Die Raupen sind weg, die Gefahr ist es nicht

Natur  Eichenprozessionsspinner wird in der Region heimisch / Brennhaare verursachen starke Reizungen

Die Weilburger Heinrich-von-Gagern-Schule liegt idyllisch im Grünen und ist umrahmt von großen Bäumen, darunter auch Eichen. Mitte Juni mussten dort Mitarbeiter einer Fachfirma insgesamt acht befallene Bäume vom Eichenprozessionsspinner befreien. Die Nester der Raupen wurden dabei mit Spezialsaugern vollständig entfernt. (Foto: Vetter)
Egal ob für den Straßenendausbau im Neubaugebiet Rothenstein (oben), den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner oder die Ertüchtigung des Pfingstborn-Brunnens: Alles verursacht zusätzliche Kosten für die Gemeinde, denen jetzt zugestimmt wurde. (Fotos: Serowy/Settnik/dpa)
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Von der allgemeinen Klimaerwärmung begünstigt, verbreitet sich der Eichenprozessionsspinner jetzt auch in Mittelhessen kräftig. Das vermehrte Auftreten der Raupen dieser Schmetterlingsart dort, wo sich auch Menschen aufhalten, hat im Landkreis Limburg-Weilburg in den vergangenen Wochen zu einigen Einsätzen geführt, bei denen meist Mitarbeiter von Fachfirmen die Nester der Raupen mit Spezialsauggeräten komplett beseitigt haben.

Besonderes Augenmerk wird bei der Beobachtung auf Schulgelände gelegt. Auf Anfrage berichtet ein Sprecher der Kreisverwaltung, dass in den vergangenen Wochen an fünf Schulen ein Befall mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners festgestellt wurde: an der Mittelpunktschule St. Blasius in Frickhofen, an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar, an der Leo-Sternberg-Schule in Limburg, an der Mittelpunktschule Goldener Grund in Selters und auch an der Heinrich-von-Gagern-Schule in Weilburg.

In Weilburg hätten Mitarbeiter der Firma, die für die Rasenpflege an der Heinrich-von-Gagern-Schule zuständig ist, am 15. Juni auf dem Schulgelände einen Baum entdeckt, der von Eichenprozessionsspinnern befallen war. Noch am selben Tag habe man in der Kreisverwaltung reagiert und Kontakt mit einer Fachfirma aufgenommen. Mündlich sei das Unternehmen mit der Beseitigung der gesundheitsgefährdenden Raupen und ihrer Nester beauftragt worden. Am 18. Juni folgte ein schriftlicher Auftrag.

Die Mitarbeiter der Fachfirma seien sofort tätig geworden und hätten bei der Arbeit auf dem Schulgelände noch weitere Vorkommen der Insekten gefunden. Bei der Inspektion der übrigen Eichen fanden sie insgesamt sieben weitere Bäume mit Befall. Alle acht Eichen seien von Eichenprozessionsspinnern und ihren Hinterlassenschaften befreit worden. Die Arbeiten seien am 20. Juni abgeschlossen worden.

Zur üblichen Vorgehensweise heißt es aus der Kreisverwaltung: „Da die Tiere nur auf Eichen oder an benachbarten Bäumen zu finden sind, wird als Sofortmaßnahme der Bereich weiträumig gesperrt. Anschließend wird eine Fachfirma (Schädlingsbekämpfer oder Baumpflege mit entsprechender Qualifikation) beauftragt, den Befall zu beseitigen.“ Dies erfolge in der Regel zeitnah, meist innerhalb von einem bis drei Tagen.

Die Bürger sollten auf keinen Fall versuchen, die Nester der Raupen selbst aus den Bäumen zu entfernen

Als Schulträger muss der Landkreis in solchen Fällen tätig werden. Der Kreis ist zuständig, wenn Bäume auf Liegenschaften des Landkreises betroffen sind. Bei Bäumen, auf anderen öffentlichen Flächen sind die Städte und Gemeinden zuständig, in deren Eigentum sich diese Flächen befinden.

