„Haben 13 000 Kubikmeter Erde bewegt“

Tageblatt öffnet Türen  20 Leser werfen einen Blick hinter die Kulissen des Autohofs Merenberg

In einigen Monaten Tankstelle, heute noch Baustelle: Bei der Führung über den Autohof Merenberg haben die Teilnehmer vielfach die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werden. (Foto: Schalles)
Alles sauber? Im Gänsemarsch geht es durch die Pkw-Waschstraße, bei der zurzeit allerdings noch die Innenausstattung fehlt. Nächster Halt: Tankstelle. (Foto: Schalles)
Anhand von Grafiken erklärt der Pächter des Autohofs, Tom Rathschlag, wie das Innere des Hauptgebäudes einmal aussehen soll. (Foto: Schalles)
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Die Führung beginnt dort, wo sie genau 75 Minuten später endet: in der Lkw-Waschanlage – und die kommt komplett ohne Frischwasser aus, wie Daniel Ebert erklärt. Der Architekt des Bauhofs ist bei dem Rundgang über das Areal der Ansprechpartner für technische Angelegenheiten; für all das also, was man später auf dem Autohof nicht mehr sieht, auf der Baustelle hingegen schon noch.

Unterhalb der Parkplätze für Lkw wurden 1,2 Kilometer Regenwasser- und Drainagerohre verlegt

Doch bevor es so richtig los geht, gibt Wilhelm Höhler, Vorstandsvorsitzender der Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) Hessen, den Teilnehmern zunächst noch einige Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Großbauprojekts. „Für mich war es immer das oberste Ziel, heimische Unternehmen mit einzubinden“, sagt Höhler. So komme beispielsweise die für den Tiefbau verantwortliche Firma aus Weilmünster, der Architekt aus Merenberg und der nun beauftragte Installateur aus Waldernbach. „In der momentanen Situation ist es jedoch schwer, Bauunternehmer zu finden. Daher gehen wir mittlerweile von einem Eröffnungstermin im Oktober aus“, teilte Höhler mit.

Doch zurück zur Waschanlage und den dortigen Abläufen: „Der Lkw fährt in der Halle auf eine der beiden Spuren. Von unten wird dann der Unterboden gewaschen, oben gibt es drei große Bürsten“, sagt Ebert. 40 bis 50 Minuten dauere ein solcher Vorgang. Der Fahrer könne sich in der Zwischenzeit im Bistro aufhalten und werde gerufen, sobald sein Fahrzeug wieder sauber sei.

„Das verbrauchte Wasser läuft schließlich über eine Rinne in der Mitte der Spur in ein Entnahmebecken, wo es so gefiltert wird, dass es direkt wieder verwendet werden kann“, erklärt Ebert. Sollte diese Aufbereitung einmal ausfallen, könne in der Lkw-Waschanlage notfalls auch vorübergehend mit Frischwasser gewaschen werden. In der Pkw-Waschanlage, die sich wenige Meter entfernt in einer separaten Halle befindet, sei das hingegen nicht möglich.

Doch zunächst einmal geht es weiter auf den Lkw-Parkplatz. „Der Fahrer zieht an der Schranke ein Ticket im Wert von sieben Euro, das im Bistro als Verzehrgutschein verwendet werden kann“, erklärt Ebert, um sich gleich darauf dem nächsten Detail zuzuwenden. Um mehr Platz zu schaffen, „haben wir versucht, so wenige Lampen wie möglich zu verbauen, und diese nur im Außenbereich“, erklärt Ebert und zeigt auf eine Reihe von Baugruben am Rand der Stellflächen. Damit dennoch der gesamte Parkplatz ausgeleuchtet werde, seien die Lampen 18 Meter hoch und damit vier Meter höher als im Normalfall.

Und Ebert hat noch weitere interessante Zahlen parat: 13 000 Kubikmeter Erde seien auf der Baustelle bewegt worden, um das ursprünglich steile Gelände zu begradigen. Gebäude, Fundamente und Wege werden bis zur Fertigstellung zudem 580 Kubikmeter Beton verschlungen haben. Und allein im Boden unterhalb der insgesamt 55 Stellflächen seien 1,2 Kilometer Regenwasser- und Drainagerohre verbaut worden, erklärt Ebert .

Oberhalb der Lkw-Waschanlage befinden sich derweil die Pkw-Parklätze. 50 an der Zahl, hinzu kommen jeweils drei Stellplätze für Wohnmobile und Busse. Gleich um die Ecke befindet sich die Pkw-Waschanlage, bei der hinsichtlich der Abläufe das gleiche Prinzip gelte wie bei den Lkw, erklärt Ebert. Ein Extra sei der Vorwaschplatz, unter dem Heizschlangen verlegt wurden, damit das Wasser im Winter nicht den Boden vereist. Wer sein Auto dort künftig waschen will, „kann sich auf einem Bildschirm außerdem sein eigenes Paket für die Wäsche zusammenstellen“, fügt Tom Rathschlag, der Pächter des Autohofs, an. Bezahlt werde dann im Shop, wo der Kunde auf einem Bildschirm über der Kasse den Waschvorgang live mitverfolgen könne und die Restdauer angezeigt bekommen.

An der Ausfahrt der Waschanlage steht man dann schließlich unmittelbar vor dem Hauptgebäude. Doch bevor das „Herzstück“ des Autohofs besichtigt wird, steht noch ein Abstecher zu der Pkw-Tankstelle auf dem Programm. „Drei Zapfsäulen mit zwei Anschlüssen wird es hier geben, so dass sechs Autos gleichzeitig tanken können“, sagt Ebert. Möglich machen das die im Boden verlegten Tanks, die insgesamt 70 000 Liter Benzin und 90 000 Liter Diesel fassen.

Und mit dieser imposanten Kennzahl geht es schließlich zur letzten Station des Rundgangs, dem Hauptgebäude. Wo bislang nur Stahlkonstruktionen vorhanden sind, sollen in den nächsten Wochen Bistro, Shop und Spielhalle entstehen. Was einmal wo sein wird, verdeutlicht Tom Rathschlag mit Hilfe von 3-D-Grafiken. Geplant sind unter anderem eine Theke, eine Sitzecke, ein Raucherbereich und eine Terrasse. Im hinteren Teil des Gebäudes finden Toiletten, Dusch- und Aufenthaltsräume sowie die Spielhalle Platz.

„Im Bistro bekommen sie Gerichte wie Schnitzel, Currywurst oder auch Vegetarisches. Wir wollen aber auch ein wechselndes Tagesgericht anbieten“, erklärt Rathschlag und gibt damit das Stichwort für den endgültigen Abschluss der Veranstaltung: In der Lkw-Waschanlage wartet da nämlich bereits ein kleiner Imbiss auf die Gäste.


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