Eigenmächtig 400 000 Euro verplant

KIRCHE Bistum Limburg deckt Fehler eines Mitarbeiters auf und informiert die Öffentlichkeit

Eines der umstrittensten Gebäude Deutschlands: der Limburger Bischofssitz, dessen teuren Bau der ehemalige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst angekurbelt hatte. Nun sollte ein Teil seiner Luxuswohnung für die Öffentlichkeit hergerichtet werden. Pech fürs Bistum: Ein Mitarbeiter schloss dafür eigenmächtig wieder einen teuren Vertrag ab. (Foto: Vetter)

Ausgerechnet das umstrittene Bischofshaus ist betroffen. Über dieses 30-Millionen-Euro-Projekt war der Vorgänger des amtierenden Bischofs, Franz-Peter Tebartz-van Elst, gestolpert. Verschwendung und Prunksucht wurde dem Skandalbischof damals vorgeworfen. Sein Nachfolger Georg Bätzing war angetreten, die gespaltene Diözese zu einen. Ein Vorhaben, um dieses Ziel zu erreichen, war es, den als Prunkbau verschrienen Amtssitz für die Öffentlichkeit zu öffnen. 

Sprecher Schnelle gibt sich zerknirscht: „Transparenz ist aber alternativlos“

Das Erdgeschoss sollte anstatt als Privatresidenz für den Bischof – so wollte es Tebartz-van Elst – „mit möglichst geringem finanziellen Aufwand“ für die Belange des Diözesanmuseums umgebaut werden. Eine Sonderausstellung dort sollte im Frühjahr eröffnet werden. Transparenz statt private Prunkwohnung – das ist auch im Sinne des Bischofs Bätzing, dem Volksnähe und regelmäßige Tuchfühlung mit der Basis nachgesagt werden. Eigenschaften die seinem Vorgänger komplett abgingen.

Und nun das: Ausgerechnet das Projekt, das Gräben zuschütten sollte, reißt alte Wunden wieder auf. Es ist das Bistum selbst, das mit einem selbst entdeckten Skandal auch eigenständig an die Öffentlichkeit geht. Anfang März hat die Bistumsleitung nämlich erfahren, so teilte es die Kirchenverwaltung in Limburg am Mittwoch mit, dass sich ein Mitarbeiter der Bischöflichen Verwaltung über die Absichten einer Herrichtung der Wohnung mit möglichst geringem finanziellen Aufwand hinweggesetzt habe.

Im November 2017 schloss der Mitarbeiter einen Architektenvertrag ab und beauftragte Fachplaner, teilt das Bistum mit. Daraus sei die Planung einer Baumaßnahme mit einem Volumen von mehr als 400 000 Euro entstanden. Die seien so nicht genehmigt gewesen und in einer Prüfung aufgeflogen.

Bistumssprecher Stephan Schnelle wirkte im Gespräch mit dem TAGEBLATT am Mittwoch einigermaßen zerknirscht. „Transparenz ist aber alternativlos“, sagte Schnelle. Es sei richtig gewesen, auch mit dieser schlechten Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen. Gegen den Mitarbeiter, der in Limburg seinen Sitz hatte, sind entsprechende arbeitsrechtliche Konsequenzen ergangen, sagte Schnelle auf Nachfrage. Der Mitarbeiter habe gegen das strenge Vier-Augen-Prinzip bei der Planungsfreigabe verstoßen, auch die Beratung und Freigabe in den Gremien der diözesanen Vermögensverwaltung war nicht erfolgt.

Geld ist indes noch keins geflossen, der Schaden wird wohl im niedrigen sechstelligen Bereich sein

Wichtig sei: „Geld ist noch keins geflossen.“ Aber ein Schaden wird dennoch bleiben.
Einerseits ein finanzieller: „Das Bistum rechnet mit Ansprüchen aus Planungs- und Handwerkerkosten, die bereits erbracht wurden, im niedrigen sechsstelligen Bereich“, sagte Schnelle. Diese Kosten müssten dann vom Bistum getragen werden. Ein weiterer Schaden ist, dass die Planungen für das Museum zurückgeworfen werden. „Wir müssen nun erst einmal schauen, was bestellt ist und nicht zurückgeben können, etwa weil es maßangefertigt ist“, sagte Schnelle.

Ein anderer Schaden aber wiegt wohl am schwersten: der Imageschaden. Denn auch das Vorhaben des Bistums, Vertrauen zurückzugewinnen, ist durch das Handeln eines Mitarbeiters wieder zurückgeworfen worden. 


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