„Da ist alles tot im Bleidenbach“

Umwelt  500 000 Liter Gülle laufen von Biogasanlage über Bleidenbach in Weil und Lahn

500 Kubikmeter Gülle fließen Richtung Weil: Eine Spezialfirma spült den Bleidenbach in Weilmünster. ⋌(Foto: Bach)

Diese Aufnahmen hat Gewässerwart Winfried Klein dem TAGEBLATT geschickt: Es soll tote Fische an der Weil bei Freienfels zeigen. (Foto: privat)

Nur noch braune Brühe: der Bleidenbach am Donnerstagmittag unterhalb von Laubuseschbach. (Foto: privat)

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In den frühen Morgenstunden sind am Donnerstag rund 500 Kubikmeter – umgerechnet 500 000 Liter – Gülle aus einer Biogasanlage eines landwirtschaftlichen Betriebs in Weilmünster in den nahe gelegenen Bleidenbach gelaufen. Das bestätigte der Pressesprecher des Landkreises Limburg-Weilburg, Jan Kieserg, auf TAGEBLATT-Nachfrage am Donnerstagvormittag.

Über das kleine Bächlein, das im Ortskern von Weilmünster in die Weil fließt, floss die braune und stinkende Brühe weiter bis zur Guntersau in Weilburg, wo die Weil in die Lahn mündet.

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Ursache ist ersten Ermittlungen zufolge wohl ein technischer Defekt in der Biogasanlage. „Die Ökologie des Bleidenbachs wurde dadurch erheblich gestört“, heißt es beim Landkreis Limburg-Weilburg.

Ihren Ursprung soll die Gülle in einem mit 600 Kubikmeter Gülle gefüllten Behälter gehabt haben, der sich in unmittelbarer Nähe einer Biogasanlage auf einem landwirtschaftlichen Anwesen oberhalb des Ortsteiles Laubuseschbach befindet.

Vertreter des zuständigen Amts für Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz waren vor Ort und haben eine Fachfirma hinzugezogen, die den Bleidenbach und die nachfolgenden Gewässer über mehrere Stunden gespült hat.

Gewässerwart sieht jahrelange Arbeit, Lachs und Muscheln wieder anzusiedeln, zu Nichte gemacht

„Da ist alles tot im Bleidenbach“ sagte Winfried Klein, Gewässerwart vom Fischerei-Sportverein Oberlahn. Der Verein hat sowohl den Bleidenbach als auch die Weil gepachtet. „Auch die Weil ist hinüber“, sagte Klein. Jahrelange Aufzuchtarbeit und Versuche, Lachs und Bachmuscheln in den Gewässern wieder anzusiedeln, seien dahin. Das Hauptproblem sind laut Klein die Eigenschaften der Gülle. „Die Gülle entzieht dem Wasser sämtlichen Sauerstoff“, erklärt der Gewässerwart. Fische und andere Tiere hätten keine Chance, zu überleben. 

Außer den Bleidenbach und die nachfolgenden Flüsse kräftig zu spülen, bleibt derzeit keine andere Möglichkeit, die Gülle aufzuhalten. Anders als bei Öl, das auf der Wasseroberfläche schwimmt, vermische sich Gülle einfach mit dem Wasser und lasse sich kaum aufhalten, erklärte ein Beamter der Wasserschutzpolizei in Weilburg auf TAGEBLATT-Nachfrage.

Welche Folgen die Verunreinigung für die Gewässer hat, lasse sich derzeit noch nicht absehen, hieß es bei der Pressestelle des Landkreises Limburg-Weilburg am Donnerstagabend. In den nächsten Tagen müsse zunächst untersucht werden, wie stark vor allem die Weil in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Die Fachfirma werde auf jeden Fall auch am Freitag weitere Spülvorgänge vornehmen. „Die aktuell braune Trübung der Weil wird auf jeden Fall noch einige Tage andauern“, erklärte Pressesprecher Jan Kieserg.


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