Nach drei Jahren: Kater wartet an Haltestelle auf Frauchen

TIERISCH  Vermisster, tot geglaubter Kater kehrt zurück 

Über drei Jahren nach seinem Verschwinden ist ein Kater aus Gießen wieder bei seiner Besitzerin. (Foto: Sara Becker, Tierschutzverein Gießen)

Dass Katzen manchmal tagelang auf Erkundungstour gehen und ihren menschlichen Mitbewohnern dabei Sorgenfalten auf die Stirn treiben, ist keine Seltenheit. Doch wenn aus Tagen Jahre werden, glaubt wohl kaum jemand noch an die Rückkehr des geliebten Haustieres – so wie bei Romeo, der im Januar im Gießener Tierheim abgegeben wurde, nachdem er wiederholt an einer Bushaltestelle zu warten schien.

Hatte das Tier ein Zuhause und war sein Besitzer vielleicht schon auf der Suche nach ihm? „Er war nicht verwildert, musste aber schon einige Zeit draußen geschlafen haben“, erinnert sich Sara Becker, Mitarbeiterin beim Tierschutzverein (TSV) Gießen und Umgebung. Außerdem muss „Romeo“ in einen Kampf geraten und von seinem Kontrahenten gebissen worden sein. Im Tierheim wurden die Wunden versorgt und man machte sich daran, die Herkunft des Katers in Erfahrung zu bringen.

Irgendwann einmal muss er jedenfalls ein Zuhause gehabt haben, denn in beiden Ohren entdeckten die Tierschützer Tätowierungen. Und bald stellte sich heraus, dass „Romeo“ schon einmal Gast im Tierheim war. 2008 wurde der Kater unter dem Namen „Peter Pan“ vermittelt. Auch eine Vermisstenmeldung im Haustierzentralregister „Tasso“ war seit 2014 aktiv - die dazugehörige Besitzerin wohnte aber nicht mehr unter der angegebenen Adresse. Was tun?

Über Facebook und dank eines seltenen Nachnamens spüren die Tierschützer das Frauchen in Sachsen auf

„Als Tierschützer lernt man schnell, nicht zu leicht aufzugeben und manchmal selbst die unmöglichsten Wege zu gehen“, erklärt der TSV auf seiner Facebook-Seite. Über das soziale Netzwerk spürten die Mitarbeiter schließlich die Besitzerin auf – einem nicht allzu häufigen Nachnamen sei Dank. Und wen wundert’s: Romeos Frauchen sei „fix und fertig“ gewesen, als sie hörte, dass ihr Liebling gefunden wurde. „Sie dachte, er sei tot und konnte es gar nicht glauben. Sie hat geweint vor Freude“, schildert Sara Becker. Denn wenn ein Tier über Jahre vermisst wird, schwinde irgendwann jede Hoffnung. Durch Tätowierung und die auffällige Fellzeichnung war aber schnell klar, dass es wirklich Romeo war, der da im Tierheim wartete.

Letzte Zweifel schwanden, als die Frau erfuhr, dass sich ihr Kater an einer Bushaltestelle aufhielt. Denn nicht nur der weltberühmte Hund „Hachiko“ hat fast zehn Jahre täglich am Bahnhof auf sein verstorbenes Herrchen gewartet. Auch „Romeo“ holte seinen Besitzer nach der Arbeit stets an der Bushaltestelle ab – bis er 2014 verschwand.

Für das Wiedersehen mussten sich beide aber noch gedulden. Romeos Frauchen wohnt nämlich mittlerweile in Sachsen. Doch die weite Anreise nach Gießen hat sich gelohnt: „Romeo hat sie erkannt und direkt mit ihr geschmust“, berichtet Sara Becker. Auch die Tierheim-Mitarbeiter freuen sich über das „Happy End“.

Insbesondere, weil Fundkatzen nur selten in ihr ursprüngliches Zuhause zurückgebracht werden können. „Wir haben im Jahr rund 300 Fundkatzen, von denen nur zwölf bis 20 Prozent zugeordnet werden können.“ Denn viele Tiere seien weder durch ein Tattoo, noch durch einen Chip gekennzeichnet. Die Tierschützer appellieren daher an alle Halter, ihre tierischen Schätzchen zu chippen und in entsprechenden Datenbanken anzumelden: „Die Registrierung ist kostenlos und die Daten dürfen nicht ohne Zustimmung weitergegeben werden.“

Und auch, wer ein Tier findet und versorgt, sollte unbedingt einmal beim Tierarzt vorstellig werden. Der kann dann schnell einen eventuell vorhandenen Chip auslesen. (ga)

Bericht des Tierschutzvereins Gießen


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