Angeklagter in Kinderporno-Prozess gibt Details preis

Justiz  Angeklagte nennen Einzelheiten in Prozess um Kinderporno-Plattform „Elysium“

Prozess im Kinderporno-Fall «Elysium»
Die Angeklagten verbergen ihre Gesichter hinter Aktenordnern. Foto: Thomas Frey/Archiv

„Einen Chef schlechthin gab es eigentlich nicht“, sagte der 58-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Limburg. Aber er sei derjenige mit dem größten Einfluss gewesen. Mehrere Stunden berichtete der Mann aus dem Kreis Tübingen von den technischen Voraussetzungen zum Betrieb der Plattform und welche Aufgaben er sowie seine drei Mitangeklagten übernommen hätten. Der 58-Jährige soll einer der Administratoren gewesen sein.

Ein 62-Jähriger aus Bayern, der als „Moderator“ Chats betreut sowie Kinder sexuell missbraucht haben soll, räumte ebenfalls mehrere Anklagepunkte ein. Er soll sich mit einem Mann aus Österreich verabredet haben, um dessen Sohn und Tochter zu missbrauchen.

Das sei nicht geplant gewesen und hätte nicht passieren dürfen, sagte der Mann aus Landsberg/Lech. Er ließ dabei durchblicken, dass er bereits vor mehr als 20 Jahren übergriffig geworden sei.

Die vier Angeklagten sollen „Elysium“ im Darknet, dem abgeschirmten Teil des Internets, betrieben oder sich daran beteiligt haben.

„Sehr schnell viele Mitglieder gewonnen“

Die Plattform mit mehr als 111 000 Nutzern weltweit war ein halbes Jahr online. Im Juni 2017 wurde „Elysium“ von Ermittlern abgeschaltet.

Die Plattform war online gegangen, nachdem ein Vorgängerportal aufgeflogen war. Auch daran sollen sich die Angeklagten teilweise beteiligt haben. „Elysium“ habe sehr schnell viele Mitglieder gewonnen, sagte der geständige 58-Jährige. Er gab den Richtern detaillierte Einblicke in die Technik und Funktionsweise von „Elysium“. Er bereue sein Tun, hatte er vergangene Woche gesagt. Doch seine Motive dafür kamen bislang nicht konkret zur Sprache. Der 62 Jahre alte Angeklagte sagte, es sei ihm darum gegangen, Kontakt zu anderen Pädophilen zu bekommen. Er habe Chats als Möglichkeit gesehen, „sich mit Leuten, die das Problem Pädophilie in sich tragen, auszutauschen“. Das könne man sonst nicht.

Angeklagte sind zudem ein 40-Jähriger aus Bad Camberg, der den Server für „Elysium“ betrieben haben soll. Ein 47-Jähriger aus dem Main-Tauber-Kreis soll ebenfalls Chat-Moderator gewesen sein. Der Prozess wird fortgesetzt. (lhe)


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