2024 lassen sich registrieren

DKMS  Registrierungsaktion ist ein riesiger Erfolg / Über 33 000 Euro gespendet

Die Bereitschaft ist riesengroß: Volles Haus am Samstagmorgen bei der DKMS-Registrierungsaktion im Dorfgemeinschaftshaus Wolfenhausen. (Foto: Keller)
Der entscheidende Teil der Registrierung: Eine Gewebeprobe mittels Wattestäbchen abgeben. Dazu muss das Stäbchen 30 Sekunden an der Wangenschleimhaut gerieben werden. (Foto: Keller)
Nach der Registrierung geht es zur Zwischenkontrolle. Hier werden die Proben abgegeben. (Foto: Keller)

Überreichten am Samstag Spenden an Bettina Steinbauer von der DKMS: Bürgermeister Manfred Heep (2. v. l.) für den Marktflecken sowie 5000 Euro vom Lions Club Weilburg, vertreten durch (v. l.) Horst Koort, Thorsten Sprenger, Markus Balbach und Thomas Giesick. (Foto: privat)

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Schon auf dem Weg Richtung Wolfenhauen weist ein großformatiges Schild am Kreisel zwischen Laubuseschbach und Wolfenhausen auf die Registrierungsaktion hin. Den Weg bis zum Bürgerhaus säumen immer wieder Bündel knallroter Luftballons, die an den Laternenmasten hängen. Bereits am Abzweig der Hauptstraße Richtung Dorfgemeinschaftshaus (DGH) stehen Feuerwehrmänner bei andauerndem Nieselregen und weisen den Autofahrern den Weg.

 

Um ein Verkehrschaos zu verhindern, wurde kurzerhand eine Einbahnstraßenregelung geschaffen. Mannschaftstransporter von Feuerwehr, DLRG und weiteren Organisationen fahren im Minutentakt durch die Straße Elkerhäuser Berg, die gegen 11 Uhr auf einer Seite fast komplett zugeparkt ist. Und die Insassen der Autos haben alle nur ein Ziel: das Dorfgemeinschaftshaus. Vom miesen Wetter lässt sich an diesem Tag anscheinend keiner beeindrucken.

 

Vor dem DGH haben Helfer mehrere Zelte aufgebaut. Ein Verpflegungszelt mit Kuchen, Bratwurst und Getränken, ein Zelt mit Kinderprogramm und zwei Zelte einfach zum Hinsetzen. Für registrierte Spender alles kostenlos. Alles wurde von Freunden und Firmen gespendet. Von der Bratwurst bis zum Bier. Und die Stimmung ist trotz des ernsten Hintergrunds – passende Stammzellspender für die an Leukämie erkrankte Pauline zu finden – heiter.

 

Auch im DGH sind die knapp über 100 ehrenamtlichen Helfer bester Laune. Fünf lange Tischreihen stehen im Saal. Auf der einen Seite sitzen die ehrenamtlichen Helfer, auf der anderen diejenigen, die sich in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen wollen.

 

Natürlich vor allem für die kleine Pauline, die selbst hier im Dorf lebt und unter anderem in der Kinderfeuerwehr ist, aber auch für viele Tausend andere Patienten, denen nur noch eine Knochenmarkspende helfen kann.

 

Rote Karten halten die Helfer, die für die Registrierung zuständig sind, immer wieder nach oben. Es hat etwas von einem Parteitag. Doch die Helfer geben keine Stimme ab, sie signalisieren: „Ich habe einen Platz frei“. Und auch in den Reihen der Registrierer ist die Stimmung gut. Mancher der Helfer feilscht geradezu darum, den nächsten potenziellen Spender nach Name, Alter, Gewicht und weiteren Daten zu fragen. Aber nicht jeder kann sich registrieren lassen. Wer älter als 55 Jahre oder beispielsweise an Rheuma erkrankt ist, ist raus.

