kreis? Die Antwort liefert Wolfgang Hofmann, der Vorsitzende der Freien Wählergemeinschaft Lahn-Dill: „Die Freien Wähler setzen sich aus zwei Gruppen zusammen. Und die einen, wie wir im Lahn-Dill-Kreis, sind nur lokal aktiv. Wir als FWG Lahn-Dill haben mit dem Landesverband der Freien Wähler nichts zu tun, auch wenn wir mit ihm nicht verfeindet sind.“

Das Wahlgesetz erlaubt, dass Direktkandidaten in einem beliebigen Wahlkreis in Deutschland kandidieren dürfen, ohne dort einen Wohnsitz haben zu müssen.

So tritt mit Thassilo Hantusch ein NPD-Kommunalpolitiker aus Wetzlar im benachbarten Wahlkreis Gießen als Direktkandidat an (er ist der Sohn von Thomas Hantusch, dem NPD-Direktkandidaten im Lahn-Dill-Kreis). Dort musste er die nötigen 200 Unterstützerunterschriften sammeln.

Manche der Kandidaten haben noch eine zweite Chance, in den Bundestag einzuziehen – über die hessischen Landeslisten ihrer Parteien.

Kandidaten aus dem Lahn-Dill-Kreis auf den Landeslisten von DKP, ÖDP und Deutscher Mitte

Hans-Jürgen Irmer steht auf Platz 17 der CDU-Landesliste, Dagmar Schmidt auf einem vermutlich sicheren Platz vier der SPD (bei der vergangenen Bundestagswahl zogen elf Sozialdemokraten über die Liste in den Bundestag ein).

Außerdem stehen folgende Kandidaten aus dem Lahn-Dill-Kreis auf den Landeslisten ihrer Parteien: die Rechtenbacherin Anna-Lena Bender (CDU, Platz 40), der Dillenburger Klaus Niggemann (AfD, Platz 15), Carsten Seelmeyer (FDP, Platz 11), Thassilo Hantusch (NPD, Platz 3), die beiden Wetzlarerinnen Christine Fritz (NPD, Platz 5) und Regine Land (NPD, Platz 11), die Eschenburgerin Sina Marie Hinz (Freie Wähler, Platz 23), Dominic Harapat (PARTEI, Platz 25), der Wetzlarer Pablo Karl Graubner (DKP, Platz 11), der Lahnauer Rainer Grabowski (DKP, Platz 13), die Wetzlarerin Nathalie Hanna (Deutsche Mitte, Platz 3), die Hohenahrerin Ilona Trinkert (Deutsche Mitte, Platz 5) sowie der Wetzlarer Heinz Hartweg (ÖDP, Platz 6).

Übrigens: Die beiden Aspiranten für den Posten des Bundeskanzlers, Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD), tauchen auf den Stimmzetteln im Lahn-Dill-Kreis nicht auf. Merkel tritt als Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis in Vorpommern an und steht auf Platz eins der CDU-Landesliste in Mecklenburg-Vorpommern. Schulz steht auf Platz eins der SPD-Landesliste in Nordrhein-Westfalen.

 

Erststimme

Mit der Erststimme können die Wähler einen Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 172 (Lahn-Dill-Kreis plus die Gemeinden Biebertal und Wettenberg) bestimmen. Sie haben die Wahl unter folgenden zehn Kandidaten (in der Reihenfolge auf dem Stimmzettel):
Hans-Jürgen Irmer (65), Wetzlar, CDU
Dagmar Schmidt (44), Wetzlar, SPD
Thorben Sämann (23), Wetzlar, Grüne
Tamina Veit (60), Wetzlar, Linke
Willi Wagner (66), Wetzlar, AfD
Carsten Seelmeyer (48), Haiger, FDP
Thomas Hantusch (50), Wetzlar, NPD
Engin Eroglu (35), Schwalmstadt, Freie Wähler
Dominic Harapat (33), Wetzlar, PARTEI
Hans-Udo Sattler (57), Greifenstein, Unabhängige Liste

 

Zweitstimme

Mit der Zweitstimme können die Wähler für die Landeslisten der Parteien votieren. Sie haben in Hessen die Wahl unter folgenden 18 Listen (in der Reihenfolge auf dem Stimmzettel):
CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands)
SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
Grüne (Bündnis 90/Die Grünen)
Die Linke
AfD (Alternative für Deutschland)
FDP (Freie Demokratische Partei)
Piraten (Piratenpartei Deutschlands)
NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands)
Freie Wähler
Die PARTEI (Partei für Arbeit Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative)
BüSo (Bürgerrechtsbewegung Solidarität)
MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands)
BGE (Bündnis Grundeinkommen)
DKP (Deutsche Kommunistische Partei)
DM (Deutsche Mitte)
ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei)
Tierschutzpartei (Partei Mensch Umwelt Tierschutz)
V-Partei³ (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer)  (jli)


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Kommentare (1)
Jeder der seine Stimme in die Wahlurne wirft ist damit mundtot gemacht und kann nur schweigend zusehen was die Parteien jeglicher Couleur mit dem erteilten Persilschein anrichten!
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