Friseure sind sauer über „Ausnahmen“

Handwerk  Innung kritisiert Genehmigungen für das Führen eines Meisterbetriebs ohne Meistertitel

Im Sitzungssaal der Kreishandwerkerschaft trafen sich die Mitglieder der Friseur-Innung zu ihrer Jahreshauptversammlung. (Foto: Häring)

Themen wie „Friseurazubis“, „Ausnahmebewilligung“ oder die Landtagswahl in Hessen beschäftigten allein die Obermeisterin Marion Saquella in ihrem Geschäftsbericht und sorgten zum Teil für produktive Kommentare der anwesenden Mitglieder.

Der Bericht wurde eröffnet mit Zahlen. Demnach hat die Innung einen Verlust von zwei Mitgliedern zu verzeichnen. Derzeit sind 59 Mitglieder der Innung angeschlossen, bei drei Neuzugängen und fünf Austritten.

20 neue Verträge über Ausbildung

Erfreulich sei die Zahl der Auszubildenden. Hier wurden im ersten Lehrjahr 20 neue Berufsausbildungsverträge abgeschlossen. Zurzeit werden in den Betrieben der Innung insgesamt 64 Jugendliche ausgebildet.

Neu ist nach den Worten von Marion Saquella die Einführung eines „Bachelor of Beauty Managments“, den man ab Mai 2018 machen kann. Das Studium dauert drei Jahre und erfolgt in Teilzeit alle sechs Wochen zwei Tage lang. „Einer der Hintergründe ist es, die Weiterbildung und das Image des Schönheitsexperten zu stärken“ so die Obermeisterin.

Besonders hart gingen die Mitglieder dann mit dem Thema „Ausnahmegenehmigung“ um. Hier wären die Städte und Gemeinden bei der Vergabe von Gewerbescheinen gefordert, eine einheitliche Lösung zu finden. Wie Vorstandsmitglied Ralf Metz am Beispiel Hadamar erläuterte, seien in der Stadt sechs Meisterbetriebe gemeldet „aber 42 Ausnahmegenehmigungen“.

Die Genehmigungen, einen Meisterbetrieb auch ohne Meistertitel zu führen, sei bei Ausnahmefällen eingeführt worden. Für die Vergabe ist die Handwerkskammer in Wiesbaden zuständig. Dort werde nach Meinung der Limburger Friseurinnung eher lax gehandelt.

Eingeführt wurde die Ausnahmegenehmigung zum Beispiel beim Todesfall eines Friseurmeisters. Hier solle den Angehörigen per Ausnahmegenehmigung ermöglicht werden, den Betrieb noch ein Jahr ohne Meister zu führen. In dieser Zeit soll sich um einen Nachfolger im Betrieb oder um einen Meister gekümmert werden.

Bei einem derzeit praktizierten Beispiel würden bei einigen „Ausnahmefällen“ sich in einem Raum eine Poststelle, Dönergeschäft und Shisha-Bar befinden.

In diesem Zusammenhang warb der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Stefan Laßmann, für die Meisterprüfung. Hier brachte er die Kosten für eine Meisterprüfung ins Spiel „die erschwinglich und bezahlbar sind“.

Verständnis brachte er für die Kommunen auf, die oft keine Möglichkeit hätten, zu überprüfen, ob in den Betrieben ein Meister tätig ist. In dieser Diskussion wurde auch das Thema „Meisterkauf“ angeschnitten. Es seien vermehrt Personen an Friseurmeister herangetreten, die diesen Titel mieten wollten. Gesellen hätten so die Möglichkeit, den Betrieb mit Titel und Namen des „Fremdmeisters“ weiterzuführen.

Forderungskatalog an Landespolitiker

Wie Stefan Laßmann anführte, sei dies legal. Das sei jedoch nur in den Fällen möglich, in denen der Meister auch zu 50 Prozent im Geschäft anwesend ist und das entsprechende Gehalt bekommt.

Mit einem Forderungskatalog treten die Friseure auch an die politisch Verantwortlichen zur Landtagswahl in Hessen heran. Zu den Forderungen gehört demnach unter anderem die Stärkung der Tariffähigkeit, die Sicherung des bewährten dualen Ausbildungssystems und die Forderung zur Absenkung der Mehrwertsteuerfreigrenze für Kleinstbetriebe.

„Wir müssen daran arbeiten, gute Fachkräfte zu gewinnen, dabei ist eine gute Ausbildung das A und O. Wir wollen unser Image nach oben bringen, fangen wir jetzt an, was dafür zu tun. Stillstand ist Rückstand“, so die Schlussworte der Obermeisterin.

Den Schluss der Veranstaltung bildete ein Referat von Joachim Stanjek zum Thema „Digitale Kassen“. (kdh)


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