 

Stimmen die Voraussetzungen, dann kommt der wichtigste Teil des Tages und das berühmte Wattestäbchen ins Spiel. Mit jedem der drei Stäbchen 30 Sekunden an der Wange reiben. „Wir brauchen keine Spucke, sondern Gewebe“, erklärt Bettina Steinbauer von der DKMS. Bereits vor drei Wochen habe sie sich mit Paulines Eltern und der engeren Helfergruppe vor Ort getroffen. „Damals hatte ich noch etwas Sorge, dass es ein Problem mit den Parkplätzen gibt“, erzählt sie. Was Freunde und Helfer um Paulines Familie aber hier heute auf die Beine gestellt hätten, sei einfach nur herausragend.

 

Nicht nur riesige Bereitschaft sich registrieren zu lassen, viele Spenden zusätzlich Geld

 

Mit dem ausgefüllten Spenderbogen und den drei Wattestäbchen – eine Probe, eine Ersatzprobe und ein drittes für den Test auf einen Herpesvirus – geht es dann weiter zur Zwischenkontrolle. Dort sitzen unter anderem Rita und Mike Mollier aus dem Selterser Ortsteil Haintchen. „Ich habe von der Aktion über eine WhatsApp-Gruppe meiner Motorradfreunde erfahren“, erklärt Mike Mollier, der zusammen mit seiner Frau bis 16 Uhr die Proben entgegennehmen und etliche Antwortbögen überprüfen wird, ob nicht doch ein Ausschlusskriterium übersehen wurde.

 

Erst wenn alles stimmt, geht es wieder Richtung Ausgang. Im Vorraum sitzen wieder etliche Helfer an Tischen und nehmen die Endkontrolle vor.

 

Überwältigt von der riesigen Resonanz ist auch Christina Suck: „So viele Leute hätte ich nicht erwartet“, sagt sie mit strahlenden Augen und da ist es gerade kurz vor Zwölf am Mittag. Nicht nur aus der direkten Umgebung, selbst aus Frankfurt, Idstein oder Wiesbaden hätten sich Menschen heute registrieren lassen.

 

Bei der Endkontrolle bitten die freiwilligen Helfer auch noch um Spenden, damit die Registrierungsaktion finanziert werden kann. Immerhin 35 Euro kommen mit Laborkosten und Co für jeweils eine Registrierung zusammen. Und so groß die Hilfsbereitschaft der Spender an diesem Tag ist, so groß scheint auch deren Spendenbereitschaft zu sein, liegen doch schon einige Scheine in den transparenten Spendenboxen. Hinzu kommen die zahlreichen Spenden die im Vorfeld und auch noch im Anschluss an die Aktion gemacht werden. Am Samstag überreichte vor Ort unter anderem Bürgermeister Manfred Heep für die Gemeinde einen Scheck sowie der Lions Club Weilburg, der 5000 Euro für die Aktion gespendet hat. 

 

Und die Aktion läuft wie am Schnürchen. Gerade einmal zwischen fünf und sieben Minuten dauert es, bis die Besucher das Gemeinschaftshaus betreten und dann mit einem vorläufigen Spenderausweis wieder herausgehen.

 

Eine halbe Stunde vor Beginn wurden die Helfer vom Team der DKMS geschult. Und das hat augenscheinlich gut geklappt. So herzlich, schnell und unkompliziert habe sie selten mit einer Helfergruppe vor Ort zu tun, sagt Bettina Steinbauer von der DKMS am Vormittag.

 

Und die Mühen der Organisatoren haben sich gelohnt. „2024 Menschen haben sich heute registrieren lassen und 33 360 Euro Geldspenden sind eingegangen“, berichtet Bettina Steinbauer während der Heimfahrt dem TAGEBLATT. „Das ist der Wahnsinn für eine Aktion in einem Dorf dieser Größe!“, sagt sie.
Wochenlang haben Eltern, Familie und Freunde der siebenjährigen Pauline für die Registrierungsaktion geworben. Tausende Handzettel verteilt, Plakate aufgehängt, bei den lokalen Medien für die Aktion geworben und es am Samstagmorgen sogar in die Nachrichten im Radio geschafft.
Es hat sich gelohnt.

 


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