Die Kreisverwaltung rät dringend allen Bürgern, die einen Befall auf ihren Privatgrundstücken bekämpfen wollen, sich an ausgewiesene Schädlingsbekämpfungsunternehmen zu wenden. Der Befall mit Eichenprozessionsspinnern sei nicht meldepflichtig.

Auch Werner Werkecke, der Leiter des Forstamts Weilburg, warnt Grundstückseigentümer davor, Nester des Eichenprozessionsspinners selbst zu beseitigen. Uninformierte Bürger würden meist versuchen, die Nester mit Feuer oder mit einem kräftigen Wasserstrahl zu beseitigen – mit fatalen Folgen: Die Nester voller Brennhaare würden auseinandergerissen und tausende dieser sehr kleinen und leichten Haare über einen weiten Bereich verteilt.

In diesem Jahr seien besonders viele Befallsfälle gemeldet worden. Die Meldungen kämen aus fast allen Bereichen des etwa 15 000 Hektar Wald umfassenden Forstamtsbezirks.

Nur in den höheren Lagen um Driedorf seien die Eichenprozessionsspinner noch nicht angekommen, sagt Wernecke und ergänzt: „Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass wir uns dauerhaft darauf einstellen müssen. Der Witterungsverlauf wird dazu führen.“

Werden Vorkommen des Eichenprozessionsspinners mitten im Wald entdeckt, dann gehen die Forstleute meist nicht dagegen vor. Gehandelt werde nur, wenn der Befall direkt an vielgenutzten Spazierwegen oder anderen Orten auftritt, wo Menschen durch den Kontakt mit den Brennhaaren der Raupen gefährdet werden, sagt der Forstamtsleiter. Würden Raupennester beispielsweise im Tiergarten oder auf dem Campus des Forstlichen Bildungswerks gefunden, dann müssten sie sofort beseitigt werden. Auch wenn sich die meisten Raupen nun zu ungefährlichen Schmetterlingen verpuppt haben, könne keine Entwarnung gegeben werden. Die meist in den Nestern verbliebenen Puppen der Raupen verfügen nach wie vor über Brennhaare. Sie könnten noch über Monate gefährlich werden.

Ausgelöst werden Hautrötungen, starker Juckreiz, schmerzhafter Husten bis hin zu Asthmaanfällen

Die allergische Reaktion des Immunsystems kann laut Kreisgesundheitsamt sehr unterschiedlich ausfallen. Typische Symptome sind: lokal begrenzte Hautausschläge mit Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen (Raupendermatitis), Quaddelbildung am ganzen Körper. Beim Einatmen der Haare sind Bronchitis, schmerzhafter Husten und Asthma möglich, dazu kommen Reizungen der Mund- und Nasenschleimhäute. Begleitende Allgemeinsymptome sind Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung. In Einzelfällen ist eine allergische Schockreaktion möglich, bei der sofort der Notarzt kontaktiert werden muss. „Entsprechende Symptome sollten immer vom Hausarzt abgeklärt werden“, raten die Fachleute des Kreises betroffenen Bürgern.

 

Das Gesundheitsamt des Kreises Limburg-Weilburg gibt Verhaltenshinweise

Das Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg hat auf Anfrage des TAGEBLATTS folgende Vorsichtsmaßnahmen zusammengestellt:

  • Grundsätzlich die Befallsareale meiden, Absperrungen und Hinweisschilder beachten.
  • Raupen und Gespinste nicht mit bloßer Hand berühren.
  • Sofortiger Kleiderwechsel und ausgiebiges Duschbad mit Haarreinigung nach einem Kontakt mit Raupenhaaren.
  • Empfindliche Hautbereiche (zum Beispiel Nacken, Hals, Unterarme) schützen, bei
  • Bekämpfungsmaßnahmen immer einen Chemievollschutzanzug und Atemschutz tragen.
  • Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen an befallenen Bäumen verzichten, solange Raupennester des Eichenprozessionsspinners erkennbar sind.
  • Bekämpfung dieser Insekten wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten vornehmen lassen.

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