Wie geht’s weiter im Vogelpark?

Politik  Diskussion über Neubauten angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt

Ein Ara im Tierpark in Uckersdorf: Angesichts von strengeren Auflagen für die Haltung dieser exotischen Vögel muss die Stadt Herborn in der Freizeit- und Naturschutzeinrichtung in Uckersdorf eine neue Papageienanlage und eine neue Kakaduvoliere bauen lassen. Angesichts der dafür zu erwartenden Kosten von etwa einer halben Million Euro ist im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments am Mittwochabend eine neue Diskussion um den Tierpark in Gang gesetzt worden. (Foto: Lommel)

Unterzeichnet vom Ersten Stadtrat Jens Trocha (FWG), hatte der Magistrat eine Beratungsvorlage eingebracht, der zufolge ein Sperrvermerk im Haushalt 2018 für einen Investitionskostenzuschuss für die städtische Tierpark Herborn GmbH aufgehoben werden sollte. Der Zuschuss beträgt 400 000 Euro, auf die Hälfte der Summe hatte das Parlament den Sperrvermerk gelegt mit der Maßgabe, dass der Haupt- und Finanzausschuss ihn wieder aufheben könne. Knapp 11 400 Euro davon hatte er schon im April aufgehoben, weil die GmbH bereits erledigte Arbeiten hatte bezahlen müssen. Am Mittwoch ging es nun um den Restbetrag von rund 188 600 Euro.

Das Geld soll vor allem für Planungen und die Ausschreibung von Architektenleistungen ausgegeben werden. Allgemein könne man ja, sagte Ausschussvorsitzender Hans Jackel (CDU), von Planungskosten ausgehend durchaus Rückschlüsse auf die Kosten für die am Ende tatsächlich entstehenden Gebäude ziehen. Deswegen fragte er, was da auf die Stadt denn wohl zukomme.

Tierparkleiterin Britta Löbig erläuterte, dass das Regierungspräsidium Gießen als Aufsichtsbehörde die Stadt schon lange mahne, dass die Haltungsbedingungen für die Großpapageien und die kleineren Kakadus verbessert werden müssen. Bisher sei es so, dass das Federkleid der Aras gestutzt werden müsse, um sie flugunfähig zu halten. Parkmitarbeiter würden sie dann vormittags auf die Papageienwiese tragen, wo sie auf Ästen sitzen und herumlaufen können, und abends wieder hinein.

Für eine neue Papageienanlage, in der die Aras frei fliegen und selbst entscheiden könnten, ob sie sich drinnen oder im Freien aufhalten wollten, müsse man mit rund einer halben Million Euro rechnen.

Auf Nachfrage ergänzte Löbig noch, dass in der neuen Papageienanlage, von der jetzt die Rede sei, außer dem jetzigen Bestand von zehn Aras auch die Lisztaffen des Parks unterzubringen wären. Zudem sei sie auch für Nasenbären geeignet.

Die Reaktionen auf diese Nachricht reichten von Bass-Erstaunt-Sein bis Kopfschütteln. Bürgermeister Hans Benner (SPD) schlug daraufhin einen Kompromiss vor: Der Ausschuss solle statt der kompletten Restsumme zunächst nur 50 000 Euro freigeben, damit die Planungen und die Ausschreibung erfolgen könnten. Das Winterhalbjahr sollten die Stadtverordneten dann dazu nutzen, grundsätzlich über die Zukunft des Tierparks in Uckersdorf zu reden. „Die Diskussion wird sicher schwierig“, sagte er.

Nießmann (CDU): Es sollten mehr als nur die Mitglieder des Aufsichtsrats informiert werden

Klaus Enenkel griff den Faden auf: Die Haushaltslage der Stadt sei derzeit sehr angespannt. Einerseits rede man darüber, vielleicht ein Schwimmbad zu schließen oder es zu sanieren oder ein neues zu bauen, und darüber, dass die Herborner Bürger vielleicht demnächst auf einiges verzichten müssten. Und anderseits sei hier von 500 000 Euro die Rede, damit Papageien frei fliegen können. Darüber müsse man tatsächlich in Ruhe reden.

Jens Nießmann (CDU) bat darum, dass nicht wie bisher nur der Aufsichtsrat der Tierpark-GmbH über die Ausbaupläne Bescheid wissen sollte, sondern eine größere Runde, wenn nicht gar alle Stadtverordneten darüber informiert werden sollten.

Dem Kompromissvorschlag von Bürgermeister Benner folgend, beschloss der Haupt- und Finanzausschuss, 50 000 Euro für weitere Planungen freizugeben.


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