„Pop am Fluss“ – Top oder Flop?

Weniger Besucher, bessere Laune – Veranstalter will auch nächstes Jahr Konzertreihe fortsetzen

„Ich freue mich auf Euch!“: Mit diesem Spruch hatte Roland Kaiser seine 3200 Gäste auf dem Festplatz Hainalle begrüßt. Zu wenige? Nein, sagt der Konzertveranstalter. Ein Flop war „Pop am Fluss“ nicht. (Foto: Markiewicz)

Ob „Pop am Fluss“ ein Erfolg war, hängt dabei wohl von der Sichtweise ab. Wenn es um die Stimmung geht, ist die Konzertreihe eher als gelungen zu bewerten.

Das TAGEBLATT titelte über die Konzerte: „3200 feiern Roland Kaiser“ sowie „Pop am Fluss lässt Tausende Fans lächeln“ am Tag zuvor über die Auftritte von Max Giesinger und Gregor Meyle. Und im „Moment Mal“ mit dem Titel „Weilburg kann Freude“ wurde kommentiert, dass die Stimmung in Weilburg prima war. Diesen Eindruck hatten die TAGEBLATT-Reporter an beiden Tagen in etlichen Gesprächen mit Besuchern vor Ort gewonnen, aber auch im Internet und in den Sozialen Netzwerken wurden meist positive Kommentare hinterlassen.

Keine Selbstverständlichkeit: Im vergangenen Jahr hatte es im Netz einen regelrechten „Shitstorm“ gegeben. Durch den verspäteten Auftritt von Mark Forster gab es teilweise übelgelaunte Konzertbesucher.

Natürlich lief auch in diesem Jahr nicht alles perfekt. Auf Nachfrage beim Veranstalter wird berichtet, dass es aber keine besonderen Zwischenfälle gab – auch die Polizei meldet keine nennenswerten Vorkommnisse.

Eine Leserin beschwerte sich allerdings in der Redaktion, die Taschenkontrollen an der Sicherheitsschleuse seinen in ihren Augen nicht gründlich genug ausgefallen. Allerdings gab es im Vorjahr genau die entgegengesetzte Beschwerde, das Sicherheitspersonal sei zu pingelig gewesen. Am Ende wird man es wohl nicht jedem recht machen können.

Auch nicht den Drommershäusern, die in diesem Jahr ihre Kirmes feierten, just zu dem Zeitpunkt, zu dem „Pop am Fluss“ stattfand. Im Weilburger Stadtteil war man darüber nicht amüsiert, denn schließlich hatte man dort die Befürchtung, dass man in Konkurrenz um Zuschauer treten würde – und in der Tat hätte man sich zur Kirmes wohl mehr Besucher erhofft. Ob dies nun eine direkte Auswirkung von „Pop am Fluss“ war, lässt sich im Nachhinein aber nur schwer beurteilen. Nächstes Jahr wird diese Situation aber nicht mehr eintreten.

Die Frage nach der Besucherzahl drängt sich derweil auch auf für die Beurteilung, ob „Pop am Fluss“ ein Erfolg war. Denn gute Stimmung hin oder her – am Ende spielt es für den Veranstalter eine gewisse Rolle, ob sich der Aufwand auch finanziell lohnt.

Ausgerichtet wird „Pop am Fluss“ von der Koblenzer Agentur Lulu Castell Eventservice. Dem TAGEBLATT teilt, die Agentur der Konzertreihe mit, dass man auf rund 10 000 Besucher gehofft hatte – dies hätte ungefähr der Anzahl der Festivalbesucher des Vorjahres entsprochen. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Während des Freitagabendkonzerts mit Giesinger und Meyle waren etwa 4000 Besucher gezählt worden, am Samstag besuchten rund 3200 Gäste Roland Kaiser. Mit den insgesamt 7200 Besuchern wird die eigene Zielmarke unterschritten, wie die Sprecherin des Veranstalters, Sabine Glinke, bestätigt.

Die Ursachensuche gestalte sich dabei schwierig. Das Einzugsgebiet für „Pop am Fluss“ betrage 70 Kilometer, heißt es vom Veranstalter. Das hat Auswirkungen – gibt es in Gießen oder Koblenz Konzerte von Künstlern, die ein ähnliches Publikum anziehen, sind potenzielle Musikliebhaber schon nicht mehr bereit, nach Weilburg zu fahren. Und das geschieht häufig, Weilburg liegt verkehrsgünstig in der Nähe von Orten wie Frankfurt, Wiesbaden, Koblenz und Gießen – dort gibt es häufiger Musikveranstaltungen.

Trotz Kritik am Ambiente: Veranstalter will am Festplatz „Hainallee“ festhalten

War die Künstlerauswahl richtig? Roland Kaiser mobilisiere in Dresden regelmäßig mehr Besucher, lautete etwa Kritik. Diesen Vergleich hält der Veranstalter indes nicht für gerechtfertigt. Einerseits sei es müßig, Weilburg mit Dresden zu vergleichen, die dortigen Kaiser-Konzerte hätten zudem „Event-Charakter“, wie Glinke berichtet. Eine Zeitung rügte auch das Ambiente des Festplatzes Hainallee. Doch am Festplatz in direkter Nähe zur Lahn wolle man ebenso festhalten, wie am Format, wie Glinke dem TAGEBLATT sagt. So sei 2018 zwar kein überragender Verkaufsschlager gewesen, aber auch kein Flop. Man plane daher jetzt schon für 2019. Wer dann auf der Bühne stehen wird, will der Konzertveranstalter noch nicht verraten. Es soll laut Stadt am 6. und 7. September stattfinden.

Tausende Besucher bei „Pop am Fluss“: Die Stimmung war 2018 gut – der Ticketverkauf eher durchschnittlich. (Foto: Markiewicz)


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